Wirtschaft

Porsche als Vorbild Alle VW-Marken sollen "virtuell" an die Börse

Für Investoren ist der riesige Volkswagen-Konzern mit seinen zehn Fahrzeugmarken vergleichsweise wenig attraktiv. Der Börsengang von Porsche zeigt jedoch, welches Potenzial in den Tochtergesellschaften schlummert. Das will der VW-Chef jetzt zumindest "virtuell" heben.

Auch wenn die neue Porsche-Aktie wenige Tage nach ihrem Handelsdebüt wieder etwas unter ihren Ausgabekurs gefallen ist: Für den Mutterkonzern VW und den Chef beider nun börsengehandelter Gesellschaften, Oliver Blume, war der Teil-Börsengang der Sportwagenmarke ein Riesenerfolg. Mit knapp 80 Milliarden Dollar wird die Stuttgarter Tochtergesellschaft von den Anlegern nun fast so hoch bewertet wie der Mutterkonzern selbst, der weltgrößte Autobauer mit seinen zehn Auto-, Lkw-, und Motorrad-Marken plus etlichen Konzerneinheiten und internationalen Beteiligungen.

Rund 9,4 Milliarden Euro nahm Volkswagen mit dem Verkauf von 12,5 Prozent der Porsche-Aktien ein. Ein Erfolg, den Blume gerne wiederholen würde. Im "Handelsblatt" kündigt der Konzernchef an, alle Marken sollten "virtuelle Equity-Stories" vorbereiten. Zu Deutsch: Sie sollen einen Börsengang zunächst durchspielen. In einigen Fällen könnte der dann später tatsächlich erfolgen. In jedem Fall aber sollen die Konzerntöchter damit gegenüber Anlegern ihr Potenzial besser herausstellen. Vor allem aber verspricht sich Blume, dass die Konzernteile weniger wie Tochterfirmen, sondern mehr wie börsennotierte Unternehmen unter dem "virtuellen" Druck des Kapitalmarktes effizienter agieren, ihr jeweiliges Profil schärfen und die "Performance" verbessern. Um die Übungsbörsengänge so realistisch wie möglich zu gestalten, sollen Beraterteams von Banken den Automanagern beiseitestehen.

An der Börse führt der Volkswagen-Konzern als Konglomerat bislang ein Schattendasein. Der am Absatz gemessen etwa genauso große Konkurrent Toyota ist aus Sicht der Anleger mehr als das Doppelte wert. Der viel kleinere Elektro-Pionier Tesla sogar ein Vielfaches. Investoren trauen dem komplexen Wolfsburger Konstrukt kein vergleichbares Gewinnwachstum zu. Zum einen, weil mit den Familien Porsche und Pïech, dem Land Niedersachsen und den Gewerkschaften ungewöhnlich viele Akteure Einfluss auf Unternehmensentscheidungen nehmen. Aber auch die so unterschiedlichen Fahrzeugmarken wie Ducati, Seat und MAN mit ihren verschiedenen Märkten und Interessen stehen sich teils eher gegenseitig im Weg, als Synergieeffekte zu erzielen.

Experte: "Kaum Gründe" gegen weitere Börsengänge

Mit seinem Börsengang zeigt Porsche laut Blume, wie der Sportwagenhersteller einerseits mehr Eigenständigkeit gewinnen und trotzdem weiter Vorteile aus dem Verbund mit dem Gesamt-Konzern ziehen könne. Porsche ist nicht die erste VW-Tochter, die an die Börse gegangen ist, und dürfte wohl nicht die letzte sein. Seine LKW-Sparte Traton hatte Volkswagen bereits vor gut zwei Jahren mit einem Teilverkauf an die Börse gebracht. "Es gibt kaum Gründe, warum nicht mehr Marken an die Börse geführt werden könnten", zitiert das "Handelsblatt" den Branchenexperten Arndt Ellinghorst von der Wirtschaftsdatenfirma Quantco.

Mit solchen Börsengängen könnte Volkswagen als von den Anlegern selbst nur mager bewertetes Unternehmen frisches Kapital einwerben, das für den teuren Umbau zu einem langfristig zukunftsfähigen Anbieter von Elektromobilität benötigt wird. Allein in den geplanten Aufbau einer Batteriezellproduktion mit sechs neuen Werken sollen gemeinsam mit Partnern etwa 20 Milliarden Euro investiert werden. Für einen Börsengang der zuständigen VW-Einheit Powerco gebe es aktuell "keine Entscheidung, aber Potenzial", sagte Blume.

Quelle: ntv.de, mbo

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