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Rama (Iko Uwais) ist der gerechte Held in dem rasanten Kampf-Spektakel von "The Raid".
Rama (Iko Uwais) ist der gerechte Held in dem rasanten Kampf-Spektakel von "The Raid".

Mehr Martial Art geht nicht: "The Raid": Härter als die Realität

Von Holger Preiss

Es gibt Martial-Arts-Filme, die sich weitab der Realität, in einer Welt abspielen, die voller Farben und Wunder ist. Nicht so in "The Raid". Regisseur und Drehbuchautor Gareth Huw Evans hat hier ein Werk geschaffen, das schneller, härter und realitätsnäher nicht sein kann. Zudem ist es eine Hommage an eine wunderbare Kampfkunst: das Pencak Silat.

Die Kampf-Szenen mit Mad Dog (Yayan Ruhian) (l.) sind atemberaubend.
Die Kampf-Szenen mit Mad Dog (Yayan Ruhian) (l.) sind atemberaubend.

Es gibt Martial-Arts-Filme die auf eine extreme Ästhetisierung der Kampfkunst setzen. Gerade wenn Chinesen und Amerikaner oder gar beide ans Werk gehen, wird in der Regel dem klassischen Kung Fu gefrönt, vielleicht noch die Spielart des Wushu eingebracht oder dem japanischen Karate gehuldigt. Aber ganz bestimmt wird auf das Geheimnisvolle all dieser Kampfkünste gesetzt. Das verleiht angeblich, wie eine bekannte koffeinhaltige Limonade, Flügel: Da schweben die Protagonisten über den Wipfeln der Bäume, machen die Kämpfer den Tiger, den Kranich oder eben den Affen. Ich bitte das nicht falsch zu verstehen. Die Kampfszenen sind bis aufs i-Tüpfelchen choreografiert. Die Bildsprache ist gewaltig und die Farben prächtig. Nur eben, dass sie im Großen und Ganzen den Bezug zur Realität verloren haben, lässt Freunde dieses Genres manchmal ungläubig den Kopf schütteln.

Spätestens mit seinem ersten "On-Bag"- Film schaffte der thailändische Kampfkünstler Tony Jaa eine neue Perspektive auf die asiatischen Kampfkünste. Zum einen richtete sich der Blick weg von China und Japan auf das kleine Thailand, wo eine Kampfkunst gepflegt wird, die sich Muay Thai nennt. Zum anderen wurde deutlich, dass diese Form des Kampfes, bei der Beine, Fäuste und Ellbogen benutzt werden, verpackt in realitätsnahe Kampfszenen, durchaus für ein Ah und Oh beim Publikum sorgen können, ohne dass überdrehte Computereffekte dafür herhalten müssen.

Schneller, härter, lauter

Wenn das Böse in die Hocke geht, sind die Chancen zu überleben gering.
Wenn das Böse in die Hocke geht, sind die Chancen zu überleben gering.

Mit dem Streifen "The Raid" hat der britische Filmemacher Gareth Evans jetzt ein Martial-Arts-Feuerwerk inszeniert, das an Realitätsnähe und Härte kaum zu überbieten ist. Dabei könnte die Story nicht einfacher sein: 20 Elite-Cops sind in der indonesischen Hauptstadt Jakarta angetreten, ein 30 Stöckiges Hochhaus einzunehmen. In dessen Mauern hat sich einer der größten Drogenbosse des Landes verschanzt. Bisher sind alle Polizeieinsätze kläglich an der Festung des Bösen gescheitert. Mit leisen Zweifeln, aber dem Mut der Unbestechlichkeit stürmt die Spezialeinheit die Verbrecherzentrale. Was sich für die blutjungen, aber gut ausgebildeten Cops am Anfang wie ein Spaziergang darstellt, wird im Laufe des Films zu einer wahren Höllenfahrt. Das Ganze wird flankiert von Korruption, Selbstherrlichkeit, Machtgier, Verrat und Bruderliebe und bildet das Gerüst der Geschichte.

