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Flachland-Gaudi statt Gipfel Auf geheimen Wegen mit der BMW 1250 GS

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Wer auf den verschlungenen Wegen durch das Brandenburgische mit dem Motorrad fährt, der darf sich auf ein echtes Abenteuer gefasst machen.

(Foto: Markus Jahn)

Das GS-Ttreffen in Garmisch ist Geschichte. BMW hat es nach Berlin verlegt, eben dahin, wo die Motorräder auch gebaut werden. Aber heißt das, dass damit auch der Fahrspaß vorbei ist? Mitnichten! Es gibt Wege abseits der Straßen in Brandenburg, die die Herzen echter Abenteurer höher schlagen lassen. Und nicht nur das.

Manchmal möchte man glaube, die GS-Gemeinde, also diejenigen, die eine BMW 1250 GS fahren, wäre so eingeschworen wie die der Harley-Fahrer. Insofern verwundert es nicht, dass der Aufschrei laut und langanhaltend war, als die Bayern verkündeten, dass sie die BMW Motorrad Days von Garmisch-Partenkirchen, nach Berlin verlegen werden. Vom Gipfeltreffen also zum Flachland-Gaudi. Nun mag sich das in Garmisch gebotene Programm mit "Livemusik, actiongeladenen Shows sowie aktuellen Bikes und zahlreichen Weltneuheiten", wie es BMW verhieß, auch unter den Funkturm am Messegelände verlagern lassen, aber was ist mit dem Fahrspaß zum Veranstaltungsort? Keine Berge, keine Kurven, nur langweilig planes Land?

Fein gebettet und kulinarisch verwöhnt

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Hunderte Kilometer kann man hier unter der Führung von Eastmoto.de durch fast unberührte Landschaften zurücklegen.

(Foto: Markus Jahn)

Mitnichten! Zugegeben, die Berge wird man hier schmerzlich vermissen, doch Kurven gibt es einige. Aber mal ehrlich: Ist das eine Herausforderung für eine BMW 1250 GS? Das lässt sich mit jedem anderen Motorrad auch fahren und vielleicht sogar mit mehr Spaß. Spannend wird es doch erst, wenn man die Königin der Motorräder - jedenfalls was die Verkaufszahlen weltweit betrifft - im Gelände herausfordert. Und das heißt nicht, dass man das mindestens 17.750 Euro teure Stück in einem Steinbruch zerlegt, sondern dass der Fahrer seine GS, wenn er will, über hunderte Kilometer legal auf Wald- und Feldwegen von Berlin bis an die Ostsee oder in entgegengesetzte Richtung bewegen kann.

Ja, richtig gelesen: Es geht im Herzen Brandenburgs durch Wald und Sand, vorbei an wundervoll gelegenen Seen, durch tiefen Schlamm, hinein in die Stille und Einsamkeit der märkischen Sandbüchse. Der Selbsttest des Autors begann im "Haus Bikowsee", einer Anlage, die aus einem ehemaligen Kinderferienlager der DDR entstand und heute wunderschöne und liebevoll eingerichtete Ferienwohnungen, Zimmer und ein urgemütliches Ferienhaus bietet. Aufgebaut und geführt wird das alles mit dazugehörigem Restaurant von der Familie Däbel. Wer hier auf zwei oder auch auf vier Rädern einreitet und offen für die direkte Brandenburger Art ist, der wird nicht nur sanft gebettet, sondern bekommt neben kulinarischen Leckerbissen auch sehr unterhaltsame Geschichten vom Hausherrn, Sebastian Däbel zu hören.

170 Kilometer pro Tag auf geheimen Wegen

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Eine BMW 1250 GS kann eigentlich alles. Die Frage ist, ob der Fahrer hier mithalten kann.

(Foto: Markus Jahn)

Doch wir schweifen ab. Für die GS-Tour durch Wald und Flur haben die vier Jungs von Eastmoto.de, die die Offroad-Reisen anbieten und professionell führen, das "Haus Bikowsee" zu ihrem Hauptquartier erkoren. Von hier starten die Fahrten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Längen zwischen 120 und 170 Kilometern pro Tag querfeldein. Und Achtung, diese Strecken haben es in sich. Während man noch im "Geschwindigkeitsrausch" auf der "Waldautobahn", die von Kiefern, Feldern, Wiesen oder einem der unzähligen Seen gesäumt wird, dahingleitet, lauert hinter der nächsten Kurve lockerster märkischer Sand, der das Vorderrad zum Schwimmen bringt und den Fahrer auffordert, durch Gewichtsverlagerung mehr Druck aufs Hinterrad zu bringen. Oder man saust aus der Staubwolke des Vordermanns plötzlich in knietiefe Kuhlen, die das Motorrad in ozeangleichen Wellenbewegungen dahinfliegen lassen.

Der Witz: Diese BMW 1250 GS mit dem fetten Boxer, 136 PS und einem maximalen Drehmoment von 143 Newtonmetern kann das alles. Selbst dann, wenn der Fahrer die komplette Tour im Road-Modus absolviert, weil er so konzentriert ist, dass er vergessen hat, in den Enduro-Modus umzuschalten, der genau auf diesen Strecken der deutlich bessere gewesen wäre, aber auch nur als Sonderausstattung zu haben ist. Wer ihn hat, profitiert davon, dass das Ansprechverhalten des Motors auf Stollenbereifung ausgelegt ist. Gleichzeitig wird die ABS-Funktion für die Hinterradbremse abgeschaltet und das optionale Dynamik ESA auf maximale Traktion und optimales Durchschlagverhalten abgestimmt. Hinzu kommt, dass das Antischlupfkontrolle (ASC) deutlich mehr Schlupf zulässt.

