Wirtschaft

Saudi-Arabien-Deal in Gefahr BAE pocht auf den Eurofighter-Export

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Europäisches Gemeinschaftsprojekt: BAE Systems will mit dem Eurofighter-Export nach Saudi-Arabien Milliarden verdienen.

(Foto: AP)

Wenige Wochen vor dem anstehenden EU-Austritt Großbritanniens gewährt der größte Rüstungskonzern der Briten Einblick in die Geschäftslage. BAE-Chef Woodburn stellt Anlegern stabile Erträge in Aussicht. Dabei könnte nicht nur der Brexit noch erhebliche Probleme bereiten.

Der britische Rüstungskonzern BAE Systems hat das Jahr 2018 mit einem prall gefüllten Orderbuch und einem komfortablen Gewinnsprung abgeschlossen. "Der Auftragsbestand im Rüstungsgeschäft ist jetzt auf Rekordhöhe", sagte BAE-Chef Charles Woodburn bei der Präsentation der vorläufigen Jahreszahlen in London.

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Dank Neubestellungen von Fregatten für Kanada und Australien, U-Booten für Großbritannien und gepanzerten Fahrzeugen für die USA wuchs das Volumen ausstehender Aufträge um fast 10 Milliarden auf 48,4 Milliarden britische Pfund (umgerechnet rund 55,7 Milliarden Euro). Woodburn sprach von mehreren größeren Wettbewerbserfolgen, die zu dem rekordhohen Auftragseingang geführt hätten.

Als wichtigste Erfolge des zurückliegenden Geschäftsjahres verweist BAE Systems unter anderem auf Exportvereinbarungen mit dem Emirat Katar, Oman und Saudi Arabien zur Lieferung von Eurofighter-Kampfjets, den Zuschlag zum Bau der "Typ 26"-Fregatten für Australien sowie auf die Einbindung des US-Tarnkappenjets F-35 "Lightning II" als Standard-Ausstattung für den neuen britischen Flugzeugträger "HMS Queen Elizabeth". BAE liefert hier nicht nur Teile der Elektronik zu, sondern ist auch an der Entwicklung und an der Produktion des Hightech-Jets beteiligt.

Beim Umsatz musste BAE Systems 2018 allerdings ein leichtes Minus hinnehmen. Die Erlöse gingen um zwei Prozent auf 16,8 Milliarden Pfund zurück. Der Überschuss legte dagegen - unter anderem dank geringerer Abschreibungen - um mehr als ein Fünftel auf 1,03 Milliarden Pfund zu. Den Anteilseignern winkt eine von 21,8 auf 22,2 Pence je Aktie erhöhte Dividende.

"Das rekordhohe Auftragspolster verschafft uns einen soliden Ausblick für das kommende Jahrzehnt", betonte Woodburn. Wie alle europäischen Großkonzerne sieht sich jedoch auch BAE Systems mit schwer kalkulierbaren Risiken im Zusammenhang mit dem EU-Austritt Großbritanniens konfrontiert. Im Fall des britischen Rüstungsschwergewichts kommen spezielle Schwierigkeiten im Zusammenhang mit deutschen Exportbedenken hinzu.

Einwände aus Deutschland könnten dabei auch einen der wichtigsten Großaufträge für BAE noch zum Kippen bringen. Da die Bundesregierung nach dem Mord an dem regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul die Rüstungsexport-Genehmigungen für Saudi-Arabien generell ausgesetzt hat, müssen die Briten auch um die Kampfjet-Lieferung in die Golfregion fürchten.

Exportbedenken aus Deutschland könnten die bereits unterzeichnete Bestellung aus Saudi-Arabien für 48 Eurofighter ausbremsen, heißt es. BAE Systems ist zusammen mit Airbus und dem italienischen Luftfahrtkonzern Leonardo über ein Konsortium am Bau des europäischen Kampfflugzeugs Eurofighter beteiligt. Sitz der Eurofighter GmbH ist Hallbergmoos bei München. Die internationale Zusammenarbeit wurde einst als größtes militärisches Kooperationsprojekt Europas gefeiert.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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