Wirtschaft

Aktiencrash schürt Kaufgerüchte Kauft Apple Tesla zum Schnäppchenpreis?

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Elon Musk soll 2013 eine Tesla-Übernahme mit Apple diskutiert haben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Extrem-Szenario der US-Investmentbank Morgan Stanley prügelt den Tesla-Kurs weiter nach unten: Im schlimmsten Fall sollen die Papiere auf zehn Dollar fallen. Nicht ausgeschlossen, dass Apple sich schon für eine Übernahme der E-Autoschmiede warm läuft.

Der Abwärtstrend beim Tesla-Kurs hält an. Auch zum Auftakt an der Wall Street am Mittwoch verlieren die Papiere knapp zwei Prozent. Der Kampf um die 200 Dollar je Aktie geht damit weiter.

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Druck kommt von einem Negativ-Szenario der US-Investmentbank Morgan Stanley, wonach Tesla die Nachfrage nach Elektroautos überschätzt haben könnte. Nicht nur die hohe Schuldenlast, auch die Abhängigkeit von der Nachfrage aus China bereiten Beobachtern Sorgen. Sollten die Handelskonflikte stärker als bislang gedacht auf Teslas China-Geschäft durchschlagen, prognostiziert Bank-Analyst Adam Jonas im ungünstigsten Fall einen Kurssturz auf zehn Dollar. Bislang war er von 97 Dollar ausgegangen.

Mit der Einschätzung, Tesla könnte zu schnell gewachsen sein, rennt die US-Bank offenbar offene Türen ein. Es ist ein Teufelskreis: Aktionäre verlassen das sinkende Schiff und Analysten beeilen sich, ihre Kursziele nach unten anzupassen. Der Verkaufsdruck steigt. Während der Tech-Index Nasdaq seit Jahresanfang rund 16 Prozent zugelegt hat, hat Tesla bereits knapp 40 Prozent verloren. Inzwischen sind die großen Autobauer General Motors und Ford, die der E-Autopionier zwischenzeitlich überholt hatte, an der Börse wieder mehr wert als Tesla.

Analysten und Aktionäre scheinen sich plötzlich alle zu fragen, ob die gigantischen Vorschusslorbeeren für den Visionär Musk gerechtfertigt waren. Neben den Absatz-Sorgen leide Tesla unter einem Glaubwürdigkeitsdefizit, konstatiert zum Beispiel Ben Kallo vom Vermögensverwalter Baird. Dies hänge auch mit der missglückten Kommunikationspolitik von Firmenchef Elon Musk zusammen. Seiner Einschätzung nach dürfte es Wochen oder gar Monate dauern, bis Tesla die Krise überwunden hat. Vorwürfe und Kritik sind nicht neu, werden plötzlich aber ernster bewertet.

Kallo hat sein aktuelles Kursziel deshalb auf 340 von 400 Dollar gesenkt. Angesichts des Schlusskurses von knapp 205 Dollar am Vorabend in New York ist die Einschätzung immer noch optimistisch. Adam Jonas von Morgan Stanley hält dagegen in seinem Kern-Szenario nur ein Kursziel von 230 Dollar für angemessen.

Apple soll 240 Dollar je Aktie angeboten haben

Der Sinkflug der Tesla-Aktie befeuert nun auch noch Übernahmespekulationen. Abwegig sind solche Gedankenspiele nicht. Sollte sich ein Käufer finden, wären auch schnell wieder höhere Kurse möglich. Laut dem Analysten Craig Irwin von Roth Capital Partners gab es in den vergangenen Jahren zumindest einen konkreten Vorstoß: Apple soll 2013 "ein ernsthaftes Angebot" unterbreitet haben, sagte der Analyst dem US-Sender CNBC. Der Kaufpreis habe damals bei rund 240 Dollar gelegen - also noch über dem heutigen Kurs. Irwin beruft sich auf "glaubwürdige Quellen". Sogar konkrete Gespräche zwischen Tesla-Chef Musk und Apple-Chef Tim Cook soll es damals gegeben haben.

Angesichts des Kurssturzes könnte Apple durchaus einen neuen Anlauf wagen, meint Irwin: "Wenn Apple damals Interesse hatte, dann werden sie wahrscheinlich auch heute Interesse haben." Sollte es wirklich zu einer Übernahme durch Apple kommen, wäre es eine Hochzeit der Superlative. Teslas aktuelle Marktkapitalisierung beträgt 36 Milliarden US-Dollar. Eine so teure Übernahme gab es in der Geschichte der Tech-Branche noch nie. Als Facebook Whatsapp kaufte, lag der Preis bei 19 Milliarden Dollar. Der teuerste Kauf, den Apple je getätigt hat, liegt fünf Jahre zuück. Beats Electronics war dem Konzern gut drei Milliarden US-Dollar wert.

*Datenschutz

Elon Musk, der eigentlich für seine großspurigen Tweets bekannt ist, gibt sich derzeit erstaunlich bedeckt. Bislang hat er weder den Aktiencrash noch die Übernahmespekulationen kommentiert. Ein Kompromiss mit der US-Börsenaufsicht SEC regelt zwar mittlerweile unter welchen Bedingungen er noch twittern darf. Musk hatte sich jede Menge Ärger mit kursbewegenden Tweets über Finanzen, Produktionsziele, Übernahmen und Fusionen eingehandelt. Bislang hielt er sich jedoch nur bedingt an diese Auflagen.

Vergangenen Sommer hatte der Tesla-Chef wochenlang mit der Ankündigung für Schlagzeilen gesorgt, Tesla von der Börse nehmen zu wollen. In einem Tweet bot er 420 Dollar je Aktie: "Finanzierung gesichert", hieß es. Heute scheint dieser Preis aberwitziger denn je. Entweder Musk schweigt, weil die Einsicht am Ende gesiegt und er tatsächlich einen erfahrenen Anwalt konsultiert hat, wie ihm die SEC auferlegt hat. Oder er tüftelt unter Hochdruck an einer neuen Idee, mit der er Aktionäre und Analysten in seinen Bann ziehen kann.

Quelle: n-tv.de

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