Technik

Besser knipsen mit dem Handy Zehn Tipps für gute Smartphone-Fotos

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Gewusst wie: Mit Smartphones kann man richtig tolle Fotos machen.

(Foto: jwa)

Die meisten digitalen Fotos entstehen mit dem Smartphone. Wer nicht nur knipsen, sondern Fotos mit Anspruch aufnehmen will, tut gut daran, ein paar Regeln zu beachten. n-tv.de hat zehn Tipps für bessere Bilder.

Smartphone-Kameras haben zwar aufgrund ihrer kompakten Bauweise und der kleinen Sensoren weniger drauf als Kompakt-, System- oder Spiegelreflexkameras. Doch auch mit dem Handy kann man richtig gute Fotos schießen. Wer sich beim Knipsen Mühe gibt, weiß auch, dass man für gute Bilder die Linse sauber halten, beide Hände benutzen, sich das Motiv vorher überlegen und am besten nicht einfach drauflos knipsen sollte. Wer zudem noch folgende Tipps beherzigt, ist dem gelungenen Smartphone-Foto schon ziemlich nah.

Zoom und Tele benutzen

Viele aktuelle Smartphones mit Dual-Kamera haben neben der Standard-Brennweite ein Tele-Objektiv, mit dem sich weiter entfernte Motive nah heranholen lassen. Besonders bei Porträts lohnt es sich dabei, zum Tele zu greifen. Denn Fotos von Gesichtern, die mit dem weitwinkligen Standard-Objektiv aufgenommen werden, zeigen meist unschön verzerrte Proportionen mit großer Nase und nach hinten fliehenden Gesichtszügen. Mit einem Tele vermeidet man diesen Effekt, das Porträt wirkt ausgewogener und natürlicher.

Wer kein Zoomobjektiv am Smartphone hat, kann sein Motiv auch mit dem digitalen Zoom etwas näher heranholen oder einen größeren Bildausschnitt wählen und das Foto nachher zuschneiden. Aber hier ist Vorsicht geboten - siehe nächster Punkt.

Digitaler Zoom

Bei vielen Smartphones finden sich Angaben zum Zoom-Faktor, mit dem man weit entfernte Motive nah heranholen kann. Das ist erstmal eine gute Sache, aber man muss zwischen optischem und digitalem Zoom unterscheiden. Ganz allgemein gilt: Nur ein optischer Zoom ist ein guter Zoom. Denn beim digitalen Heranholen wird einfach ein Bildausschnitt vergrößert, im Grunde wie wenn man mit den Fingern ein Foto auf dem Smartphone-Display vergrößert. Dadurch gehen immer Details verloren.

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Googles Pixel-Smartphones haben zwar nur eine Linse, hier ist der digitale Zoom aber trotzdem brauchbar.

(Foto: jwa)

Viele Hersteller entwickeln zwar immer cleverere Algorithmen, die fehlende Details dazurechnen und so auch digital gezoomte Bilder ansehnlich machen. Aber an eine echte optische Vergrößerung kommt auch der beste Algorithmus nicht heran. Wie viel Zoom beim eigenen Smartphone gerade noch geht, muss jeder durch Ausprobieren selbst herausfinden. Wenn ein Motiv zu weit weg ist, hilft im Zweifel der "Zoom mit dem Beinen" - also einfach näher herangehen. 

Bildaufbau

Kreativität lässt sich nicht gerne von Regeln einschränken, aber gerade unerfahrenen Fotografen kann es helfen, sich ein paar Faustregeln einzuprägen. Dazu gehört etwa folgender Merksatz: Vordergrund macht Bild gesund. Will sagen: Besonders Aufnahmen mit viel Tiefe, etwa Landschaftsaufnahmen oder Stadtansichten, gewinnen mit einem Element im Vordergrund an Wirkung. Ebenfalls ein nützliches und viel zitiertes Gestaltungsmittel ist die Drittel-Regel. Anstelle ein Motiv mittig zu platzieren, sieht es oft besser aus, wenn man das Bild vertikal und horizontal in Drittel unterteilt und zentrale Bildelemente auf den gedachten Linien und Schnittpunkten platziert. Viele Kameras und Smartphone-Knipsen bieten als Hilfsmittel ein Raster zum Einblenden an. Das hilft auch bei einem geraden Horizont und generell dabei, Linien und Strukturen auszurichten.

Perspektive ändern

Porträtfotos gelingen besonders gut, wenn die Kamera auf Augenhöhe mit dem Motiv ist. Das bedeutet bei Fotos von Kindern oder Tieren: In die Hocke gehen, hinknien oder sich sogar auf den Boden legen lohnt sich! Aber auch sonst kann es der Foto-Langeweile vorbeugen, wenn man für Aufnahmen neue Perspektiven sucht. Dann werden auch Fotos von millionenfach abgelichteten Sehenswürdigkeiten noch interessant.

Bei Gegenlicht: Abblenden und Aufhellen

Smartphone-Kameras haben keine Sonnenblende. Das ist vor allem dann problematisch, wenn man zur Sonne hin fotografiert - selbt ein Motiv, das eigentlich im Schatten ist, kann schonmal kontrastarm und verwaschen wirken, wenn von schräg oben das Sonnenlicht in die Linse scheint. Abhilfe verschafft ein simpler Trick: Einfach mit der Hand das Objektiv abschirmen und dabei darauf achten, dass die Hand selbst nicht im Bild zu sehen ist.

