Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 569 Wie lange gibt es noch Leben auf der Erde?

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Auf der Erde wimmelt es nur so von Leben. Doch wie lange noch?

(Foto: imago/blickwinkel)

Vor fast vier Milliarden Jahren entwickelt sich Leben auf der Erde. Trotz vieler katastrophaler Ereignisse kann es sich behaupten und weiterentwickeln. Aber irgendwann wird auch das Leben verschwinden. Doch wann ist es so weit?

Viele Katastrophen haben dem Leben auf der Erde in der Vergangenheit übel mitgespielt. Massenaussterben dezimierten große Teile der Tierwelt - der Einschlag eines Asteroiden etwa beendete die Existenz der Dinosaurier. Sternenexplosionen und Gammablitze sollen auch ihren Anteil gehabt haben. Aber niemals verschwand das Leben so ganz. Es erholte sich immer und wurde sogar vielfältiger als zuvor.

Fusion in der Sonne

Die Sonne ist der Grund dafür, dass sich Leben auf der Erde entwickeln konnte. Mit ihrer Strahlung ermöglicht sie Photosynthese bei Pflanzen, Algen und Baktieren. Die Energie dafür stammt aus einem Prozess im Sonneninneren, der Kernfusion. Bei ihr wird Wasserstoff zu schwererem Helium verschmolzen. Dabei wird Energie freigesetzt.

Doch irgendwann wird diese Entwicklung stoppen - das jedenfalls sagen Berechnungen von Forschern voraus. "In 600 Millionen bis 1,2 Milliarden Jahren wird das Leben auf der Erde verschwinden", sagt Werner von Bloh, Geophysiker vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, zu n-tv.de. Aber warum?

"Ursache ist die zunehmende Leuchtkraft der Sonne", weiß von Bloh. Im Inneren der Sonne sammelt sich Helium, ein Abfallprodukt der Fusion von Wasserstoff, durch die der Stern seine Energie erzeugt. Das Helium ist dichter als Wasserstoff und erhöht den Druck und damit die Temperaturen im Kern. Dadurch wird  der Fusionsprozess beschleunigt und mehr Energie freigesetzt. Diese trifft als Strahlung auf die Erde und lässt auch dort die Temperaturen steigen.

CO2-Gehalt der Atmosphäre sinkt

Die Erwärmung der Erde wiederum hat gravierende Auswirkungen auf den Anteil von Kohlendioxid (C02) in ihrer Atmosphäre. Denn je stärker die Sonne scheint, desto mehr C02 wird durch chemische Reaktionen mit Gesteinen aus der Luft abgebaut. Dieser Prozess wirkt auf einer geologischen Zeitskala von Millionen von Jahren - und hat in der Vergangenheit die globale Temperatur relativ stabil gehalten. Den derzeit von Menschen verursachten rapiden Anstieg von CO2 in der Atmosphäre kann er daher nicht stoppen.

Auch wenn heutzutage zu viel Kohlendioxid in der Atmosphäre eine der größten Sorgen der Menschheit ist, wird in ferner Zukunft der CO2-Gehalt durch die zunehmende Leuchtkraft der Sonne zu niedrig sein. "In etwa 600 Millionen Jahren wird die CO2-Konzentration der Atmosphäre unter dem Limit liegen, das für Photosynthese nötig ist", sagt von Bloh. Dann können Pflanzen nicht mehr überleben, die Nahrungsketten brechen zusammen. "Auch der Sauerstoff in der Atmosphäre würde ohne Pflanzen nicht mehr nachproduziert und wäre schnell verbraucht", sagt der Forscher. Tiere würden schlicht ersticken.

Aber auch ein etwas anderer Ablauf sei denkbar: Bliebe der CO2-Gehalt hoch genug, würden in 800 Millionen Jahren mehrzellige Lebewesen wie Säugetiere und Menschen den Hitzetod sterben. "Die durchschnittliche globale Oberflächentemperatur liegt dann bei etwa 30 Grad Celsius, also etwa doppelt so hoch wie heute", sagt von Bloh. Und sie würde weiter ansteigen: Weitere 500 Millionen Jahre später erwischt es auch die komplexeren Einzeller. In 1,6 Milliarden Jahren könnten wegen des dann definitiv zu niedrigen CO2-Gehalts der Atmosphäre auch keine Bakterien mehr überleben - die Erde wäre tot.

Ozeane werden verdampfen

Zudem dürfte ein weiterer Effekt dem Leben zusetzen: In 1,2 Milliarden Jahren wird es auf der Erde im Schnitt 60 Grad warm sein, wodurch viel Wasser der Ozeane verdampft und ein "feuchtes Treibhaus" entsteht. Hohe Luftschichten wie die Stratosphäre würden dann ebenfalls Wasserdampf aufnehmen, erklärt von Bloh. Dort würde UV-Strahlung der Sonne das Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff spalten und Letzterer ins All entweichen. "Die Erde verliert ihr Wasser an den Weltraum", so von Bloh. "Damit wäre die Oberfläche der Erde völlig trocken. Und ohne Wasser wäre Leben auf der Erde nicht mehr möglich."

So oder so: In etwas mehr als einer Milliarde Jahre wird das Leben auf der Erde aufhören zu existieren. Entstanden ist es hingegen bereits vor mehr als drei Milliarden Jahren - es geht somit in das Schlussviertel seiner Existenz.

Übrigens: Auch nach dem Verschwinden allen Lebens wird die Leuchtkraft der Sonne weiter zunehmen. In etwa sieben Milliarden Jahren wird sie vermutlich mehr als 2000 Mal so hell sein wie heute und sich zu einem Roten Riesen aufgebläht haben. Die Temperaturen auf der Erde dürften dann im Schnitt bei mehr als 2000 Grad Celsius liegen und Ozeane aus Lava die Oberfläche bedecken. Später wird die Sonne ihre Hülle verlieren und ihren Lebensabend als kleiner Weißer Zwerg antreten.

Quelle: n-tv.de

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