Wirtschaft

Firmen reagieren auf Epidemie Auch die deutsche Wirtschaft ist infiziert

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Die Beziehungen der deutschen Wirtschaft zu Wuhan sind eng. Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnete im vergangenen September das neue Webasto-Werk in der Stadt und besuchte unter anderem auch ein Krankenhaus.

(Foto: imago images / Xinhua)

Mehrere Dutzend deutsche Firmen vom Mittelständler bis zum Dax-Konzern betreiben Standorte in der vom Coronavirus am stärksten betroffenen Stadt Wuhan. Die Werke stehen teilweise still. Reisen nach China werden abgesagt. Die wirtschaftlichen Schäden sind noch nicht abschätzbar.

Mit Werksschließungen, Reiseverboten, Heimarbeit und Unterstützungsmaßnahmen für Mitarbeiter vor Ort reagieren deutsche Unternehmen auf die von der chinesischen Metropole Wuhan ausgehende Coronavirus-Epidemie. Für weltweites Aufsehen sorgt der Fall beim Autozulieferer Webasto in Bayern, wo sich ein Mitarbeiter in der Unternehmenszentrale in Gauting-Stockdorf bei München mit dem Virus infizierte. Offenbar hatte ihn eine chinesische Kollegin aus Wuhan, die in der vergangenen Woche für eine Fortbildung zu Besuch war, angesteckt.

Ein Reiseverbot für seine Mitarbeiter hat Webasto Anfang der Woche verhängt, nicht nur für Wuhan, wo der Mittelständler ein großes Werk betreibt, sondern für ganz China. Die Infektion in Stockdorf zeigt jedoch, dass das Virus die Grenzen des Landes bereits übersprungen hat. Webasto hat eigenen Angaben zufolge allen Mitarbeitern in der Zentrale freigestellt, ob sie ins Büro kommen oder im Homeoffice arbeiten wollen.

Insgesamt haben als 5000 deutsche Firmen Standorte oder Tochterunternehmen in China, mehrere Dutzend davon liegen - wie das Webasto-Werk - im bereits seit Tagen von den Behörden abgeriegelten Wuhan. Sie sind direkt von der Epidemie betroffen und von den Maßnahmen der chinesischen Behörden im Kampf gegen den Erreger. Nicht nur Webasto hat seinen Wuhan-Standort zunächst geschlossen. Dasselbe gilt für die Fabriken des Autozulieferers Schaeffler und anderer deutscher Firmen in der Stadt. Noch halten sich die Auswirkungen dieser Schließungen in Grenzen, da die gesamte Industrie zum chinesischen Neujahrsfest einen Gang runterschaltet und bei vielen Firmen Werksferien angesetzt werden.

Hilfe für Wuhan

Ein generelles Verbot für Reisen von Mitarbeitern von und nach China hat neben Webasto auch der Dax-Konzern Continental verhängt. Nur in "geschäftskritischen" Situationen "und nur mit ausdrücklicher Genehmigung" würden Ausnahmen gemacht, teilte der Autozulieferer auf ntv-Anfrage mit. Auch andere Konzerne wie Siemens und Volkswagen berichten, Reisen nach China auf das Mindestmaß zu beschränken.

Die Sorge der Unternehmen gilt allerdings nicht nur den deutschen und internationalen Mitarbeitern. Die Provinz Hubei mit der Hauptstadt Wuhan sei die Heimat von über 100 chinesischen Beiersdorf-Mitarbeitern, wie eine Unternehmenssprecherin ntv sagt. In Wuhan sei unter anderem die zu dem deutschen Konsumgüterkonzern gehörende Haarstyling-Marke Maestro gegründet worden. Aufgrund der "engen Verbindung zu Wuhan" habe Beiersdorf bereits an das Rote Kreuz in Wuhan gespendet, so die Sprecherin. Außerdem organisiere das Unternehmen "zusätzliche materielle Unterstützung" für die Stadt.

Beziffern können die Unternehmen die wirtschaftlichen Schäden bislang nicht, unter anderem wegen der Feiertage. "Dennoch starten wir, potenzielle Risiken in der Wertschöpfungskette und mögliche Auswirkungen auf den diesjährigen Geschäftsplan zu planen", heißt es bei Beiersdorf.

Quelle: ntv.de, mbo