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Franz Beckenbauer und Paul Breitner - neben dem Platz zwei Welten.
Franz Beckenbauer und Paul Breitner - neben dem Platz zwei Welten.(Foto: picture-alliance / dpa)
Montag, 05. September 2011

"Ich wollte ein anderes Leben führen": Paul Breitner feiert 60. Geburtstag

Er war ein Querkopf, ein genialer Spieler: Paul Breitner, der sein Studium mit Fußballspielen finanzieren wollte. Er wurde Deutscher Meister, Pokalsieger, Europapokalsieger, Europameister und Weltmeister. Nun wird der Lockenkopf 60 Jahre alt. Er hatte damals ein Ziel, sagt er: "Nie greifbar sein".

In seiner aktiven Zeit galt Paul Breitner als Querkopf, Revoluzzer oder Rebell - selbst was anfangen kann der Fußball-Weltmeister von 1974 mit den Charakterisierungen von damals heute nicht. "Niemand weiß, was das eigentlich bedeuten soll. Es gibt immer wieder so dümmliche Floskeln. Das steht irgendwo im Raum und da sag' ich, was versteht man darunter? Warum ordnet man einen so ein? Das ist eine zerlatschte Floskel", sagte Breitner, der einen runden Geburtstag feiern kann. "Ich habe 60 Jahre auf dem Buckel - und möchte auch nicht mehr wie ein 20-Jähriger sein."

Breitner im berühmten Jägermeister-Trikot von Eintracht Braunschweig.
Breitner im berühmten Jägermeister-Trikot von Eintracht Braunschweig.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Am 5. September 1951 wurde Breitner im bayerischen Kolbermoor geboren, in 285 Bundesliga-Spielen (93 Tore) schwang er sich zu einem der ganz Großen im deutschen Fußball auf. Weltmeister 1974 auch dank seines Elfmetertores im Finale, Europameister 1972, Europapokalsieger 1974, Meister und Pokalsieger in Deutschland, Meister und Pokalsieger in Spanien, Fußballer des Jahres - eigentlich gibt es nichts, was Breitner nicht gewonnen hat. Zudem stand er nicht nur wegen der Erfolge im Fokus, sondern auch weil er anders war. Der Mann, von dem ein Markenzeichen die lockigen Haare im Afro-Look waren, eckte an, sorgte für Wirbel, machte "Theater", wie er heute selber sagt.

"Nicht greifbar sein"

"Ich habe die Leute bewusst in eine Situation gebracht, dass sie mich katalogisiert und glaubten, erkannt zu haben", sagte der Vater dreier Kinder kurz vor seinem Geburtstag. "Ich habe ein großes Ziel gehabt, als ich beim FC Bayern 1970 anfing: Ich habe mir gesagt, egal wie lange ich hier bin, ich werde nicht greifbar sein." Typen wie es Breitner einst war, sterben in der Bundesliga aus. Oder sind es schon längst.

Inzwischen ist Breitner, rechts, Teil der Führungsriege beim FC Bayern
Inzwischen ist Breitner, rechts, Teil der Führungsriege beim FC Bayern(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Die sind nicht mehr zeitgemäß", meinte der bald 60-Jährige. "Wir haben heute ein Miteinander, das es jedem jungen Menschen wahnsinnig schwer macht, sich zu einem echten Typen mit Ecken und Kanten zu entwickeln. Die Gesellschaft fordert sie zwar immer ein, aber will eigentlich keine Ausreißer."

Der Fußball habe keinen Platz mehr für Chefs, Dirigenten oder Leadertypen, "die einem Spieler mit Worten in den Hintern treten". Und Platz für Bücher wie das von Philipp Lahm hat der Fußball eigentlich auch nicht. Mit seiner Kritik habe Lahm "gegen einen ungeschriebenen Kodex" verstoßen.

Jahrelange Auszeit

Nach dem Ende der Karriere mit Stationen beim FC Bayern, Real Madrid und Eintracht Braunschweig schaltete Breitner ein paar Jahre komplett ab, hatte nicht einmal mehr Interesse an der Bundesliga. "Das braucht man zwischendurch, ein, zwei Jahre, die man so wenig mit diesem runden Ding zu tun hat", betonte der 48-malige Nationalspieler. Mittlerweile hat er den Fußball so in seinem Leben integriert, dass dieser einen wichtigen Platz habe, aber ihn selbst nicht einschränke. "Die Rolle hier beim FC Bayern macht mir sehr viel Freude", sagte Breitner, der den Klub international repräsentiert und in beratender Funktion tätig ist.

Im Finale des Europapokals der Landesmeister gegen Atletico Madrid, 1974.
Im Finale des Europapokals der Landesmeister gegen Atletico Madrid, 1974.(Foto: picture alliance / dpa)

Ein höherer Posten, da wartet Breitner nicht einmal das Ende der Frage ab, ist nicht reizvoll. "Das wollte ich nie", betonte er. "Das ist ja auch etwas, was Millionen Menschen nicht kapiert haben, warum es mich 23 Jahre nicht zum FC Bayern gezogen hat. Ich wollte ein anderes Leben führen und das ließ sich nicht mit einem Job im Tagesgeschäft vereinbaren."

Deshalb, und weil er keine Chance, sah etwas zu verändern, gab es auch keinen Bundesliga-Trainer Paul Breitner. Aber an der Spitze des Nationalteams sah er sich nach der WM-Enttäuschung 1998 "zu Zeiten des schlimmsten Rumpelfußballs" und einem Gespräch mit dem DFB-Präsidenten Egidius Braun schon. "Ich habe mich 17 Stunden als Teamchef gefühlt, aber ich habe ihm gesagt, dass er mich nicht durchbringen würde beim Präsidium, weil zu viele Leute dort vor mir Angst haben."

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Quelle: n-tv.de