Wirtschaft

Einbruch um 99,5 Prozent Reederei Carnival hat fast keine Einnahmen

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Aida will demnächst wieder erste Fahrten anbieten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Schiffe liegen seit Monaten mehrheitlich vor Anker. Erst seit ein paar Wochen stechen die ersten wieder mit Passagieren in See. Entsprechend hat der weltgrößte Kreuzfahrtunternehmer Ebbe in der Kasse. Stattdessen verbrennt er monatlich einen hohen dreistelligen Millionenbetrag.

Das weltgrößte Kreuzfahrtunternehmen Carnival hat im Sommer praktisch kein Geld eingenommen. In den drei Monaten bis Ende August beliefen sich die Einnahmen nach Unternehmensangaben auf insgesamt 31 Millionen Euro. Grund ist der Stillstand der Geschäfte angesichts der weltweiten Corona-Pandemie. Noch vor einem Jahr hatten sich die Sommer-Erlöse auf mehr als 6,5 Milliarden Euro summiert.

Unter dem Strich stand nun ein Verlust in Höhe von fast 2,9 Milliarden Dollar oder 3,69 Dollar je Aktie. Im Vorjahr hatte die Aida-Mutter noch gut 1,8 Milliarden Dollar verdient. Das Ergebnis entsprach der schon im September genannten Zahl. Der bereinigte Verlust belief sich auf 2,19 Dollar je Aktie und traf damit ziemlich genau die Konsensschätzung der Analysten von 2,20 Dollar. Im zweiten Quartal war der Verlust mit vier Milliarden Dollar noch größer ausgefallen.

Aida will nächste Woche wieder ablegen

Das Kreuzfahrtunternehmen hat angekündigt, sich von 18 weniger effizienten Schiffen trennen zu wollen - samt mehr als 100 Führungsposten. Zehn Schiffe sind bereits ausgemustert. Das entspricht einer Senkung der Kapazität im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau von zwölf Prozent. Die Reederei Carnival Cruise Line hat die meisten US-Kreuzfahrten bis zum Jahresende abgesagt, die Luxuslinie Seabourn strich in dieser Woche die Reisen auf drei Schiffen bis zum Mai 2021. Kreuzfahrtveranstalter haben in diesem Jahr bereits Milliarden verloren, nachdem coronabedingt die Reisen abgesagt werden mussten. Carnival rechnet damit, das Geschäft schrittweise wieder aufnehmen zu können.

Die zuständigen US-Behörden haben Kreuzfahrten unlängst bis Ende Oktober untersagt. Die konzerneigene Costa Cruises aus Italien hat den Schiffsreisebetrieb nach monatelangen Unterbrechungen am 6. September wieder aufgenommen. Aida Cruises aus Rostock will Mitte Oktober wieder loslegen. Zuvor waren einige Startversuche gescheitert - wegen erneuter Corona-Fälle.

Derzeit verbrennen monatlich 350 Millionen Dollar

Carnival hat im abgelaufenen Quartal durchschnittlich 770 Millionen Dollar Cash im Monat verbrannt, rund 530 Millionen Dollar im Schnitt dürften es im laufenden vierten Quartal sein, hieß es jetzt. Damit bleibt der Konzern im Rahmen seiner früheren Prognose, die für das zweite Halbjahr von rund 650 Millionen Dollar monatlichen Mittelabflüssen ausgegangen war.

Die Lust an der Kreuzfahrt hat unterdessen noch nicht gelitten. Die Nachfrage nach Reisen in der zweiten Jahreshälfte 2021, die seit dem 20. September buchbar sind, liege am oberen Ende der historischen Spannen, hieß es. Die Kundengelder in seiner Kasse bezifferte der Konzern per Ende August auf 2,4 Milliarden Dollar - überwiegend handelt es sich dabei um Guthaben, die aus stornierten Reisen entstanden sind und nicht ausgezahlt wurden. Ende Mai belief sich diese Zahl noch auf 2,9 Milliarden Dollar. Auch Investoren glauben ans Geschäft. Im Frühjahr war der saudi-arabische Staatsfonds eingestiegen. Zudem gibt es keine Liquiditätsengpässe: Ende August verfügte Carnival über Barmittel von 8,2 Milliarden Dollar.

Das am 30. November endende Geschäftsjahr erwartet Carnival weiterhin mit einem Verlust abzuschließen. Nach neun Monaten hat das Unternehmen mit knapp 5,6 Milliarden Dollar nur rund ein Drittel der Vorjahreseinnahmen erlöst. Dafür beläuft sich das Defizit auf bereits mehr als acht Milliarden Dollar. Die Reederei hatte vergangenes Jahr im Durchschnitt 92.000 Mitarbeiter auf ihren Schiffen, sowie 12.000 Vollzeit- und 2000 Teilzeit- oder Saisonarbeiter.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/dpa