Redelings Nachspielzeit

Dem VAR den Stecker ziehen?Warum die ewige Wut auf Schiris langsam nur noch nervt

09.03.2026, 20:18 Uhr Ben-RedelingsVon Ben Redelings
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"So nicht, Herr Siebert", sagt Eric Martel (m.) und Daniel Siebert (.) antwortet: "So auch nicht, Herr Martel." Dortmunds Waldemar Anton mischt auch noch mit. (Foto: IMAGO/DeFodi Images)

Jede Woche die immergleichen Szenen: Spieler, Trainer und Fans, die ihre Wut gegenüber den Schiedsrichtern öffentlich zeigen. Doch bei allem Verständnis für die berechtigten Emotionen nach Fehlentscheidungen sind immer mehr Fans auch von dieser scheinbar nie endenden Aufgeregtheit genervt.

Die Aktion war irre wie spektakulär zugleich - und dann auch noch von langer Hand geplant. Als beim Sonntagsspiel zwischen Preußen Münster und Hertha BSC Schiedsrichter Felix Bickel nach einer strittigen Situation auf dem Platz vom VAR an die Seitenlinie gebeten wurde, blickte er nur auf einen schwarzen Bildschirm. Preußen-Fans waren zuvor über den Zaun gesprungen und hatten ganz offensichtlich die Stromzufuhr des Fernsehapparats unterbrochen. Eine gezielte Aktion der heimischen Anhänger, die nur auf diesen Moment gewartet zu haben schienen. Denn direkt danach hielten Fans in der Kurve ein Banner hoch, auf dem stand: "Dem VAR den Stecker ziehen".

Gefühlt hat es noch nie so viel Aufregung um die Schiedsrichter und den sogenannten "Kölner Keller" gegeben wie in den letzten Wochen und Monaten. Es vergeht kein Spieltag, an dem die Unparteiischen nicht im Fokus stehen. Mittlerweile ist die DFB Schiri GmbH sogar dazu übergegangen, im Nachgang "Fehlentscheidungen", wie beispielsweise das Handspiel des Dortmunders Yan Couto im Strafraum bei der Partie des BVB in Köln, zuzugeben und als solche zu benennen.

Das ist aller Ehren wert - auch wenn es natürlich an dem Grundfakt, dass da jemand mit seinem Fehler ein Spiel möglicherweise maßgeblich beeinflusst hat, ändert. Doch diese neue Offenheit trägt sicherlich dazu bei, dass ein wenig der häufig kritisierten fehlenden Nähe und gefühlten Arroganz entgegengewirkt wird. Was sich dadurch allerdings ganz sicherlich nicht ändert: die Wut der Fans und Offiziellen!

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Es wird niemals Gerechtigkeit geben

Doch mittlerweile hat man bei allem Verständnis für die Aufregung rund um die Fehlentscheidungen das Gefühl, dass eine wachsende Zahl der Anhänger zunehmend genervt ist - ob des ständigen Boheis und Lamentierens. Denn eine Sache sollte inzwischen jedem Fußballbegeisterten klar sein: Ob es den VAR nun gibt oder nicht - es wird sich nichts Wesentliches an der Qualität der Schiedsrichter-Entscheidungen ändern. Denn so sehr man auch hoffte, dass durch den Videoschiedsrichter mehr Gerechtigkeit im Fußball Einzug halten würde, so deutlich muss man nach knapp neun Jahren sagen: Die Probleme haben sich nur verschoben!

Auch wenn es im Einzelfall sehr wehtut, Ergebnisse verfälscht und die Betroffenen verständlicherweise emotionalisiert, so muss man doch (langsam) einsehen, dass alle Bemühungen, den Fußball auf Seiten der Unparteiischen "fehlerfrei" zu machen, gescheitert sind. Logischerweise. Leider. Denn am Ende entscheiden immer noch Menschen über jeden einzelnen Fall - und liegen so nun einmal leider häufig auch daneben mit ihrer Einschätzung. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Denn Menschen machen nun einmal Fehler!

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Es gibt keine Lösung, die allen gerecht wird

Das soll die krassen Fehlentscheidungen Woche für Woche nicht relativieren, doch so schmerzhaft diese Erkenntnis auch ist, müssen wir alle, die den Fußball lieben, besser früher als später erkennen, dass sie uns leider dauerhaft begleiten werden - wenigstens so lange Menschen auf und abseits des Spielfelds die Urteile fällen. Und so unterhaltsam und befreiend die Diskussionen nach den Partien auch sein mögen, ist doch auffällig, dass diese Aufgeregtheit immer mehr Fans nervt und abstößt. Vielleicht aus Resignation und Einsicht, dass sich sowieso nichts grundlegend ändern und verbessern wird.

Denn am Beispiel des Handspiels von Yan Couto lässt sich das ganze Dilemma ziemlich schnell und gut erklären. Die Preußen-Anhänger haben mit ihrer irren Aktion die komplette Abschaffung des VAR gefordert. Und die FC-Fans (und ihr Stadionsprecher) haben nach Coutos Handeinsatz verlangt, dass sich doch bitte der VAR einschalten und die Situation per Videoentscheid noch einmal neu bewertet werden solle. Alleine in dieser einen Szene zeigt sich, dass es ganz offensichtlich keine Lösung geben wird, die allen gerecht wird. Und dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass bei weitem nicht alle Fußballanhänger das Handspiel von Yan Couto auch tatsächlich als strafbar bewertet haben, so wie es die DFB Schiri GmbH im Nachgang tat.

Quelle: ntv.de

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