Geballert wird hier als wäre der Krieg ausgebrochen.
Geballert wird hier als wäre der Krieg ausgebrochen.

Mit äußerster Brutalität und einem Kugelhagel, der wohl mit dem Ausstoß in Kriegsgebieten vergleichbar ist, wird gemeuchelt, dass die Schwarte kracht. Aber keine Bange, diese enorme Ballerei dient nur dazu, die Cops ihrer Schusswaffen zu berauben, damit sie dann zu dem in Indonesien favorisierten Kampfstil, dem Pencak Silat, zurückkehren. Und was die Protagonisten ab diesem Punkt abliefern, ist vom Feinsten. Nichts, was das Pencak Silat auszeichnet, wurde vergessen: blitzschnelle Wechsel von hohen und tiefen Ständen. Tritte von Kopf bis Fuß, Dreh-Kicks, exzellente Ellbogentechniken und Hebel. Am faszinierendsten sind aber die Kämpfe, die mit Messer, Stock, Tonfa und Machete ausgeführt werden. Präzise, sauber und immer an der richtigen Stelle dringen die Waffen in Gut und Böse ein.

Nichts für Zartbesaitete

Der mutmaßliche Spaziergang wird für die Cops zum Höllentripp.
Der mutmaßliche Spaziergang wird für die Cops zum Höllentripp.

Evans beschönigt hier nichts. Im Gegensatz zu den Farbeskapaden anderer Kampf-Kunst-Spektakel hüllt er seine Szenerie in Dunkelheit. Verpasst ihr somit den angemessenen Schmuddel-Look und eine beklemmende Atmosphäre. Keine Sekunde kann sich der Zuschauer sicher sein, dass das Gute über das Böse siegen wird. Real auch die Zeichnung der Kämpfer. Dort, wo Schläge oder Klingen treffen, entstehen Wunden. Die - und hier ist dann doch eine Überhöhung zu erkennen - knocken die Helden nur an, lassen sie aber immer wieder aufstehen. Getrieben vom Drang zu überleben und dem Willen, der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen.

"The Raid" ist ab 25. Januar 2013 als DVD oder Blu-ray erhältlich.
"The Raid" ist ab 25. Januar 2013 als DVD oder Blu-ray erhältlich.

Bei aller Liebe zu gemeinsamen Fernsehabenden sei hier erwähnt, dass die Altersbeschränkung FSK 18 für diesen Film ernst zu nehmen ist. Auch zartbesaitete Gemüter sollten sich fernhalten, denn eingesprungene Genickhebel, geborstene Leuchtstoffröhren im Hals oder Messer, die eine Kehle durchtrennen, sind in ihrer expliziten Darstellung nicht jedermanns Sache.

Der Spruch, den das Marketing für diesen Film prägte: "Gegen 'The Raid' wirkt 'The Expendables' wie ein Kindergeburtstag", hat durchaus seine Berechtigung. Für alle Kampfsportler, Kampfkünstler und Freunde des Genres ist der Film also ein Muss. Denn neben den Leistungen bezüglich der Kampftechniken sind die sportlichen Fähigkeiten der Kämpfer einzigartig. Jeder, der sich mit der Materie beschäftigt, wird das bestätigen.

Die schauspielerischen Leistungen hingegen sind für europäische Gemüter eher gewöhnungsbedürftig. Die asiatische Überzeichnung in Gestik und Mimik wirkt an einigen Stellen unfreiwillig komisch und wer die Botschaft in diesem Film finden will, der muss nicht sehr tief graben. Aber allein der Umstand, dass Regisseur Evans mit diesem Film einer extrem interessanten Kampfkunst ein Denkmal gesetzt hat, verpflichtet dazu, sich den Streifen als DVD oder noch besser als Blu-ray ins Regal zu stellen und vor allem anzusehen - gegebenenfalls auch mehrfach.

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Quelle: n-tv.de

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