Wirtschaft

"LNG ist immer eine Preisfrage" EnBW hält US-Gas für zu teuer

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Spezialtanker für den LNG-Transport: In Europa konkurriert das US-Gas mit Lieferungen aus Norwegen und Russland.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bei seinem Treffen mit US-Präsident Trump macht EU-Kommissionschef Juncker weitreichende Zugeständnisse. Um einen Handelskrieg zu verhindern, soll Europa etwa mehr Erdgas aus den USA importieren. Unklar ist, wer genau das Gas abnehmen soll.

Die deutsche Energiewirtschaft hat zurückhaltend auf Bestrebungen von US-Präsident Donald Trump reagiert, mehr Flüssiggas (LNG) nach Europa zu exportieren. "LNG ist immer eine Preisfrage. Und aktuell sind die LNG-Lieferungen aus den USA im Vergleich zu anderen Gasquellen für uns nicht wettbewerbsfähig", sagte etwa der Finanzchef des Energiekonzerns EnBW, Thomas Kusterer, in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Die LNG-Lieferungen aus den USA seien einfach zu teuer, erklärte Kusterer. Daher beziehe EnBW auch keine. Der Konzern schaue sich den Markt aber laufend an. Wenn die Preise passen würden, würde EnBW auch LNG aus den USA kaufen. Der Energiekonzern ENBW ist mit seiner Tochter VNG einer der größten Gasimporteure Deutschlands.

Trump und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hatten bei ihren Gesprächen über den Handelsstreit am Vorabend im Weißen Haus unter anderem auch vereinbart, dass Europa mehr LNG aus den USA abnehmen wird. "EU-Vertreter haben mit gesagt, sie würden sofort damit beginnen, Sojabohnen von unseren großartigen Landwirten zu kaufen", teilte Trump nach dem Treffen in einer von mehreren Twitter-Botschaften mit. "Und, sie werden große Mengen an LNG kaufen!"

Die Zusage der Europäer ist Teil der überraschenden Einigung im Handelsstreit, der dadurch vorerst auf Eis gelegt wurde. Bei LNG ("Liquefied Natural Gas") handelt es sich um herkömmliches Erdgas, dass in gesonderten Anlagen in einem aufwändigen Prozess verflüssigt wurde.

Dadurch verringert sich das Volumen des Gases, was den Transport in Tankwagen oder speziellen Gastankschiffen möglich macht. Für die Lieferung per Schiff muss der Empfänger entsprechende Terminals bereithalten, in denen das Flüssiggas entladen und ins Pipeline-Netz eingespeist werden kann.

Neuer LNG-Hafen in Brunsbüttel

Die USA und andere Förderländer drängen seit Jahren darauf, dass die Europäer ihre Hafenkapazitäten für LNG-Transporte ausbauen. Aus deutscher Sicht stehen Flüssiggas-Lieferungen aus den USA in Konkurrenz zur Anlieferung per Pipeline, etwa aus Norwegen oder Russland. Die Preisunterschiede zwischen LNG und Pipelinegas seien derzeit noch deutlich, sagte EnBW-Manager Kusterer.

Deutschland verfügt demnach noch über kein geeignetes Terminal zur Anlandung von Flüssiggas. Ein Konsortium arbeitet aber intensiv am Bau eines entsprechenden Hafens bei Brunsbüttel. Hauptzweck der geplanten Anlage an der Elbemündung rund 70 Kilometer nordwestlich von Hamburg ist bislang aber nicht die Einspeisung von LNG aus Übersee in das deutsche Gasnetz, sondern der Bau einer Schiffstankstelle mit einem vergleichsweise sauberen Treibstoff.

Quelle: ntv.de, mmo/DJ/rts

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