Wirtschaft

Probleme mit den Lieferketten Autobauer bremsen - PSA schließt alle Werke

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In mehreren VW-Werken steht die Produktion still.

(Foto: imago images/Eibner)

Bei Volkswagen machen sich die Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie bemerkbar. Die Grenzschließungen beeinflussen vor allem die Logistik. In Spanien werden ein VW-Werk und ein Werk der Konzerntochter Seat heruntergefahren. Auch die Opel-Mutter PSA schließt die Tore.

Europas Autobauer fahren angesichts der Corona-Pandemie ihre Produktion herunter. Dabei fallen die Maßnahmen teils drastisch aus. So schließt etwa der französische Konzern PSA für die kommenden 15 Tage alle Werke auf dem Kontinent. Europas größter Hersteller Volkswagen hat angesichts der Corona-bedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens zunehmend Probleme, die Produktion in den europäischen Werken aufrecht zu erhalten. Immer mehr Zulieferer bekommen Schwierigkeiten, weil Regierungen den Notstand ausrufen. Die Werke des VW-Konzerns in Italien und Spanien stehen daher still. Auch alle drei Werke in der Slowakei werden vorübergehend stillgelegt, wie eine Sprecherin von Volkswagen Slovakia bestätigt. Bei Ford fallen einzelne Schichten aus. Renault greift in Spanien durch.

Bei der Opel-Mutter PSA stehen vorerst die Bänder still. In Deutschland sind vom morgigen Dienstag an die Standorte Rüsselsheim und Eisenach betroffen, wie der Hersteller in Rueil-Malmaison bei Paris mitteilte. Die Schließungen sollen bis zum 27. März dauern. Der Peugeot-Hersteller führte als Gründe Unterbrechungen in der Zulieferkette und einen deutlichen Rückgang auf den Automobilmärkten an. Betroffen sind auch Standorte in Spanien, Frankreich, Portugal, Großbritannien und in der Slowakei.

"Während sich die Situation in China stabilisiert, wird sie in Europa schwieriger", sagte VW-Konzernsprecher Jörn Roggenbuck. "Die Aufrechterhaltung der Lieferketten wird immer komplizierter." In Italien hat VW die Fertigung von Lamborghini und Bugatti eingestellt. In Spanien steht die Produktion in den Werken Martorell und Navarra still, nachdem die spanische Regierung den Ausnahmezustand verhängt hat.

Dort laufen Fahrzeuge der Marke Seat und andere VW-Konzernmarken vom Band. In der Tschechischen Republik, wo ebenfalls strenge Maßnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung ergriffen wurden, hält Skoda die Produktion mit Schwierigkeiten noch aufrecht, wie der Sprecher sagte. Die US-Fabrik in Chattanooga werde zunächst für einen Tag heruntergefahren, um zu sehen, welche Mitarbeiter überhaupt zur Arbeit erschienen.

Versorgung deutscher VW-Werke bisher gewährleistet

Volkswagen erwägt einem Insider zufolge außerdem, wegen fehlender Teile die SUV-Produktion im Stammwerk in Wolfsburg an zwei Tagen auszusetzen. Ein VW-Sprecher sagte, die Versorgung der Werke mit Teilen werde durch die Grenzschließungen in Europa immer herausfordernder. Bisher sei die Versorgung der deutschen Werke aber gewährleistet.

PSA Peugeot Citroën
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Auch der französische Autobauer Renault macht wegen der Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie vier Fabriken in Spanien vorerst dicht. Die Schließung sei zunächst für Montag und Dienstag angeordnet, die weitere Entwicklung sei ungewiss. Grund für die Schließung der Fabriken sei der fehlende Nachschub und der Schutz der Beschäftigten, sagte ein Sprecher des Unternehmens in Spanien. Zuvor hatten auch der US-italienische Autobauer Fiat Chrysler und der französische Reifenhersteller Michelin Werksschließungen wegen der Corona-Krise angekündigt.

Fiat Chrysler teilte mit, in den italienischen Fabriken Melfi, Pomigliano, Cassino, Mirafiori, Grugliasco und Modena werde bis 27. März nicht gearbeitet. Die Produktion im serbischen Kragujevac und das polnische Werk Tychy würden ebenfalls geschlossen. Die vorübergehende Aussetzung ermögliche es dem Autobauer, auf die gesunkene Pkw-Nachfrage effektiv zu reagieren. Der italienisch-amerikanische Autobauer hatte vergangene Woche bereits angekündigt, die Fabriken in Pomigliano, Melfi, Atessa und Cassino an zwei Tagen in der Woche ruhen zu lassen. Der Luxussportwagenbauer Ferrari hat als Reaktion auf die Virus-Krise ebenfalls die beiden Werke in Maranello und Modena bis 27. März dichtgemacht. Der zu Volkswagen gehörende Rivale Lamborghini hat bis 25. März einen Produktionsstopp verhängt.

Ford lässt Schicht ausfallen

Bei Audi stockt die Produktion im Werk Brüssel, weil Mitarbeiter aus Sorge um den Virenschutz die Arbeit vorübergehend niedergelegt haben. Die Bedenken seien in Gesprächen zwischen Gewerkschaftsvertretern und Management ausgeräumt worden, sagte ein Sprecher. Unabhängig davon kämpft Audi in Brüssel seit Monaten mit Nachschubproblemen bei Batteriekomponenten für seinen Vorzeige-Elektrowagen E-Tron. An allen übrigen Audi-Standorten laufe die Produktion normal.

Bei BMW gab es keine Produktionseinschränkungen. "Es gibt derzeit keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in unserer Lieferkette", teilte der Münchner Autobauer mit. Die Frage von Kurzarbeit stelle sich für BMW derzeit nicht. Daimler äußerte sich zunächst nicht.

Der US-Autobauer Ford lässt im Werk in Saarlouis eine Schicht ausfallen, weil viele Mitarbeiter aus der ostfranzösischen Region Elsass/Lothringen einpendeln, die als Coronavirus-Risikogebiet gilt. "Wir haben erstmal entschieden, dass wir die Kolleginnen und Kollegen 14 Tage zuhause lassen", sagte ein Sprecher. Experten rechnen damit, dass die Autonachfrage europaweit massiv sinken wird, weil in Zeiten von Corona kaum jemand an den Kauf eines neuen Fahrzeugs denkt.

In China fast alle Fabriken wieder offen

Die Situation in Europa steht in krassem Gegensatz zu der Produktion in China, wo 31 von 33 Fabriken wieder in Betrieb sind, nachdem sie wochenlang geschlossen waren, als die Coronavirus-Pandemie das Land erfasst hatte. Die VW-Verkäufe in Westeuropa sind im Februar um 3,5 Prozent auf 263.800 Fahrzeuge und in Zentral- und Osteuropa um 7 Prozent auf 56.900 Fahrzeuge zurückgegangen. Zu dieser Zeit hatte das Virus Italien noch nicht mit voller Wucht getroffen.

In China sind die Verkäufe von Volkswagen im Februar - auf dem Höhepunkt der Viruskrise - um 74 Prozent auf 60.900 Fahrzeuge eingebrochen, 234.400 Einheiten waren im Jahr zuvor in diesem Monat verkauft worden.

Quelle: ntv.de, mba/DJ/dpa/rts