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Ein zweites Leben im Wald Weihnachtsbaum muss nicht in Tonne landen

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Ein mittelgroßer Weihnachtsbaum zwischen 140 und 160 Zentimeter kostet bei Wundertree 139 Euro.

In vielen Wohnzimmern glänzt an Heiligabend eine festlich geschmückte Nordmanntanne. Spätestens im neuen Jahr verschandeln die Bäume dann das Stadtbild, bevor sie schließlich verbrannt werden. Es geht auch anders.

Spätestens kurz vor Heiligabend machen sich viele deutsche Haushalte auf die Jagd nach einem Christbaum. Die meisten der in Deutschland verkauften Bäume stammen allerdings aus Plantagen, die gedüngt und mit Pestiziden bespritzt werden. Sie landen spätestens im neuen Jahr auf dem Müll und werden anschließend verbrannt - das stößt massenweise CO2 aus. Ein Start-up aus Berlin liefert seinen Kunden deswegen Weihnachtsbäume im Topf bis vor die Tür, holt sie nach den Feiertagen ab und pflanzt sie anschließend in einem Wald in Brandenburg wieder ein.

Die Käufer können zwischen drei Größen wählen. "Unsere Kunden finden die Idee, dass der Baum nach Weihnachten nicht weggeworfen, sondern wieder eingepflanzt wird, super. Sie schenken ihm damit ein zweites Leben im Wald, wo er weiter Kohlenstoff speichern kann", sagt Milan Hänsel von Wundertree ntv.de. Mit jeder gekauften Nordmanntanne pflanzt das erst im vergangenen Jahr gegründete Unternehmen zusätzlich einen Laubbaum.

Damit hat bereits der Kauf eines Wundertree-Baumes eine bessere CO2-Bilanz als die reguläre Tanne aus dem Baumarkt. Die müssen nämlich gepflanzt, gepflegt, vorbereitet und transportiert werden. Allein dabei entstehen laut Hänsel rund fünf Kilo CO2. Mit der Verbrennung seien es dann insgesamt 10 Kilo CO2. "Diese 10 Kilo sparen wir ein. Und dadurch, dass wir nicht nur die Tanne, sondern auch jeweils einen weiteren Laubbaum einpflanzen, sorgen wir dafür, dass langfristig noch mehr Kohlenstoff gespeichert werden kann", sagt Hänsel.

Auch im Internet nimmt der Verkauf zu

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Milan Hänsel und Andrew Green 35 Kilometer vor Berlin. Hier bekommen die Weihnachtsbäume eine zweite Chance.

Ein mittelgroßer Weihnachtsbaum zwischen 140 und 160 Zentimeter kostet bei Wundertree 139 Euro. Lieferung und Abholung in einem E-Auto inklusive. Das Start-up beschäftigt inzwischen vier Mitarbeiter, acht Fahrer und etliche Helfer, die die Auslieferungen vorbereiten. Seit Anfang November sind die Tannen im Onlineshop erhältlich. Die insgesamt 1500 Bäume sind am Wochenende vor Heiligabend bereits alle ausverkauft. Zum Vergleich: Eine reguläre Nordmanntanne kostet im Schnitt etwa 70 Euro.

Die steigende Nachfrage nach fairen und ökologischen Weihnachtbäumen bestätigt auch eine Umfrage der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Demnach werden etwa 30 Prozent der Bäume inzwischen direkt bei landwirtschaftlichen Betrieben gekauft, weitere 30 Prozent im Straßenhandel. Und auch im Internet nimmt der Verkauf zu: Immerhin 11 Prozent haben in einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom angegeben, ihren Baum im Internet bestellen zu wollen. 10 bis 12 Prozent würden ihren Baum dieses Jahr - wie die Kunden von Wundertree - im Topf kaufen.

n. "Wenn schon Weihnachtbäume, dann am besten aus Forstbetrieben oder Weihnachtsbaumkulturen, die nach klaren, ökologisch ausgerichteten Regeln bewirtschaftet werden und bei denen dies auch von unabhängiger Stelle kontrolliert wird, empfiehlt Rudolf Fenner von der Naturschutzorganisation Robin Wood. Das schone vor allem die Umwelt und schließe eine Belastung durch Pestizidreste in den eigenen vier Wänden aus.

Auch Weihnachtsbäume folgen einem Trend

Mit dem steigenden Interesse hat laut Robin Wood in den vergangenen Jahren auch das Angebot zugenommen. Während es vor sechs Jahren bundesweit erstmals 100 Verkaufsplätze gab, sind es inzwischen mehr als 800. Auch die Betriebe, die ökologisch zertifizierte Weihnachtbäume anbauen, hätten sich in diesem Zeitraum verdoppelt. Den Marktanteil an Öko-Weihnachtbäumen schätzt die Naturschutzorganisation aber trotzdem noch auf bestenfalls 0,5 Prozent.

Das scheint Baumärkte wie Obi, Bauhaus und Toom nicht abzuschrecken, denn auch sie verkaufen Bäume aus ökologischem Anbau. Toom bietet seit drei Jahren Fair-Trade-Nordmanntannen aus Dänemark und dem Sauerland an. Hinter dem Label "Fair Tree" steckt die dänische Stiftung Fair Trees, die sich für faire Arbeitsbedingungen während der Tannenbaumernte einsetzt. Zusätzlich geht laut Toom mit dem Verkauf jeder Nordmanntanne ein Teil des Umsatzes an soziale Projekte in Georgien, wo 80 Prozent der Samen aller Nordmanntannen geerntet werden.

Die klassische Nordmanntanne bleibt mit einem Marktanteil von 80 Prozent der Weihnachtbaum schlechthin. Aber auch die unterliegen Trends, sagt Hänsel. In den 1960er-Jahren sei die Edeltanne gefragt gewesen, in den 1970er-Jahren die Fichte und seit den 1980er-Jahren eben die Nordmanntanne. Wieso solle sich dann nicht auch das Konzept "Weihnachtsbaum im Topf" durchsetzen?

Quelle: ntv.de