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Albert Uderzo und seine berühmteste Figur: Asterix.
Albert Uderzo und seine berühmteste Figur: Asterix.(Foto: dpa)
Dienstag, 25. April 2017

Asterix-Schöpfer Uderzo wird 90: "Ich bin ein Clown, der zeichnen kann"

Von Markus Lippold

"Niemand kennt die Seele von Asterix besser als ich", sagt Albert Uderzo. Eine Viertelstunde brauchten er und sein Mitstreiter Goscinny, um die berühmten Gallier zu erfinden. "Asterix" wurde zum Welterfolg - bis ein Todesfall alles veränderte.

Als Kind malte Albert Uderzo grüne Pferde und rote Bäume. Doch die ungewöhnliche Farbgebung war nicht avantgardistisch gemeint. Vielmehr leidet der Zeichner unter einer Rot-Grün-Sehschwäche. Doch er sah das schon früher nicht als Handicap, ließ sich nicht davon abhalten, weiter zu zeichnen. Uderzo brachte es sich selbst bei und wurde schließlich Comiczeichner, ohne je eine Kunstschule besucht zu haben.

Wo Asterix ist, kann Obelix nicht weit sein.
Wo Asterix ist, kann Obelix nicht weit sein.(Foto: imago/Hoffmann)

Der Erfolg gibt Uderzo recht: Die von ihm gezeichnete Serie "Asterix" gehört zu den meistverkauften Druckerzeugnissen der Welt. Mehr als 350 Millionen Exemplare gingen über die Ladentische, davon allein in Deutschland 120 Millionen. Die bisher erschienenen 36 Alben wurden in mehr als 100 Sprachen und Dialekte übersetzt. Doch diese Zahlen sind nur die eine Seite. Denn "Asterix" wurde darüber hinaus zu einer der einflussreichsten Comicserien der Welt, der Titelheld und sein Kumpel Obelix zu den bekanntesten Comicfiguren Europas.

Ob Kinder oder Erwachsene: Jeder kennt einen Satz oder eine Szene aus Alben oder Filmen, sei es ein Duell mit Cäsar, das Aufeinandertreffen mit Kleopatra ("diese Nase") oder die Abenteuer bei den Briten, denen sie ganz nebenbei den Tee brachten. Nahezu jeder kann sich mit der so simplen wie charmanten Grundstruktur identifizieren: Asterix und Obelix sind Symbole für den Kampf gegen die Mächtigen geworden, für den Sieg der Kleinen gegen die Großen, und sei die Lage noch so aussichtslos.

Oft wurden die mutigen Gallier mit ihrem Zaubertrank politisch interpretiert. Doch davon hält Uderzo nicht viel, auch wenn er sich im Klaren ist, dass er das nur noch bedingt beeinflussen kann. "Ich weiß inzwischen, das 'Asterix'-Leser in den Comics das sehen, was sie sehen wollen", sagte er einmal. Der Franzose mit italienischen Wurzeln will die Leser mit seinen Helden vor allem zum Lachen bringen. "Ich bin ein Clown, der zeichnen kann", fasste er das einmal zusammen. Seit seiner Kindheit verfolgt ihn dieser Traum vom Clown, dessen dicke, rote Nase ihn wohl auch zu seinen charakteristischen Knollennasen inspirierte.

Eine Viertelstunde bis zur Ewigkeit

Doch der Erfolg von "Asterix" kam erst nach etlichen Fehlschlägen. Er war die Folge einer lebenslangen Leidenschaft für Comics. Der am 22. April 1927 geborene Uderzo las wie viele Altersgenossen vor allem US-amerikanische Comics, vor allem die Hefte aus dem Hause Disney hatten es ihm angetan. Er träumte davon, einst für den Micky-Maus-Schöpfer zu arbeiten - bis er später von den Arbeitsbedingungen in der vermeintlichen Traumfabrik hörte. Einigen später weltbekannten Zeichnern erging es ähnlich. Sie zogen sogar in die USA, wie "Lucky Luke"-Schöpfer Morris oder "Spirou"-Zeichner André Franquin.

