Wirtschaft

Drosten lobt neue Studie Das ist der goldene Mittelweg aus der Krise

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Wenn bei schrittweisen Lockerungen Abstandsregeln eingehalten werden und die Testkapazitäten steigen, kommen weder Wirtschaft noch der Gesundheitsschutz zu kurz.

(Foto: picture alliance/dpa)

In einer gemeinsamen Studie zeigen Helmholtz-Zentrum und Ifo-Institut, welche Lockerungen der Wirtschaft helfen, ohne die Gesundheit der Bevölkerung zu sehr zu gefährden. Es zeigt sich: Das eine funktioniert ohne das andere nicht und es gibt einen goldenen Mittelweg.

Weil in der öffentlichen Diskussion über die Bekämpfung der Corona-Pandemie wirtschaftliche Interessen und der Gesundheitsschutz oft als Gegensätze dargestellt werden, hat sich das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) mit dem Ifo-Institut zusammengetan, um in einer gemeinsamen Studie herauszufinden, ob es nicht auch einen goldenen Mittelweg gibt, der beide Interessen vereinen kann.

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Grundlage der Studie ist die Annahme, dass die Bundesregierung die Anzahl der täglichen Neuinfektionen auf rund 300 Fälle pro Tag reduzieren möchte. Unter diesen Bedingungen könnten die Beschränkungen weitgehend gelockert werden, ohne einen neuen Anstieg der Fallzahlen zu erzeugen, da die Gesundheitsämter die Infektionsketten wohl problemlos zurückverfolgen könnten.

Mit umfangreichen Einschränkungen wird dieses Ziel am schnellsten erreicht. Bis dahin bliebe die Wirtschaft aber stark ausgebremst. Bei schnellen Lockerungen könnte sie früher wieder hochfahren, müsste aber über einen längeren Zeitraum mit den verbleibenden Maßnahmen klarkommen.

"Ein Konflikt zwischen Gesundheitsschutz und wirtschaftlichen Interessen könnte entstehen, wenn die Strategie mit den geringeren wirtschaftlichen Kosten zu höheren gesundheitlichen Beeinträchtigungen, vor allem mehr Todesfällen, führen würde", heißt es in der Studie. "Ein solcher Konflikt wäre insbesondere dann naheliegend, wenn die Reduktion der wirtschaftlichen Kosten eine sehr schnelle Öffnung erfordern würde."

Es gibt den goldenen Mittelweg

Tatsächlich ist dies aber nicht der Fall, wie die drei möglichen Szenarien zeigen. Eine Weiterführung der straffen Regeln, wie sie bis zum 20. April gültig waren, hätte der Studie nach zu wirtschaftlichen Kosten für 2020 und 2021 von insgesamt 333 Milliarden Euro geführt.

Rasche Lockerungen, bei denen die Ansteckungsrate (R) ungefähr bei 1 gehalten werde, bis ein Impfstoff entwickelt ist, würden Deutschland noch teurer kommen, heißt es in der Studie. Denn in diesem Fall müssten die Beschränkungen so lange bestehen bleiben, dass die Kosten in diesem und im nächsten Jahr für die Wirtschaft insgesamt höher ausfielen.

Die Ergebnisse deuteten darauf hin, "dass eine leichte, schrittweise Lockerung der Beschränkungen den Weg mit den niedrigsten wirtschaftlichen Kosten darstellt", schreiben HZI und Ifo-Institut. Dann wäre der Schaden zwar immer noch immens hoch, aber bis Ende 2021 etwa 26 Milliarden Euro niedriger.

Die Strategie umsichtiger, schrittweiser Lockerungen sei auch gesundheitspolitisch vorzuziehen, schreiben die beiden Institute. "Die erwartete Zahl der Todesfälle würde bei schneller Öffnung deutlich höher ausfallen. Je langsamer die Öffnungen durchgeführt werden, desto geringer sind die langfristigen Opferzahlen."

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Auch die Strategie, R bis zur Entwicklung eines Impfstoffs um den Wert 1 zu halten, führe zu mehr Toten, so die Studie. Es sei davon auszugehen, dass die Zahl der Opfer bis dahin auf einem konstant hohen Niveau bleibe, wenn sich die Infektionszahlen nicht reduzierten.

Bevölkerung muss Abstandsregeln einhalten

Damit der Plan aufgeht, muss auch die Bevölkerung mitspielen. Denn einerseits müsse umfangreich getestet werden, andererseits müssten Abstandsregeln eingehalten werden, um die Infektionsrisiken bei Lockerungsmaßnahmen zu reduzieren. "Je mehr diese Spielräume genutzt werden, desto stärker können Lockerungen ausfallen. Dass weitere schrittweise Lockerungen auch mit sinkenden wirtschaftlichen Kosten einhergehen, hängt somit stark von den Verhaltensanpassungen der Bevölkerung ab."

Quelle: ntv.de, kwe