Frage & Antwort

Abstand, Maske, Schweigen Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko im Lift?

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In der Corona-Pandemie sollte man während der Aufzugfahrt möglichst nicht sprechen, husten oder niesen.

(Foto: imago images/Westend61)

Mit Fahrstühlen soll man auf bequeme Art und Weise schnell in höhere Stockwerke gelangen. In Zeiten der Corona-Pandemie könnte man sich in den schlecht belüfteten Kabinen jedoch anstecken. Sollte man dann doch lieber laufen?

Obwohl relativ früh in der Pandemie die Anti-Corona-Maßnahmen auch bei der Benutzung von Fahrstühlen angepasst wurden, löste das Bild der beengten Fahrt mit Gesundheitsminister Jens Spahn und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, die unter dem Begriff "Fahrstuhlgate" bekannt wurde, rege Diskussion im Land aus. Für die Mitfahrenden blieb die überfüllte Kabine in Bezug auf ihre Gesundheit offenbar folgenlos.

Das hatte wohl was damit zu tun, dass alle im Aufzug Mund-Nasen-Bedeckungen trugen, denn Fahrstühle galten auch schon vor der Corona-Pandemie als echte Keimschleudern. In den engen, oftmals schlecht belüfteten, manchmal kühlen Kabinen können verschiedene Krankheitserreger stundenlang, manchmal sogar wochenlang, überleben. Auf den Knöpfen, die von vielen Menschen täglich benutzt werden, harren beispielsweise Noroviren über Wochen aus. Ein ungezügeltes Niesen während einer Fahrstuhlfahrt in einer vollen Kabine würde ausreichen, um alle anderen Mitfahrer beispielsweise mit Rhinoviren, die Erkältungssymptome auslösen, anzustecken.

Nur noch zwei Personen gleichzeitig

Doch die Zeiten von vollen Fahrstühlen sollten in der Corona-Pandemie vorbei sein. Maximal zwei Personen dürfen sich den Corona-Maßnahmen zufolge während einer Fahrt in einer normalen Kabine befinden. Die beiden sollten außerdem einen maximalen Abstand zueinander halten und eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Doch trotz aller Maßnahmen ist man auch im Fahrstuhl nicht hundertprozentig vor einer Infektion, ob mit Sars-CoV-2, Erkältungs-, Grippe- oder Noroviren geschützt. Da vor allem in Krankenhäusern, Kliniken oder Arztpraxen viele Menschen auf die Benutzung von Fahrstühlen angewiesen sind, ist hier das Risiko einer Infektion besonders hoch. Je mehr Menschen einen Lift benutzen, umso größer wird das Risiko einer Infektion. Im Falle von Sars-CoV-2 spielen Schwebeteilchen, sogenannte Aerosole, in denen sich die Viren befinden, eine wesentliche Rolle bei der Übertragung. Aerosole können in schlecht belüfteten Räumen mehrere Stunden in der Luft bleiben.

Forscher der Universität Amsterdam wollten deshalb wissen, wie sich das Risiko der Sars-CoV-2-Übertragung in Fahrstühlen effektiv senken lässt. Dafür simulierten sie zunächst das einmalige Husten eines Menschen in einer Fahrstuhlkabine mit einer Sprühdose, die auch die entsprechenden Aerosole abgab. Auch die Türen wurden wie bei einer normalen Aufzugfahrt für 10 bis 20 Prozent des Untersuchungszeitraums geöffnet und blieben für den Rest der Zeit geschlossen. Die Aerosole wurden mithilfe von Laserlicht sichtbar gemacht.

Fahrstuhltüren offen lassen

Das Forscherteam um Cees van Rijn sah, dass es 12 bis 18 Minuten dauert, bis alle schwebenden Partikel zum Boden gesunken sind. Blieb der Lift jedoch mit geschlossenen Türen stehen, dann dauerte es sogar bis zu 30 Minuten, bis sich die potenziell infektiösen Aerosole abgesenkt hatten. Das bedeutet, selbst ein leerer Lift könnte zur Infektionsfalle werden, wenn vorher ein mit Sars-CoV-2-Infizierter darin gesprochen, gehustet oder genießt hat. Auch wenn die Forscher angeben, dass man in diesem Fall zehn bis Tausende RNA-Kopien von Sars-CoV-2 pro Minute aufnehmen könnte, bleibt die Frage offen, ob das ausreicht, um sich wirklich zu infizieren. Denn bisher kann noch niemand sagen, ab welcher Virendosis man sich tatsächlich infiziert. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass eine höhere Dosis mit einem schwereren Verlauf von Covid-19 einhergeht.

Dennoch bestätigen die Forscher ein potenzielles Sars-CoV-2-Infektionsrisiko in Fahrstühlen. Durch das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen oder filternden Masken kann dieses Risiko gesenkt werden. Zudem sollte man in Aufzügen nach Möglichkeit nicht Sprechen, Husten oder Niesen. Aufzüge könnten vom Servicepersonal zudem so eingestellt werden, dass sie mit offenen Türen "warten". Diese Veränderung könne die Haltbarkeit der Aerosole auf zwei bis vier Minuten verringern, so die Forscher, deren Ergebnisse im Fachjournal "Indoor Air" veröffentlicht wurden.

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Auch durch die Belüftung der Kabinen könne man das Infektionsrisiko senken. Zum einen sollten Aufzüge auch bei Stillstand weiter belüftet werden, zum anderen könnte man die Richtung ändern. Bisher, so die Forscher, werde in den meisten Krankenhausaufzügen die Luft aus der Kabine in den Aufzugsschacht gesaugt, schreiben die Forscher in einer Mitteilung der Universität. Dreht man die Richtung einfach um, könnten die potenziell infektiösen Aerosole viel schneller zu Boden gedrückt werden.

Übrigens: Wer sich nun denkt, dass er der Infektion entgehen kann, indem er einfach die Treppe nimmt, der irrt. Treppenhäuser sind nicht weniger gefährlich. Denn es kommt weniger auf die Größe von Treppenhäusern und Fluren an, sondern vielmehr auf deren Belüftung, betonen Experten. Wer dennoch lieber läuft, der sollte auf das Anfassen des Geländers verzichten.

Quelle: ntv.de