Fußball

Der letzte Romantiker der Liga Hector schwört dem 1. FC Köln die Treue

Der Abstieg des 1. FC Köln aus der Fußball-Bundesliga steht so gut wie fest. Doch die Fans feiern ihre Mannschaft auch nach dem Remis gegen Schalke. Was sie da noch nicht wussten: Nationalspieler Jonas Hector geht mit ihnen auch in die zweite Liga.

Am Morgen nach dem Fast-Abstieg, den Tränen und dem bewegenden Dauerapplaus der Fans machte sich erst einmal die große Leere breit. Doch dann kommt der deutsche Nationalspieler Jonas Hector - und setzt ein ebenso ungewöhnliches wie starkes Zeichen. Der 27 Jahre alte Profi, vom FC Bayern und Borussia Dortmund umworben, wird mit dem 1. FC Köln in die zweite Fußball-Bundesliga gehen. Er hat, das ist die Nachricht des Tages, seinen Vertrag am Tag nach dem 2:2 (1:2) gegen den FC Schalke 04 sogar bis 2023 verlängert.

Ob sich andere Leistungsträger wie Torhüter Timo Horn, Leonardo Bittencourt und Dominique Heintz daran ein Beispiel nehmen? Immerhin spielt Hector, der bisher 26 Mal für die DFB-Elf auflief, in den WM-Planungen von Bundestrainer Joachim Löw eine große Rolle. Für das Turnier in Russland gilt er, also Hector, am linken Ende der Viererabwehrkette als gesetzt.

In den sozialen Medien berichteten Fans von "Gänsehaut" und "Freudentränen", andere nannten Hector eine "Legende". Horn hatte bereits öffentlich einen Verbleib in Aussicht gestellt, Marco Höger hat ihn schon verkündet. "Es wäre problemlos möglich gewesen, nach dieser Saison zu einem anderen Verein zu wechseln, aber für mich fühlte sich das nicht richtig an", sagte Hector. "Ich gehöre zum FC und will mit dem Team und unseren Fans im Rücken in der neuen Saison wieder voll angreifen." Auch dass ein Anhänger dem in Tränen aufgelösten Hector nach dem 1:2 bei Hertha BSC im Berliner Olympiastadion sein in den Block geworfenes Trikot vor die Füße zurückwarf, änderte Hectors Einstellung nicht.

"So etwas gibt es nur in Köln"

"Jonas ist ein außergewöhnlicher Spieler und ein außergewöhnlicher Mensch, wie es sie im heutigen Profifußball selten gibt", sagte Sport-Geschäftsführer Armin Veh. Und so etwas wie der letzte Romantiker der Liga Doch dass der FC auch ein außergewöhnlicher Verein ist, zeigte sich nach dem Spiel gegen Schalke. Als sich die Zuschauer eine Minute nach dem Schlusspfiff plötzlich von ihren Sitzen erhoben und die Mannschaft minutenlang beklatschten, war so manche Träne der Enttäuschung, aber auch der Rührung geflossen. "So etwas gibt es nur in Köln", sagte Horn, gebürtiger Kölner und seit der Kindheit FC-Fan, sichtlich bewegt.

Nachdem alle eine Nacht darüber geschlafen hatten, blieb die bittere Erkenntnis: Der Abstieg ist quasi besiegelt. Der sechste in der Vereinshistorie des FC. Und laut Marcel Risse, Torschütze zum 2:2 und ebenfalls gebürtiger Kölner, "mit Sicherheit der überflüssigste Abstieg überhaupt. Das steht außer Frage". Auf dem Trainingsplatz waren die FC-Spieler am Montag nicht zu sehen, sie absolvierten ein Fitnessprogramm. "Wir lassen die Jungs ein bisschen in Ruhe", berichtete Trainer Stefan Ruthenbeck: "Jeder möchte die Dinge mit sich ausmachen."

Immerhin: Vom vorherigen Abstieg 2012 blieben Bilder von einer pechschwarzen Rauchwolke im Fanblock hängen, diesmal steigt der FC wohl erhobenen Hauptes ab. "Trotz einer extrem schlechten Saison, in der wir sehr viel falsch gemacht haben, bin ich heute stolz auf die Mannschaft", sagte Horn, nachdem sein Team gegen den Tabellenzweiten einen 0:2-Rückstand wettgemacht hatte. Diesen Eindruck wollen die Kölner in den restlichen drei Spielen aber keineswegs zerstören. "Für die Moral ist es wichtig, dass wir das ordentlich zu Ende bringen", sagte Heintz. An ihm sollen Dortmund und Schalke interessiert sein. Doch nach Hectors Bekenntnis hoffen viele Fans, dass auch er bleibt.

Quelle: n-tv.de, Holger Schmidt und Antonia Hofmann, dpa

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