Praxistest

Der ist mal richtig schnell NIU MQi GT EVO - Grenze für E-Roller verschoben

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Der NIU MQi GT EVO ist nicht nur schnell, er ist auch sehr leicht zu handhaben.

(Foto: Holger Preiss)

Roller sind im Trend und Elektroroller immer mehr im Kommen. Insofern ist es mehr als erfreulich, dass der chinesische Hersteller NIU mit der vierten Generation des MQi einen GT EVO bringt, der tatsächlich mehr als 100 km/h schnell werden kann. Außerdem gibt es neue, sehr smarte Features für den E-Flitzer.

Als der chinesische E-Roller-Hersteller NIU auf der Motorradmesse EICMA im vergangenen November den MQi GT EVO vorstellte, ging schon ein andächtiges Raunen durch die Menge. Geschuldet war das dem Umstand, dass der Stromer nicht nur 100 Kilometer weit fahren soll, sondern auch bis zu 100 km/h schnell wird. Damit und mit dem Umstand, dass der Roller von seinem knapp 7 PS leistenden Radnabenmotor in nur 3,3 Sekunden auf Tempo 50 schießt, verschiebt NIU die Grenzen dessen, was bis dato für Elektroroller möglich war.

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Drei Fahrmodi mit unterschiedlichen Endgeschwindigkeiten stehen beim Fahren eines NIU MQi GT EVO zur Verfügung.

(Foto: Holger Preiss)

Und um es gleich vorwegzunehmen: Die Daten sind nicht ausgedacht, die funktionieren auch in der Realität. Sogar so gut, dass der MQi GT EVO in der Spitze sogar 112 km/h fuhr und sich einige Auto- und Motorradfahrer im falschen Film wähnten. Nicht so der MQi-Fahrer, der für den schnellen Ritt bewusst den Fahrmodus Sport gewählt hat. Wer es nicht ganz so eilig hat, wählt Dynamik, dann wird der Roller nur 75 km/h schnell, oder Eco, dann fährt man lediglich 45 km/h und spart beim Stromverbrauch. Das reicht natürlich auch für den Stadtverkehr, macht aber lange nicht so viel Spaß, denn die Beschleunigung kann, wie schon erwähnt, beachtlich sein.

Bitte mehr Schräglagenfreiheit

Mit der vierten Generation, die sich nicht nur schneller und mit einem überarbeiteten Äußeren präsentiert, wurde auch das Fahrwerk und die Dämpfer den neuen Ansprüchen angepasst. Das heißt, dass der E-Roller mit seinen 14-Zoll-Rädern auch bei den hohen Geschwindigkeiten sehr stabil und lenkbar bleibt. Selbst spontane Bewegungen machten dem NIU im Test in diesem Geschwindigkeitsbereich nichts aus.

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Der NIU MQi GT EVO fährt natürlich mit LED-Licht an Front und Heck.

(Foto: Holger Preiss)

Auch die Scheibenbremsen scheinen an die neuen Anforderungen angepasst worden zu sein. Vielleicht könnten sie sich etwas besser dosieren lassen, aber im Ernstfall greifen sie so kraftvoll zu, dass der 128 Kilogramm schwere E-Roller auch kurzfristig zum Halten gebracht werden kann. Einziges fahrtechnisches Manko ist die Platzierung des eingeklappten Hauptständers. Der verhindert nämlich eine der Geschwindigkeit entsprechende dynamische Schräglage in den Kurven. Hier muss man wirklich aufpassen, das Kratzen des Ständerfußes am Boden als Warnung nehmen und den Roller schnell wieder aufrichten. Andernfalls könnte es für Fahrer und Gefährt unangenehm werden.

Fein gepolstert, aber kurz gefedert

Unangenehm ist auch die Fahrt über Kopfsteinpflaster, denn kurze und schnell aufeinander folgende Stöße kann das Federwerk des NIU dann doch nicht ausgleichen. Hier fängt er an wie das bockige Zicklein zu springen und überträgt sämtliches Unheil der Straße in die Arme des Fahrers. Die rückwärtigen Dienste bleiben davon weitgehend unbehelligt, denn die Sitzbank des NIU ist sehr komfortabel aufgepolstert.

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Mit bis zu 100 Kilometern Reichweite ist der NIU MQi GT EVO im Segment der Elektroroller ein echter Langläufer.

(Foto: Holger Preiss)

Leider hat der Sozius nicht allzu viel von dem weichen Polster, denn er kämpft mit den etwas kleinen und ergonomisch unsinnig geformten Aufstellflächen für seine Füße. Die muss er nämlich immer etwas nach innen drehen, was auf längeren Strecken zu einer unnatürlichen Verdrehung der Knie führt. Das ist schade, denn der MQi GT EVO kann mit seinen zwei 72V-26aH-Batterien auch mit zwei Personen nahezu 100 Kilometer weit stromern. Sind die aber abgespult und die Akkus leer, muss der Roller an die heimische Steckdose. Denn nur hier sind die entsprechenden Stromwandler und vier Kabel, die es braucht, um die Akkus wieder auf Stand zu bringen. Start und Ziel der Ausfahrt mit dem NIU muss also immer die heimische Dockingstation sein. An der braucht es dann gut vier Stunden, bis die nächsten 100 Kilometer abgespult werden können.

Schick und smart

Außerdem sollte man bei seinen Ausritten mit dem E-Roller keinen größeren Staubedarf haben. Dort, wo nämlich gemeinhin in einem Roller im besten Fall sogar ein Integralhelm Platz findet, nämlich unter der Sitzbank, befinden sich die zwei jeweils 14 Kilogramm schweren Akkus. Und der Haken an der Innenverkleidung ist ehrlich gesagt nicht dazu geeignet, Dinge, die auf dem Trittbrett stehen, nachhaltig festzuhalten.

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Die zwei Akkus des NIU MQi GT EVO sind unter der Sitzbank verstaut und wiegen jeweils 14 Kilogramm.

(Foto: Holger Preiss)

Schick und smart sind hingegen eine Reihe neuer Funktionen, die NIU dem MQi GT EVO mitgegeben hat. Da wäre zum einen eine schlüssellose Zündung, die sich über eine Fernbedienung im Schlüssel aktivieren lässt, und ein elektrisches Anti-Diebstahl-Lenkradschloss. Über die App, über die sich wie gehabt auch navigieren lässt, kann jetzt das neue TFT-Farn-Dashboard individuell in drei Varianten angepasst werden. Alle drei sehen schick aus und unterscheiden sich vor allem durch die Farbe und die Anordnung der Daten, wie Akkustatus, Fahrmodus, Geschwindigkeit und Reichweite.

Fahren kann man den NIU MQi GT EVO allerdings nur mit einem A1-Motorradführerschein oder dem Zusatz im Autoführerschein, der sich aus der Schlüsselzahl B196 ergibt. Dafür muss man aber mindestens 25 Jahre alt sein und seit fünf Jahren den Führerschein der Klasse B haben. Und der NIU MQi GT EVO will finanziert sein. Denn mit einem Anschaffungspreis von 4999 Euro ist der Stromer schon im Segment der preisintensiven E-Roller anzusiedeln.

Quelle: ntv.de

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