Auch René Goscinny arbeitete in den 40ern dort, um einen Fuß in die aufstrebende Trickfilmindustrie zu bekommen. Der Plan scheiterte - zum Glück. Denn Anfang der 50er-Jahre traf er in Paris auf Uderzo, der inzwischen erste eigene Comics vorgelegt hatte. Die beiden verstanden sich sofort und begannen, gemeinsam Comicserien zu konzipieren. Goscinny übernahm die Rolle des Autors und Dramaturgen, Uderzo zeichnete. So entstanden "Pitt Pistol", "Luc Junior" (der allzu sehr an "Tim und Struppi" erinnerte) oder der Indianer "Umpah-Pah". Keiner der Serien war eine lange Lebenszeit beschieden.

Mit dem kongenialen Rene Goscinny erfand Uderzo die mutigen Gallier.
Mit dem kongenialen Rene Goscinny erfand Uderzo die mutigen Gallier.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Anders "Asterix", der erstmals 1959 in dem neu aufgelegten Magazin "Pilote" erschien. Um die Entstehung des Galliers ranken sich Legenden. Da eine ursprünglich für das Heft geplante Serie nicht realisiert werden konnte, überlegten sich Uderzo und Goscinny nach eigenen Angaben innerhalb einer Viertelstunde neue Hauptfiguren: Asterix, Obelix und die anderen Bewohner des unbezwingbaren Dorfes waren geboren. Ursprünglich waren diese Superhelden mit menschlichen Schwächen als französisches Gegenwicht zu den US-Comics gedacht. Doch bald schon ging es den beiden Künstlern um ein universelles Thema - den Kampf gegen Ungerechtigkeiten.

Markante Nasen und Kloppereien

Das erklärt vielleicht auch den großen Erfolg der Serie über die Grenzen Frankreichs hinaus. Das hatte nicht nur mit Goscinnys Humor zu tun, der auf verschiedenen Ebenen sowohl Kinder als auch Erwachsene bediente, sondern auch mit Uderzos Zeichnungen. Er verpasste all seinen Figuren typische Merkmale, die sie bis hin zu den markanten Nasen unverkennbar machten. Zudem sprengte er immer wieder die klassische Aufteilung der Seiten. Typisch wurden Panoramen und Wimmelbilder etwa von den Kloppereien zwischen Galliern und Römern, die vor Details, Ideen und vor allem Slapstick strotzen. Hinzu kamen Anspielungen auf zeitgenössische Ereignisse oder berühmte Persönlichkeiten, die den Figuren ihre Gesichter liehen.

So ergänzten sich Goscinny und Uderzo optimal. Sie schafften mit "Asterix" sogar eine kleine Trendwende: Fortan war die französische Serie der Platzhirsch im Lande und löste damit erfolgreiche belgische Serien wie "Lucky Luke" und "Spirou" ab. So zeichneten sie Abenteuer um Abenteuer, die erst in "Pilote", später als Alben erschienen. Mitte der 70er gründeten beide zudem ein eigenes Trickfilmstudio und verfilmten erfolgreich ihre eigenen Comics.

1977 allerdings kam der große Schock: Goscinny, einer der produktivsten und erfolgreichsten französischen Comickünstler, starb völlig überraschend. Uderzo nannte das später einen "harten Schlag". Asterix sei gleichzeitig mit Goscinny gestorben, sagte er. Zunächst wollte er die Serie nicht weiterzeichnen. Die vielen Leserzuschriften änderten jedoch seine Meinung - er gründete einen eigenen Verlag und machte allein weiter. Ohne das schreiberische Talent seines langjährigen Mitstreiters war das allerdings schwer. Viele Fans kritisierten die neuen Abenteuer, die in immer größeren Abständen erschienen.

Beirren lassen hat sich Uderzo aber nie, auch wegen des anhaltenden finanziellen Erfolgs. Erst 2005 legte er sein letztes Album vor: "Gallien in Gefahr", das freilich teils verheerende Kritiken erhielt. Danach verkaufte er seine Anteile am eigenen Verlag und sicherte so, dass "Asterix" auch nach seinem Tod erscheinen kann. Ein neues Team legte bereits 2013 einen neuen Band vor: "Asterix bei den Pikten" wurde ein großer Erfolg, dem bald ein weiteres Abenteuer folgte und in diesem Jahr der 37. Band. Uderzo zog sich zurück, blieb aber Ansprechpartner und Berater. Denn wie sagte er einmal: "Niemand kennt die Seele von Asterix besser als ich."

Hinweis: Ursprünglich hieß es in dem Text, Goscinny sei bei einem Autounfall gestorben. Dies ist falsch, der entsprechende Abschnitt wurde geändert.

Quelle: n-tv.de

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