Wirtschaft

Deutsche verbrauchen mehr Strom Kohleverstromung steigt sprunghaft an

239777619.jpg

Im ersten Halbjahr 2021 wurde fast ein Viertel mehr Kohle verfeuert als im Vorjähreszeitraum.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auf ihrem Höhepunkt lässt die Corona-Krise mit der Wirtschaftsaktivität auch den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen in Deutschland einbrechen. Das ist vorbei. Der Verbrauch der besonders klimaschädlichen Braunkohle steigt drastisch.

Das Wiederanlaufen der Wirtschaft nach dem Corona-Einbruch und das kühle Frühjahr haben den Energieverbrauch in Deutschland im ersten Halbjahr 2021 steigen lassen. Nach Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) legte der Verbrauch gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,3 Prozent zu. Die temperaturbereinigten Verbrauchswerte lägen aber um mehr als 7 Prozent unter dem Wert der ersten sechs Monate des Jahres 2019.

Weil mehr Strom mit Braun- und Steinkohle produziert wurde als im Vorjahreszeitraum erhöhten sich die Kohlendioxidemissionen um 6,2 Prozent. Der Verbrauch von Braunkohle stieg in den ersten sechs Monaten dieses laufenden Jahres um rund ein Drittel, der von Steinkohle um fast 23 Prozent. Der Anstieg der fossilen Brennstoffe bei der Stromerzeugung ist den Angaben zufolge vor allem darauf zurückzuführen, dass weniger Windstrom erzeugt wurde. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2019 ist der Verbrauch an Braunkohle aber um 12 Prozent gesunken.

Im gesamten deutschen Energiemix übernahm Erdgas mit einem Anteil von 30,6 Prozent erstmals die Führungsposition, das Mineralöl fiel mit 28,6 Prozent auf Platz zwei. Die erneuerbaren Energien belegen mit einem Anteil von 16,8 Prozent Platz drei, zuvor lag ihr Anteil allerdings bei 17,7 Prozent. Die Anteile der Braun- und Steinkohle am Gesamtverbrauch erhöhten sich leicht auf zusammen 16,6 Prozent.

Bundesverband fordert Fokus auf Erneuerbare Energien

Die AG Energiebilanzen betonte, durch den weiteren Pandemieverlauf und seine Auswirkungen auf Wirtschaftstätigkeit und Mobilität sowie durch den nicht prognostizierbaren Witterungsverlauf im weiteren Jahresverlauf könne es noch zu deutlichen Verschiebungen bei Verbrauch und Zusammensetzung der Energieträger kommen. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) reagierte auf die Zahlen "mit großer Sorge" und forderte die politische Fokussierung auf den Ausbau der Erneuerbaren.

"Erneuerbare Energien sind der Schlüssel für Klimaschutz und einen zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort", erklärte BEE-Präsidentin Simone Peter. Ein Einbruch beim Anteil der Grünen Energien, insbesondere im Stromsektor, mache eine riesige Ökostromlücke in den nächsten Jahren wahrscheinlicher. Denn einerseits wachse der Bedarf an Grünem Strom bei E-Mobilität, Grünem Wasserstoff und Wärmepumpen, andererseits gingen durch die Vollendung des Atomausstiegs im kommenden Jahr sowie einen beschleunigten Kohleausstieg aufgrund steigender CO2-Preise konventionelle Kapazitäten aus dem Netz.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.