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Kampfjets vom Typ "Rafale" (l.) und "Super Etendard" an Bord des Flugzeugträgers "Charles de Gaulle": Das Flaggschiff der französischen Marine bricht vom Stützpunkt Toulon aus zum Kampf gegen den IS auf.
Kampfjets vom Typ "Rafale" (l.) und "Super Etendard" an Bord des Flugzeugträgers "Charles de Gaulle": Das Flaggschiff der französischen Marine bricht vom Stützpunkt Toulon aus zum Kampf gegen den IS auf.(Foto: REUTERS)

Im Visier des "Islamischen Staats": Die Weltkarte des IS-Terrors

Von Martin Morcinek

Mit brutalem Terror versuchen Dschihadisten, der Menschheit einen neuen Weltkrieg aufzuzwingen: Die innere Kampfzone reicht von Algerien im Westen bis Pakistan im Osten. Anschläge wie in Paris sollen das "ferne Ausland" erschüttern.

Die Kampfansagen des "Kalifats" fordern nicht nur Frankreich, sondern gleich den halben Erdball heraus: Bislang herrscht die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) zwar lediglich über Gebiete in Syrien und dem Nordirak. Der Einfluss der radikalen Islamisten reicht jedoch weit über die Konfliktregion hinaus. In Staaten wie Ägypten, Libyen und Nigeria schlossen sich fanatische Islamisten der IS-Ideologie an und erklärten dem "Kalifat" ihre Gefolgschaft.

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Im Nordosten Ägyptens kontrollieren IS-Anhänger weite Teile der Halbinsel Sinai. In Libyen sind Bereiche an der Mittelmeerküste zwischen Sirte im Westen und Darna im Osten in der Hand des IS. In Nigeria kämpft die Terrorgruppe Boko Haram seit Jahren für einen radikalislamisch geprägten Staat.

Formell schlossen sich die Boko-Haram-Kämpfer im März 2015 dem "Islamischen Staat" an. In Konfliktstaaten wie dem Jemen und Afghanistan ringen IS-Aktivisten mit lokalen Al-Kaida-Ablegern um Macht und Einfluss. In Pakistan verfügen die Islamisten Geheimdienstinformationen zufolge über Rückhalt in den Stammesgebieten an der pakistanisch-afghanischen Grenze.

(Foto: n-tv.de / stepmap.de)


Im Visier des IS befinden sich zahlreiche Staaten. Die Vordenker der Terrororganisation unterscheiden dabei laut Analyse des US-Thinktanks "Institute for the Study of War"(ISW) zwischen einem Kerngebiet in der Levante und einem näheren Umkreis. Das Kerngebiet umfasst grob die Staatsgebiete des Libanon, Syriens, und dem Irak. Hier liegen Rakkah und Mossul, die Hochburgen des IS. Zum näheren Umkreis zählen Staaten wie Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan, Saudi-Arabien, Jemen, Ägypten, Sudan, Libyen, Tunesien, Algerien, Marokko, Mali und Nigeria.

Aggressive Expansion

Die Terrorstrategen beschränken sich jedoch nicht nur darauf, im näheren Umkreis IS-Netzwerke aufzubauen, um dort auf einen islamistischen Umsturz hinzuarbeiten. Nach Einschätzung der ISW-Experten zielt die Strategie des IS dabei darauf ab, auch die Staaten im "fernen Ausland" durch professionell geplante Terrorattacken zu erschüttern.

Zu dem erweiterten Kreis des "fernen Auslands" zählen neben dem Erzfeind der Dschihadisten, den USA, auch die US-Verbündeten Kanada, Großbritannien und Australien. Im Grunde genommen betrachten die Fanatiker all jene Staaten als "Kreuzzügler" und Gegner, die sich einer Expansion des "Kalifats" entgegenstellen könnten.

Im Visier der Dschihadisten

Damit werden Regionalmächte wie Russland, Indien und auch China zur Zielscheibe islamistischen Terrors. In der Ideologie des IS fallen zudem all jene Staaten in die Gruppe der "Feinde", die durch ihre freiheitliche Ausrichtung einer weltweiten Ausbreitung der IS-Ideologie im Wege stehen - im Prinzip also die gesamte 'freie Welt'.

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Mehrere Militärbündnisse treten der Bedrohung entgegen: Im Kampf gegen die Fanatiker haben die Vereinigten Staaten mehr als ein Dutzend Partner hinter sich versammelt. Die US-geführte Militärallianz fliegt seit über einem Jahr Luftschläge gegen IS-Stellungen. Zuletzt weitete die US-Luftwaffe das Engagement aus.

Deutschland nicht aktiv beteiligt

Zu der im September 2014 gegründeten Anti-IS-Allianz zählen Australien, Frankreich, Großbritannien, Jordanien, Kanada und Marokko. Bahrain, Katar, Saudi-Arabien, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate setzen ihre Streitkräfte nur gegen Ziele in Syrien ein.

Belgien, Dänemark, Italien und die Niederlande kämpfen nur gegen den IS im Irak. Deutschland beteiligt sich nicht aktiv an militärischen Aktionen, sondern unterstützt lediglich kurdische Kämpfer im Nordirak mit der Lieferung von Waffen, Ausrüstung und Munition.

Russland greift seit Ende September an der Seite des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad aktiv in den syrischen Bürgerkrieg ein. Luftschläge russischer Bomber sind dabei auch gegen Positionen der IS-Milizen gerichtet.

In Syrien und dem Nordirak selbst kämpfen syrische Regierungstruppen, syrische Rebellen und kurdische Kämpfer gegen den IS. Im Zentralirak gehen schiitische Stammeskämpfer unterstützt durch iranische Militärberater an der Seite der regulären irakischen Armee gegen die IS-Milizen vor.

Apokalyptische Vorstellungen

Ägypten kämpft mit Militär- und Polizeieinheiten im Sinai gegen IS-Anhänger. Zeitweise organisierte die Regierung in Kairo auch gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Staaten und libyischen Streitkräften Luftschläge gegen IS-Stellungen in Libyen. In Mali geht Frankreich seit mehr als zwei Jahren massiv gegen islamistische Kämpfer im Nordosten vor.

Im Osten Nigerias führen Anhänger von Boko Haram einen brutalen Kampf gegen die Zivilbevölkerung und das nigerianische Militär. Immer wieder schlagen die Islamisten dabei auch im angrenzenden Ausland zu. Davon betroffen sind vor allem Nigerias Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger.

Mit jeder Militäraktion kommen die Islamisten ihrem großen Ziel einen Schritt näher: Angst und Verunsicherung säen, Gesellschaften spalten, Militärmächte in den Krieg locken, nur um schließlich - in der Logik der Dschihadisten - die große Entscheidungsschlacht ihres "Heiligen Krieges" zwischen "Gläubigen" und "Ungläubigen" anzutreten.

Quelle: n-tv.de

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