Wirtschaft

Wirtschaftskrise in Deutschland Ausgeliefert

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Ausgelastet: Viele Dienstleister wie etwa die Paketdienste arbeiten an ihrer Kapazitätsgrenze. Sie können die Schwäche der Industrie nicht kurzfristig ausgleichen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Ruf nach mehr Staatsausgaben, um die Konjunktur in der Krise anzukurbeln, ist richtig. Wunder können aber weder ein Konjunkturpaket noch höhere Investitionen bewirken. Die Flaute dürfte unangenehm werden. Die Hoffnung ruht nun ausgerechnet auf Donald Trump.

Jetzt hilft alles Abwiegeln nichts mehr: Deutschlands Wirtschaft steckt in der Krise. Es ist zwar kein dramatischer Absturz, aber doch eine deutliche Schwäche, gegen die es kein schnelles Gegenmittel gibt. Die Flaute dürfte andauern, und wir alle werden die Folgen spüren.

Dramatischer als der leichte Rückgang der Wirtschaftsleistung von 0,1 Prozent in den Monaten April, Mai und Juni, den das Statistische Bundesamt jetzt verkündete, ist das Bild, das zahlreiche Frühindikatoren von verschiedenen Branchen zeichnen, die traditionell die Stützen unserer Wirtschaft sind: Der Auto- und der Chemieindustrie etwa und den Maschinenbauern bricht die Nachfrage weg. Industrieunternehmen drosseln ihre Produktion, planen Entlassungen, kürzen Schichten oder planen Kurzarbeit.

Zwar ist angesichts des aktuell nahezu leergefegten Arbeitsmarktes keine Rückkehr zur Massenarbeitslosigkeit zu erwarten. Dabei helfen auch die geplante Erleichterung und verbesserte Leistungen für Kurzarbeit. Aber schon der Abbau von Überstunden, der Wegfall von Zusatzschichten und Ähnliches werden dazu führen, dass viele Beschäftigte weniger Geld im Portemonnaie haben. Kräftige Einkommenssteigerungen werden wir nur noch in wenigen Branchen sehen.

All das wird sich natürlich in einem geringeren Konsum niederschlagen, der zusammen mit dem Bauboom in den vergangenen Monaten die Stütze der Konjunktur war. Ein Alarmzeichnen ist nun, dass die Bauinvestitionen schon zurückgegangen sind. Auch die Steuereinnahmen und die Beiträge zu den Sozialversicherungen werden bald nicht mehr so sprudeln wie zuvor.

Konjunkturpaket: einfacher gesagt als getan

Es ist gut und richtig, wenn immer mehr Politiker und auch Wirtschaftsvertreter höhere Staatsausgaben und dazu auch die Aufnahme neuer Schulden fordern. Auf sinkende Einnahmen in der Staatskasse mit drastischen Ausgabekürzungen zu reagieren oder gar mit Beitrags- und Steuererhöhungen, wäre zusätzliches Gift für die Wirtschaft. Doch selbst eine schuldenfinanzierte Erhöhung der Staatsausgaben könnte höchstens die oben beschriebene, konjunkturelle Abwärtsspirale abfedern. Die unter anderem wegen des von US-Präsident Donald Trump losgetretenen Handelsstreits weggebrochene Nachfrage aus China und anderen wichtigen Auslandsmärkten könnte ein deutsches Konjunkturprogramm nicht einfach ersetzen.

Das sprichwörtliche Ankurbeln der Konjunktur ist einfacher gesagt als getan. Exportorientierten Produzenten ist mit inländischen Ausgabenprogrammen wenig geholfen. Viele andere Unternehmen - allen voran die Baubranche - arbeiten dagegen an ihrer Kapazitätsgrenze. Sie wären, unter anderem wegen des Fachkräftemangels, oft gar nicht in der Lage, ihre Leistung noch zu steigern. Ein sinnvolles Konjunkturprogramm müsste sehr genau auf die Situation unterschiedlicher Branchen angepasst werden.

Wunder wirken könnte ein Konjunkturprogramm ebenso wenig wie massive Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Forschung. Die könnten die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft, das sogenannte Potenzialwachstum, zwar langfristig erhöhen. Ihre Wirkung würde sich jedoch erst nach vielen Jahren entfalten. Auf absehbare Zeit bleiben wir abhängig vom Export und das heißt aktuell davon, ob der US-Präsident seine Handelskriege schnell beendet oder nicht. Angesichts der erratischen Politik Trumps ist das keine angenehme Aussicht.

Quelle: n-tv.de

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