Wirtschaft

"Größtes, schädlichstes Problem" US-Airlines warnen eindringlich vor 5G

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Die Nutzung von Smartphones oder Tablets während des Fluges könnte künftig aus Sicherheitsbedenken nicht mehr möglich sein.

(Foto: picture alliance / AA)

Die schon baldige Einführung des Mobilfunkstandards 5G mitten in der Omikron-Welle der Pandemie bringt die Luftfahrtbranche in den USA auf die Barrikaden. Seit Monaten äußern Branchenkenner weltweit akute Sicherheitsbedenken. Erhebliche Störungen im Flugverkehr könnten die Folge sein.

Die Einführung von 5G in den USA könnte nach Ansicht von US-Fluggesellschaften der Erholung der Luftfahrtbranche nach der Pandemie wegen zusätzlicher Sicherheitsvorkehrungen einen Dämpfer verpassen. Die Pläne der Telekommunikationsanbieter AT&T und Verizon, das C-Band-Spektrum für 5G-Mobilfunkdienste zu nutzen, sei "das größte und schädlichste Problem, dem wir gegenüberstehen. Wir wollen nichts mehr, als an einer Lösung zu arbeiten", sagte Scott Kirby, Konzernchef von United Airlines bei einer Anhörung vor dem US-Senat.

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Die Handelsgruppe Airlines for America (A4A) führte an, wenn die jüngsten Vorschriften der US-Flugaufsichtsbehörde FAA zum Umgang mit potenziellen Störungen durch 5G beispielsweise im Jahr 2019 vor der Pandemie in Kraft gewesen wären, "etwa 345.000 Passagierflüge, 32 Millionen Passagiere und 5400 Frachtflüge in Form von verspäteten Flügen, Umleitungen oder Annullierungen betroffen gewesen wären". Gary Kelly, Chef von Southwest Airlines, sagte, dass die FAA-Richtlinie "unseren Betrieb erheblich beeinträchtigen wird, sobald sie am 5. Januar in Kraft tritt".

In ihrer jüngsten Richtlinie verlangt die FAA eine Überarbeitung der Flughandbücher für Flugzeuge und Hubschrauber: Einige Flugmanöver, die Funkhöhenmesserdaten erfordern, sollen aus Sicherheitsgründen verboten werden, wenn 5G-C-Band-Breitbandsignale vorhanden sind. 5G könnte zu möglichen Interferenzen mit der empfindlichen Flugzeugelektronik führen.

Im November hatten sich AT&T und Verizon bereit erklärt, die kommerzielle Einführung des drahtlosen C-Band-Dienstes bis zum 5. Januar zu verschieben, nachdem die FAA Bedenken angemeldet hatte. Die Betreiber haben kein Interesse an einer weiteren Verzögerung bei der Nutzung der Frequenzen: In einer Auktion Anfang des Jahres hatte die Mobilfunkbranche mehr als 80 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt, um Zugang zum C-Band zu erhalten.

Welche Gefahren birgt 5G beim Fliegen?

In den USA ist 5G näher am Frequenzbereich von Funkhöhenmessern dran. Doch auch in Europa sind Luftfahrtbehörden wegen der Einführung des neuen Mobilfunkstandards alarmiert. 5G soll zwar eine bis zu zehn Mal schnellere Datenübertragung bieten - Smartphones oder Tablets während des Fluges zu nutzen, könnte künftig aber aus Sicherheitsbedenken nicht mehr möglich sein, warnen Experten.

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Ein Sprecher der französischen Luftfahrtbehörde DGAC warnte bereits im Februar gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: "Die Nutzung von 5G-Geräten an Bord von Flugzeugen könnte zu Risiken von Interferenzen führen, die potenziell zu Fehlern bei den Höhenmessungen führen könnten." Dabei gehe es um mögliche Signalstörungen, die besonders beim Landeanflug gefährlich sein könnten.

Die Flughöhe eines Flugzeuges wird einerseits per Luftdruckmessung bestimmt, andererseits über ein Radargerät an Bord und elektromagnetische Wellen. Bei diesen Radarhöhenmessern sieht die DGAC nun das Risiko einer Störung durch 5G. Die französische Behörde hatte andere Airlines über die potenzielle Gefahr informiert und empfohlen, alle 5G-kompatiblen Geräte an Bord in den Flugzeug-Modus zu versetzen oder abzuschalten. Das betrifft gerade auch Smartphones und Tablets. Auch in Deutschland wird das Problem untersucht. Die Bundesnetzagentur bestätigte, dass sie Studien zur Beeinflussung von Funkhöhenmessern und 5G begleite.

Quelle: ntv.de, ddi/rts

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