Wirtschaft

Problem bei Handel mit Kanada Zypern ärgert Brüssel mit Halloumi-Frage

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Die Zyprioten dürften darauf hoffen, dass sich Brüssel in der Halloumi-Frage noch erweichen lässt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das neue europäisch-kanadische Wirtschafts- und Handelsabkommen (Ceta) ist zwar bereits weitgehend inkraft, aus Zypern kommt nun aber Widerstand gegen eine Warengruppe, die die Insel besonders betrifft: Halloumi-Käse.

Zypern stellt sich quer beim großen Freihandelsabkommen der EU mit Kanada - die Insel will bei Teilen des Vertrags nachverhandeln, bei denen es sich übergangen fühlt. Am Freitagabend verweigerte das Parlament des EU-Mitglieds dessen Ratifizierung. Aus Sicht der linken Partei AKEL und der Sozialisten würden der zyprische Halloumi-Käse und andere landwirtschaftliche Produkte der Insel nicht ausreichend geschützt, berichtete der staatliche Rundfunk (RIK). Das Handelsabkommen Ceta ist im September 2017 vorläufig in Kraft getreten, der größte Teil des Abkommens findet damit laut der EU Anwendung. Derweil trat ein weiteres Freihandelsabkommen der EU in Kraft. In den kommenden Jahren sollen fast alle Zölle im Handel mit Vietnam wegfallen.

Die nationalen - in einigen Fällen auch die regionalen - Parlamente in den EU-Ländern müssen Ceta noch zustimmen, damit es uneingeschränkt gültig wird. Halloumi-Käse gilt als eines der Nationalgerichte Zyperns und wird in großen Mengen exportiert. Die linken Parteien kritisierten zudem das Abkommen, weil es nach ihrer Auffassung multinationale Unternehmen stärke und kleinere Produzenten in die Katastrophe führe, berichtete der Staatsrundfunk weiter. Aus Regierungskreisen hieß es, Nikosia werde versuchen, einige Ausnahmen für zyprische Produkte auszuhandeln, ehe das Abkommen erneut zur Billigung dem Repräsentantenhaus vorgelegt wird.

Bislang keine derartigen Problem bei Vietnam-Abkommen

Beim Freihandelsabkommen mit Vietnam deuten sich solche Widerstände noch nicht an. Zunächst sollen Zölle auf EU-Exportwaren wie Arzneimittel, Chemikalien oder Maschinen wegfallen. Im Laufe der kommenden zehn Jahre sollen demnach Lockerungen bei den Handelsbeschränkungen für viele weitere Waren folgen. Am Ende sollen 99 Prozent des Austauschs der EU mit dem südostasiatischen Land zollfrei sein.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, sie erhoffe sich dadurch Arbeitsplätze und "neue aufstrebende Märkte" für europäische Unternehmen. Auch für die Bevölkerung Vietnams biete das Abkommen eine große Chance. "Das Abkommen (...) birgt ein erhebliches wirtschaftliches Potenzial, das zum Aufbau nach der Corona-Krise beitragen wird", erklärte Handelskommissar Phil Hogan.

Vietnam ist ein wichtiges Produktionsland von Elektrogeräten und Textilien für den europäischen Markt. Auch Kaffee, Reis, Meeresfrüchte und Möbel werden häufig nach Europa verkauft. Umgekehrt ist das Land mit seinen 95 Millionen Einwohnern ein interessanter Markt für europäische Firmen. Sie setzen dort vor allem Maschinen, Flug- und Fahrzeuge sowie Arzneimittel ab.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP