Wirtschaft

BA: Rekord von 650.000 Anzeigen Betriebe melden in Massen Kurzarbeit an

131088645.jpg

In gastronomischen Einrichtungen ist die Arbeit weitgehend zum Erliegen gekommen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die wirtschaftlichen Folgen des Corona-Shutdowns in Deutschland und der globalen Rezession sind immens. Noch deutlich mehr Firmen als in der Wirtschaftskrise 2009 zeigen Kurzarbeit an, wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilt. Es drohen Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe.

Die Corona-Krise schlägt in Deutschlands Unternehmen voll durch. Bis zum 6. April haben rund 650.000 Betriebe Kurzarbeit angemeldet, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte. Damit kamen seit dem 27. März 180.000 Unternehmen zu den damals bekannten 470.000 hinzu. Das entspricht einer Steigerung um knapp 40 Prozent. Die Bundesrepublik steuert damit auf mehrere Millionen Menschen in Kurzarbeit zu.

In der Wirtschaftskrise 2009 lag die Zahl auf dem Höhepunkt im Juni bei 1,4 Millionen Kurzarbeitergeld-Beziehern. Wie viele Arbeitnehmer genau von den aktuell 650.000 Betriebsanzeigen betroffen sind, lässt sich noch nicht beziffern. Allerdings wird die Zahl deutlich höher sein als 2009. In ihrem am Mittwoch veröffentlichten Gutachten rechneten die Wirtschaftsweisen in der Spitze mit 2,4 Millionen Kurzarbeitern.

Das Kurzarbeitergeld ist eines der wichtigsten Instrumente der Bundesregierung zur Vermeidung einer Massenarbeitslosigkeit. Firmen können bei einbrechender Auftragslage die Arbeitszeit ihrer Angestellten bis auf null reduzieren. Die Arbeitnehmer erhalten dann von der Bundesagentur für Arbeit 60 Prozent ihres Nettolohns ausgezahlt. Arbeitnehmer mit Kindern erhalten 67 Prozent. Geringverdiener rutschen mit diesem Zweidrittel-Gehalt oft unter den Grenzwert der Grundsicherung und können mit Arbeitslosengeld II aufstocken.

Zehn Mal mehr Kurzarbeit-Sachbearbeiter als üblich

Wegen der Corona-Pandemie sind in Deutschland viele Betriebe geschlossen. Andere leiden unter einer eingebrochenen Auftragslage, weil die Nachfrage weltweit zusammengebrochen ist und Investitionen zurückgehalten werden. Die Bundesregierung hatte deshalb mit Unterstützung der Opposition den Zugang zum Kurzarbeitergeld erleichtert. Die Bundesagentur für Arbeit will hierfür bis zu 10 Milliarden Euro aus ihrer 26 Milliarden Euro schweren Konjunkturrücklage entnehmen. Allerdings könnte die Reserve zu gering sein, um den Bedarf zu decken, wie ntv.de aus Fraktionskreisen erfuhr.

Die Kurzarbeit-Anzeigen kommen der Arbeitsagentur zufolge "aus nahezu allen Branchen". Besonders betroffen seien der Einzelhandel und das Gastgewerbe. Die hohe Anzahl an Anträgen binnen kurzer Zeit stellt die Behörde vor immense Herausforderungen. "Wir richten zurzeit so gut wie alle unsere Aktivitäten darauf aus, die betroffenen Betriebe zu beraten, die Anzeigen schnell aufzunehmen und Kurzarbeit zügig abzurechnen", erklärte Detlef Scheele, der Vorstandsvorsitzende der BA. Fast 8000 BA-Beschäftigte bearbeiten demnach zurzeit Kurzarbeitsanzeigen und rechnen Kurzarbeit ab - zehn Mal so viele wie in normalen Zeiten.

Quelle: ntv.de