Wirtschaft

"Chicken Tax" bremst Amarok VW steigt in den USA mit Marke Scout in SUV-Markt ein

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VW peilt bis 2030 einen Marktanteil von zehn Prozent in den USA ein.

(Foto: REUTERS)

Mit Pick-ups und SUVs verdienen sich US-Autobauer auf dem Heimatmarkt ein goldenes Näschen. Von dem Kuchen will auch VW etwas abhaben. Nachdem die Kunden den Wolfsburgern die Diesel-Affäre verziehen haben, klotzt Volkswagen ran: neue Marke, neue Modelle und wohl auch ein neues Werk.

Europas größter Autobauer Volkswagen steigt in den USA in das lukrative Geschäft mit Pick-ups und SUVs ein und bringt dazu zwei rein elektrische Modelle an den Start. Der Aufsichtsrat gab grünes Licht für die Pläne des Vorstands, der dafür die US-Traditionsmarke Scout wiederbeleben will. Dazu soll noch in diesem Jahr in den USA ein separates Unternehmen für Design, Entwicklung und Produktion gegründet werden. In einer ersten Stufe sollen 100 Millionen Euro an Investitionen in das Projekt fließen, hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens.

VW Vorzüge
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Die elektrifizierte Marke Scout werde auf ein neues technisches Plattformkonzept setzen, teilte Volkswagen mit. Erste Prototypen sollen im nächsten Jahr gezeigt werden. Die Serienproduktion soll 2026 anlaufen. Finanzielle Details nannte der Autokonzern nicht.

Die Suche nach einer Möglichkeit, auf dem Markt für Pick-ups Fuß zu fassen, lief bereits länger. Zwar haben die leichten Nutzfahrzeuge von Volkswagen mit dem Amarok seit vielen Jahren solch ein Modell im Programm - ausgerechnet in den USA wurde es aber nicht verkauft. Ein Grund war eine skurrile Importhürde, mit der Washington Handelshemmnisse für exportierte Hühnchen durch höhere Einfuhrzölle für bestimmte Autotypen vergolten hatte ("Chicken Tax"). In der Folge dominierten die heimischen Anbieter wie General Motors oder Ford das Inlandsgeschäft mit Pick-up-Trucks. Inzwischen sind auch US-Elektroautobauer wie Tesla oder Rivian in der Sparte aktiv.

Ein vom VW-Plattform-Partner Ford entwickelter Amarok-Nachfolger soll in diesem Sommer vorgestellt werden. Bisher lieferte der Konzern gut 830.000 Amaroks in Europa, Südamerika, Südafrika und Ozeanien aus.

Diess will VW wieder zu wichtigem Akteur machen

Mit Scout steigt Volkswagen in das von General Motors und Ford dominierte Segment für SUV und Pick-ups ein, das hohe Renditen abwirft. "Nachdem Volkswagen den Turnaround in den USA geschafft hat, nutzen wir nun die Chance, unsere Position in einem der wichtigsten Wachstumsmärkte für Elektrofahrzeuge weiter auszubauen", sagte Konzernchef Herbert Diess. Die Elektrifizierung biete dem Konzern die historische Möglichkeit, in das Segment für Pickups und geländegängige SUV (R-SUV) einzusteigen. So wolle man zu einem wichtigen Akteur auf dem US-Markt werden.

Der Name Scout geht auf ein Modell des ehemaligen US-Herstellers International Harvester zurück. Dessen Lkw-Sparte wurde später unter dem Namen Navistar weitergeführt. Die Markenrechte an Scout gingen bei der Übernahme des US-Lastwagenbauers 2020 durch Traton an Volkswagen.

Die von Harvester hergestellten Modelle Scout und Travelall waren Vorläufer beliebter SUVs der großen drei Detroiter Autohersteller wie dem Ford Bronco und dem Chevrolet Suburban von General Motors. Harvester stellte 1980 nach den Ölpreisschocks Mitte der 1970er Jahre den Bau der Fahrzeuge ein, als das Unternehmen eine Umstrukturierung durchlief. Grundzüge des Erscheinungsbildes des Scout leben heute in Fahrzeugen wie Fords aktuellem Bronco und dem Design der Pickup- und SUV-Linie R1 des Elektro-Startups Rivian weiter.

Neues Werk geplant

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Anders als die beiden US-Platzhirsche Ford und GM plant der Wolfsburger Autokonzern geländegängige Fahrzeuge, die auf einer dafür eigens entwickelten Plattform stehen sollen. Im Werk in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee, wo ab Sommer der ID.4 vom Band laufen soll und das für die Produktion des elektrischen Bulli-Nachfolgers ID.Buzz erweitert werden soll, reichten die Kapazitäten nicht, sagte ein Insider. Deshalb denke man auch über ein neues Werk nach.

Diess hatte vor kurzem einen Wachstumsplan für die USA angekündigt, um die Abhängigkeit vom Geschäft in China zu verringern. Der Marktanteil in den USA, wo sich VW nach dem Dieselskandal vor fast sieben Jahren berappelt, soll bis 2030 auf zehn Prozent mehr als verdoppelt werden. Den Bau einer Batteriezellfertigung in den USA hat Volkswagen bereits angekündigt. Der Standort ist noch nicht bekannt.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa

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