Fotografiert man direkt gegen die Sonne, kann es schnell passieren, dass das eigentliche Motiv viel zu dunkel wird, etwa weil ein Gesicht im Schatten liegt und die Sonne von hinten scheint. Hier kann es helfen, das Fotolicht einzuschalten und das Motiv mittels Blitz aufzuhellen.

Verfügbares Licht beachten

Das wichtigste Hilfsmittel jedes Fotografen ist das Licht. Deshalb lohnt es sich, sich darüber Gedanken zu machen und es für seine Zwecke zu nutzen - das gilt besonders für Smartphone-Fotografen. Grundsätzlich gilt: Morgens und Abends ist das Sonnenlicht "weicher" als mittags. Porträts im hellen Sonnenlicht sollte man vermeiden. Stattdessen lieber eine Stelle im Schatten aufsuchen, wo das Licht keine harten Schatten wirft und das Motiv die Augen nicht zukneifen muss.

Auch für Landschafts- oder Architekturaufnahmen ist ein sonniger, wolkenloser Mittag eher ungeeignet. Steht die Sonne tief, wirft sie Schatten, die die Konturen von Gebäuden und Landschaften hervorheben können. Und an einem bewölkten Tag ist das Licht neutral und sanft, Schatten treten dann kaum auf.

Blitzen: indirekt oder gar nicht

Profis blitzen gerne "entfesselt", das heißt, sie entkoppeln das Blitzlicht von der Kamera und der Aufnahmeachse. Das geht mit einem Smartphone zwar nicht, hier ist das Fotolicht immer direkt neben der Linse. Wer aber ein zweites Smartphone zur Hand hat oder in Gesellschaft unterwegs ist, kann tricksen: Einfach das Fotolicht eines zweiten Handys nutzen, um die Szenerie etwa von der Seite oder von oben aufzuhellen. Der Effekt ist verblüffend! Ansonsten gilt in den meisten Situationen: Finger weg vom Blitz, denn der rückt ein Motiv nur in den seltensten Fällen ins beste Licht.

HDR einschalten

HDR bedeutet "High Dynamic Range", also "hoher Dynamikumfang". HDR-Bilder wirken oft kontrastreicher, weil dunkle Bereiche im Bild besser zu erkennen sind und gleichzeitig die besonders hellen Stellen noch Zeichnung besitzen und nicht überbelichtet sind. Wie gut einer Smartphone-Kamera HDR-Aufnahmen gelingen, hängt stark von Modell und Hersteller ab.

Bei den Top-Modellen von Samsung, Huawei, Apple, Google und Co. kann man sich getrost auf die Automatik verlassen. Günstigere Smartphones liegen mit ihren HDR-Aufnahmen aber öfter mal daneben - hier lohnt sich ein kritischer Blick. Im Zweifel lassen sich mit Foto-Apps in der Nachbearbeitung durch leichtes Abdunkeln und Aufhellen realistischere Ergebnisse erzielen.

Apps zur Nachbearbeitung benutzen

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Mit Apps wie Snapseed kann man noch eine Menge aus Bildern rausholen.

(Foto: jwa)

Digitale Fotos im RAW-Format müssen erst "entwickelt" werden - jedes Foto durchläuft einen Nachbearbeitungsprozess, ähnlich wie die Negative eines analogen Foto-Films. Die JPG-Dateien, die Smartphone-Kameras produzieren, sind zwar bereits fertig "entwickelt", aber es lohnt sich trotzdem, sie nach der Aufnahme noch weiter zu bearbeiten. Das geht oft schon gut mit den Bordmitteln, und wer Bilder etwa bei Instagram veröffentlichen will, findet direkt in der App nützliche Filter und Bearbeitungsmöglichkeiten. Es gibt aber auch zahlreiche gute Foto-Bearbeitungs-Apps, etwa die mobile Version von Adobes Photoshop Lightroom. Besonders empfehlenswert ist die kostenlose und mächtige App Snapseed, die kaum einen Foto-Wunsch offen lässt.

RAW: Ja oder nein?

Ambitionierte Fotografen knipsen ihre Bilder aber ohnehin im Rohformat. RAW-Aufnahmen, die bei Smartphones oft im Dateiformat ".DNG" gespeichert werden, bieten mehr Spielraum bei der Nachbearbeitung, da sie unkomprimiert und eben roh gespeichert werden. Ein JPG ist immer das Ergebnis einer Interpretation und anschließenden Komprimierung, das Smartphone entwickelt das Bild quasi selbst und spuckt das fertige Ergebnis aus.

RAW-Dateien kann der Fotograf selbst entwickeln, sie bieten ihm den maximalen Spielraum. Größter Nachteil: RAW-Aufnahmen sind sehr groß, sie nehmen oft zehnmal so viel Speicherplatz wie ein JPG ein. Außerdem ergibt das Knipsen im RAW-Format nur dann Sinn, wenn man sich auch wirklich mit der Nachbearbeitung auseinandersetzen will. Für alle Drauflos-Knipser bleibt daher JPG die bessere Wahl. 

Quelle: n-tv.de