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Ein Netz fürs ganze Haus Ist Google Wifi eine WLAN-Revolution?

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Die Zugangspunkte sind klein und unauffällig.

(Foto: kwe)

Ab sofort ist Google Wifi in Deutschland zu haben, das im Baukastenprinzip ein WLAN-Netz spannt. Was es kann und ob es vielleicht sogar besser als ein Fritzbox-WLAN-System funkt, hat n-tv.de ausprobiert.

Das WLAN eines Routers hat nur selten genug Reichweite, um in Wohnungen oder gar Häusern in jeder Ecke noch eine gute Internetverbindung zu gewährleisten. Man kann das Netzwerk dann beispielsweise mit WLAN-Repeatern oder via Powerline über die Steckdosen erweitern. Aber dabei sinkt in vielen Systemen entweder mit wachsender Entfernung die Übertragungsrate oder es wird ein neues Netz gespannt, in dem sich ein Gerät erst wieder anmelden muss, um online zu gehen. Das will Google Wifi besser machen. Es spannt ein sogenanntes vermaschtes Netz (Mesh-Netzwerk) mit mehreren Knotenpunkten, die miteinander kommunizieren.

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Gästen kann man den Zugang zu einzelnen Unterhaltungsgeräten gestatten, beispielsweise um ihre Musik abspielen zu können.

(Foto: kwe)

Bewegt sich ein Nutzer in einem Mesh-Netzwerk mit einem Gerät von Ort zu Ort, wird seine WLAN-Verbindung automatisch an den Knotenpunkt mit der stärksten Verbindung weitergegeben, ohne dass eine Neuanmeldung notwendig wird. Das Netzwerk hat eine gemeinsame SSID. Im Idealfall sinkt dabei die Übertragungsrate auch bei größerem Abstand zum Router nur wenig ab. Diese Technik ist nicht neu, sehr große Mesh-Netzwerke bietet beispielsweise der Freifunk. Bestehende Lösungen für die Heimanwendung sind aber relativ teuer, Google Wifi ist vergleichsweise günstig: Ein einzelnes Gerät kostet 140 Euro, im Doppelpack 250 Euro.

Im Handumdrehen eingerichtet

Die Einrichtung ist kinderleicht und erfolgt über die iOS- oder Android-App. Erstes Gerät am Router anschließen, QR-Code scannen, Namen und Passwort vergeben - das war's im Prinzip schon. Weitere Knotenpunkte fügt man ähnlich einfach und schnell hinzu. So etwas kann Google - das merkt man auch der App an, über die Geräte und Netzwerk verwaltet werden. Sie ist einfach, übersichtlich und liefert unkompliziert alle nötigen Informationen zur Funktion des Netzwerks. Dazu gehören die Verbindungsstärken der einzelnen Knotenpunkte oder die Übertragungsraten bei einem verbundenen Gerät - in Echtzeit oder über einen längeren Zeitraum hinweg. Außerdem kann man einen Gästezugang einrichten oder Zugangsbeschränkungen für Kinder festlegen. Gut ist, dass man die Lichter der kleinen, weißen Zylinder dimmen kann. Noch besser wäre, man könnte Google Wifi komplett abschalten, wenn man es nicht braucht, beispielsweise nachts.

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Die Reichweite der Google-Wifi-Geräte ist nicht berauschend.

(Foto: kwe)

Zur Einrichtung benötigt man ein Google-Konto und nur der Konto-Inhaber kann weitere Administratoren hinzufügen. Die Verbindung von Smartphone zu den Knotenpunkten erfolgt dabei verschlüsselt. Google verspricht, außer Diagnosedaten nichts zu sammeln. Wer auch das nicht möchte, kann die Berechtigung dafür in den Einstellungen entziehen. "Wir verdienen Geld durch den Verkauf der Geräte", sagte ein Google-Manager bei der Präsentation. Das Prinzip, Daten für Werbung zu sammeln, gäbe es in diesem Fall nicht. Verbindungen zu Geräten werden je nach Position und Störeinflüssen automatisch im 2,4- oder 5-Gigahertz-Band aufgebaut. Außerdem sucht Google Wifi permanent nach dem Kanal, in dem am wenigsten andere Geräte funken.

Die Fritzbox kriegt das auch hin

So weit die Theorie - in der Praxis hat in der rund 80 Quadratmeter großen Test-Wohnung aber nicht alles so perfekt funktioniert wie erwartet. Denn die Reichweite eines Geräts ist relativ kurz. Weil der Router hinter einer tragenden Mauer steht, musste ein zweites Gerät schon in rund 5 Metern Entfernung platziert werden, um die Signalstärke hoch zu halten. Um auch den entferntesten Punkt der Wohnung mit akzeptabler Signalstärke zu erreichen, musste ein dritter Knotenpunkt installiert werden, wobei mangels Steckdosen kein idealer Aufstellort zu finden war. Die als Router eingesetzte Fritzbox Cable 6590 schafft diese Distanz im 2,4-Gigahertz-Netzwerk bei fast gleicher Übertragungsrate ganz alleine.

Um in der gesamten Wohnung ein Mesh-Netz mit hoher Signalstärke zu spannen, waren insgesamt vier Knotenpunkte nötig. Dann aber funktionierte das Netzwerk nahezu perfekt. Die Verbindung blieb bei Bewegung konstant hoch, die Übergaben der Knotenpunkte erfolgten praktisch verzögerungsfrei.

Für Nutzer, die nur einen einfachen Router von ihrem Provider bekommen haben, ist Google Wifi so eine durchaus gute Lösung, um ein flächendeckendes WLAN-Netzwerk spannen zu können. Revolutionär ist das Prinzip aber nicht. Wenn sich eine neuere Fritzbox im Haushalt befindet, ist die Investition eher unnötig. Denn in Kombination mit Repeatern oder Powerline-Adaptern des Herstellers erzielt man ebenfalls unkompliziert und relativ günstig eine ähnliche Mesh-Abdeckung.

Quelle: n-tv.de

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