Fußball

Uefa schließt Team aus CL aus Wie Manchester City die Finanzen frisierte

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Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan ist der Halbbruder des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate und Haupteigner von Manchester City.

(Foto: REUTERS)

Es ist ein Beben im europäischen Fußball: Der englische Meister Manchester City wird von der Uefa für zwei Jahre aus der Champions League ausgeschlossen. Interne E-Mails zeigen, wie der Klub und sein Eigner aus den Vereinigten Arabischen Emiraten jahrelang betrogen haben.

Es war Mitte 2017, als Jürgen Klopp sagte: "Offensichtlich ist Financial Fairplay mehr so ein Vorschlag, als eine wirkliche Regel". Damals stand gerade der Wechsel von Brasiliens Superstar Neymar vom FC Barcelona zu Paris St. Germain an - für 222 Millionen Euro und der deutsche Trainer des FC Liverpool konnte nicht nachvollziehen, wie das innerhalb der Uefa-Regeln möglich sein sollte. Es gebe zwei Klubs, die solche Summen zahlen könnten, sagte Klopp damals. Der eine sei PSG, der andere Manchester City.

Manchester Citys Top-Einkäufe

Kevin De Bruyne für 76 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg (Saison 2015/16)

 

Rodri für 70 Millionen Euro von Atlético Madrid (Saison 2019/20)

 

Riyad Mahrez für 67,8 Millionen Euro von Leicester City (Saison 2018/19)

 

João Cancelo für 65 Millionen Euro von Juventus Turin (Saison 2019/20)

 

Aymeric Laporte für 65 Millionen Euro von Athletic Bilbao (Saison 2017/18)

 

Raheem Sterling für 63,7 Millionen Euro von FC Liverpool (Saison 2015/16)

 

Außerdem:

Benjamin Mendy (57,5 Millionen Euro, Saison 17/18, von AS Monaco), Kyle Walker (52,7 Mio., 17/18, Tottenham Hotspur), Bernardo Silva (50 Mio., 17/18, AS Monaco), John Stones (55,6 Mio., 16/17, FC Everton), Leroy Sané (50,5 Mio., 16/17, FC Schalke 04), ... Ilkay Gündogan (27 Mio., 16/17, Borussia Dortmund)

Auch der englische Meister machte in den vergangenen Jahren in jeder Saison mit astronomischen Transferausgaben von sich reden: 76 Millionen Euro für Kevin de Bruyne vom VfL Wolfsburg, 70 Millionen für den Spanier Rodri von Atlético Madrid oder auch 50 Millionen für Leroy Sané vom FC Schalke 04. Zumindest beim englischen Meister ging tatsächlich nicht alles mit rechten Dingen zu, die Uefa bestraft den Verein von Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan aus den Vereinigten Arabischen Emiraten mit einem zweijährigen Bann aus der Champions League.

Schon 2014 Geldstrafen für PSG und City

Interne Emails und Clubdokumente legten nahe, wie Man City systematisch betrogen haben könnte. Gelder, die als Einnahmen durch Sponsoren aus Abu Dhabi - darunter mit Etihad Airways die nationale Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate - deklariert wurden, sollen in Wirklichkeit von Scheich Mansour gezahlt worden sein. Im Grundsatz soll das Financial Fairplay solche Tricks vermeiden. Die Clubs, die in den Europapokal-Wettbewerben starten, dürfen nicht mehr ausgeben als sie einnehmen.

Wird die Gewinnschwelle nicht erreicht, dürfen Geldgeber nur bis zu einem begrenzten Punkt aushelfen. Auch Frankreichs aus Katar mit Hunderten Millionen unterstützter Serienmeister Paris Saint-Germain wird immer wieder beobachtet. Bereits 2014 waren beide Clubs zu Geldstrafen verurteilt worden und durften zudem für eine Saison nur 21 statt wie üblich 25 Spieler für die Champions League melden. Um einen Königsklassen-Bann kamen aber sowohl Paris als auch Manchester herum.

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Josep Guardiola ist der Star-Trainer des Klubs - bleibt das Urteil auch vor dem Sportgerichtshof Cas bestehen, muss er auf die Champions League verzichten.

(Foto: imago images/Sportimage)

Die Uefa wurde nach der vermeintlich schwachen Umsetzung und Kontrolle der eigenen Regeln kritisiert. Manchester City ist - sollte der Cas das Urteil bestätigen - das erste Schwergewicht im europäischen Fußball, das für die Champions League gesperrt wird. Der frühere italienische Meister AC Mailand hatte im vergangenen Jahr einen Bann für die laufende Saison der Europa League kassiert.

Es geht um die Jahre 2012 bis 2016

City wurde wegen jahrelangen Finanzbetrugs für zwei Jahre aus der Champions League ausgeschlossen. Nach "schwerwiegenden Verstößen" gegen das Financial Fairplay muss der Club von Startrainer Pep Guardiola und der deutschen Nationalspieler Leroy Sané und Ilkay Gündogan zudem eine Geldstrafe in Höhe von 30 Millionen Euro zahlen. Zwischen 2012 und 2016 habe der aus Abu Dhabi alimentierte Verein Sponsoreneinkünfte weit über Gebühr bewertet und damit bewusst getäuscht, teilte die Europäische Fußball-Union mit.

Die Citizens reagierten in einer ersten Stellungnahme "enttäuscht, aber nicht überrascht". Der Fall sei von der Uefa initiiert, von der Uefa verfolgt und von der Uefa beurteilt worden, kritisierte der Club, der immer wieder versucht hatte, eine Urteilsfindung zu verhindern. Nach diesem "vorverurteilenden Prozess" werde der Verein nun so schnell wie möglich eine unabhängige Untersuchung anstrengen und als ersten Schritt den Internationalen Sportgerichtshof Cas anrufen. Dieser wäre letztinstanzlich zuständig.

Klubchef ist Halbbruder des Präsidenten der VAE

Manchester Citys Leroy Sané reagiert. Foto: Martin Rickett/PA Wire/dpa/Archiv

Wechselt er nun zu den Bayern in die Bundesliga? Leroy Sané.

(Foto: Martin Rickett/PA Wire/dpa/Archiv)

Haupteigner von Manchester City ist Scheich Mansour, Halbbruder des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohamed bin Zayed Al Nahyan. Berichte über mögliche Verstöße gegen die Uefa-Finanzregularien gibt es seit geraumer Zeit, verdichtet hatten sich diese durch die Enthüllungen der Plattform Football Leaks.

Welche Auswirkungen die City-Strafe für die Spielzeiten 2020/21 und 2021/22 hat, ist derzeit kaum abzusehen - ob die mit Starspielern gespickte Mannschaft von Guardiola, die im aktuellen Achtelfinale der Champions League auf Real Madrid trifft, beisammen bleibt, erscheint fraglich. In der englischen Meisterschaft sind die Citizens weit abgeschlagen hinter dem FC Liverpool Zweiter.

Das Inkrafttreten der Zweijahressperre könnte auch Einfluss auf  die Zukunft von Sané und Gündogan haben. Der 24-jährige Außenstürmer etwa wird bereits seit dem vergangenen Sommer heftig vom FC Bayern umworben. Sein Kreuzbandriss im August machte den sich im Sommer anbahnenden Transfer aber zunächst zunichte. Zuletzt soll Sané infrage gestellt haben, ob er nach Ende der laufenden Saison nach München wechseln möchte. Ein Europapokalausschluss der Citizens könnte seine Entscheidung beeinflussen.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/sid