"Learning by doing"

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Kurze Pause am See, in der der Autor einmal durchatmen kann.

(Foto: Markus Jahn)

Die Frage ist also nicht, was das Motorrad kann - die Frage ist, ob der Fahrer in der Lage ist, an der richtigen Stelle umzuschalten, die Gegebenheiten zu erkennen und das Motorrad und sich nicht im Nirgendwo zu versenken. Jetzt mag der eine oder andere sich fragen, ob es angesichts der durchaus anspruchsvollen Topografie nicht angesagt wäre, bei Eastmoto.de ein Enduro-Training zu buchen. Die Jungs haben da aber eine andere Philosophie und der Autor, der wirklich kein Offroad-Fahrer ist, sondern sich eher mit dem schnellen Naked Bike dem Asphalt zuneigt, kann die nur unterschreiben: "learning by doing".

Die größten Fortschritte finden beim Fahren statt. Das heißt nicht, dass alle aufs Motorrad steigen und dann ab durch die Pampa. Natürlich verraten die Guides ihre Tricks und geben Hinweise für das richtige Handling des Motorrads. Weisen auf die Blickführung hin und werden explizit erklären, wie man auf den Fußrasten zu stehen hat, um das Motorrad mit der Verlagerung des Gewichts in die gewünschte Richtung zu zwingen. Denn ein Fahren im Sitzen gibt es im Gelände nicht.

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Die richtigen Stiefel sind beim Offroad-Motorradfahren Gold wert, wie der Autor feststellen durfte.

(Foto: Markus Jahn)

Aber ja, und hier kann der Autor aus dem Nähkästchen plaudern, es darf auch mal umgefallen werden. In der Regel passiert das natürlich beim langsamen Fahren im Sand. Das Vorderrad stellt sich schräg, blockiert die Masse, die von hinten schiebt und dann gehen 240 Kilogramm im Zeitlupentempo Richtung Boden. Einer GS mit Sturzbügeln passiert auf dem weichen Untergrund gar nichts, aber der Fahrer sollte durchaus richtig gekleidet sein, wenn ihm dann, wie geschehen, der fette Boxer den Fuß einklemmt. Stiefel sind in jedem Fall ein Muss! Wer sich hier nicht in Motocross- oder Endurostiefel zwängen will, die den Träger abseits des Bikes auch beim Laufen ziemlich einschränken können, dem seien die vom Autor gefahrenen RST Pathfinder Boots ans Herz gelegt. Total bequem, super an Schalthebel und Bremse, wirklich sicher und mit 150 Euro auch noch bezahlbar.

Auf Wunsch höchste Herausforderungen

Aber das nur am Rande. Zurück zur Tour. Wem das jetzt alles noch nicht nach genug Abenteuer und Herausforderung klingt und wer der Meinung ist, er und sein Motorrad könnten viel mehr, der kann sich vertrauensvoll an die Jungs von Eastmoto.de wenden. Die werden mit Sicherheit Wege finden, die auch den härtesten Offroader ins Schwitzen bringen. Und wenn das nicht, dann sollten sie ihm wenigstens ein breites Grinsen unter den Helm zaubern. Zumal sich das Gelände je nach Witterung auch völlig verändern kann. Wo eben noch tiefer Sand und jede Menge Staub war, sind nach dem Regen nur noch Pfützen und Schlamm. Denn im Brandenburger Sand läuft das Wasser nicht einfach ab, es steht und jetzt wird die Fahrt auf dem Zweirad zur echten Herausforderung.

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Auch das Schloss Rheinsberg lag auf der Strecke.

(Foto: Markus Jahn)

Einmal mehr, weil dann auch die alten Panzerstraßen, vergessene Ortsverbindungen oder Landwirtschaftswege sich in ihren Eigenschaften völlig verändern und den Fahrer erneut an ganz andere Grenzen bringen, die am Ende zu Erfahrungen und Vermögen werden. Und nicht vergessen: Das alles wird immer gesäumt von einer Landschaft, die es in dieser Weise nirgendwo in Deutschland gibt. Irgendwie kann man da auch die fehlenden Berge verschmerzen. Denn zwischen all diesen wilden Wegen liegen nicht nur Berlin, Potsdam, die Müritz, die Oder, Mecklenburg und die Ostsee, sondern in Summe auch geschmeidige Anfahrtswege. Aus der Hauptstadt sind es angenehme 1,5 Stunden, von Hamburg braucht man das Doppelte und von Düsseldorf oder München müssen sechs Stunden eingeplant werden.

Aber am Ende des Tages, und das versprechen nicht nur die Jungs von Eastmoto.de, sondern auch der Autor, wird sich die Reise gelohnt haben. Landschaftlich, kulinarisch und vor allem, was das Fahren abseits öffentlicher Straßen betrifft. Aber Achtung, wer jetzt versucht ist, nach Brandenburg zu reisen, um hier wild durch die Landschaft zu heizen, dem muss als letztes der Zahn gezogen werden. Auch auf den wilden Wegen gelten Regeln, gilt es auf die Pflanzen und Tiere achtzugeben und nicht die Natur plattzumachen.

Quelle: ntv.de

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