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Ian Fleming, Vögel und Jamaika Der Spion, der Bond erfand

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Britisch bis in die Fliegenspitze: Ian Fleming, hier im Jahr 1962, als der erste Bond-Film in den Kinos startete.

(Foto: AP)

Klar, die Filme von James Bond kennt jeder. Aber wer ist Ian Fleming, der Mann, der 007 erfand? Sein Leben als Journalist und Agent lieferte schließlich so einige Inspirationen für die Bond-Romane, in die man getrost mal einen Blick werfen sollte. Und wann traf Fleming eigentlich James Bond - den echten James Bond?

Den großen Erfolg der James-Bond-Filme erlebte er nicht mehr. Ian Fleming, der Autor der Romane und Erfinder des Agenten mit der Nummer 007, starb im August 1964, etwa einen Monat vor der Premiere des dritten Films der Reihe: "Goldfinger". Fleming war erst 56 und sein Todestag war der 12. Geburtstag seines Sohnes Caspar.

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Die Bond-Romane wurden mittlerweile weltweit mehr als 100 Millionen Mal verkauft.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Allerdings kam der Herzinfarkt, der das Leben des Briten beendete, auch nicht von ungefähr. Fleming war Zeit seines Lebens ein starker Raucher und Trinker und litt unter Herzproblemen. Arm an Spannung und Abenteuern war sein Leben auch nicht gerade. Irgendwoher musste er schließlich seine Inspirationen für die insgesamt zwölf Bond-Romane und eine Handvoll Kurzgeschichten nehmen. Und tatsächlich basieren die Werke zum Teil auf eigenen Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg oder zumindest auf Begebenheiten, von denen Fleming als Spion der britischen Marine hörte.

Rauchen, Trinken, Abenteuer - das sind nicht die einzigen Parallelen zwischen Autor und Hauptfigur. Auch in Beschreibungen von Aussehen und Eigenheiten Bonds finden sich immer wieder Aspekte von Flemings Persönlichkeit, bis hin zu den Marken der Toilettenartikel, die beide benutzen. Aber schließlich war es auch Flemings erklärtes Ziel, seine eigenen Agentenerfahrungen in einem Roman zu verarbeiten.

Wegen Frauengeschichten aus Eton verbannt

Spion - das wurde der am 28. Mai 1908 geborene Ian Lancaster Fleming aber nur durch Zufall. Zwar genoss er als Spross einer reichen und angesehenen Familie (der Vater war bis zu seinem Tod im Ersten Weltkrieg Parlamentsabgeordneter) eine Ausbildung am Eton College und an der Militärakademie Sandhurst, zwei Kaderschmieden der britischen Elite. Doch keine der beiden schloss er ab: Mit seinem Lebenswandel und vor allem seinen Frauengeschichten eckte Fleming mehrmals an. Immerhin erlernte er mehrere Sprachen, besuchte eine Privatschule in Kitzbühel und studierte in München und Genf.

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Fleming (l.) und 007-Darsteller Sean Connery bei den Dreharbeiten zum zweiten Bond-Abenteuer "Liebesgrüße aus Moskau".

(Foto: AP)

Flemings Hoffnung auf eine anschließende Anstellung im britischen Außenministerium zerschlug sich jedoch, weil er die Aufnahmeprüfung nicht bestand. So arbeitete er zunächst bei der Nachrichtenagentur Reuters, für die er unter anderem von einem Schauprozess in Moskau berichtete und fast Stalin interviewt hätte, der sich dann aber handschriftlich bei Fleming für seine Absage entschuldigte. Ab 1933 wurde er schließlich Börsenmakler - als Enkel des schottischen Bankgründers Robert Fleming kommt auch das nicht von ungefähr. Doch all diese Tätigkeiten brachten nicht den gewünschten Erfolg. Nebenbei tröstete er sich immerhin mit einigen Affären in der gehobenen britischen Gesellschaft.

Erst im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs rückte Fleming seinem eigentlichen Ziel näher: Er wurde persönlicher Assistent von John Godfrey, dem Chef des Geheimdienstes der britischen Navy. Da wundert es nicht, dass später auch Romanheld Bond Mitglied der Marine ist. An vorderster Front war Fleming - anders als sein berühmter Schützling - freilich nicht tätig. Vielmehr konzipierte und plante er verschiedene Aktionen von Spezialeinheiten wie der 30 Assault Unit oder der T-Force. Eine der erfolgreichsten Operationen, an der Fleming beteiligt war, hieß übrigens Golden Eye.

"Casino Royale" entstand in zwei Monaten

Kein Wunder also, dass Fleming auch sein Haus auf Jamaika Golden Eye nannte. Er hatte die Insel während einer seiner Dienstreisen, die ihn bis in den Fernen Osten führten, schätzen gelernt - heute heißt dort ein Flughafen nach ihm. Nach dem Krieg verbrachte er seine Winter in der Karibik - die drei Monate Urlaub waren sogar in seinem Arbeitsvertrag bei der "§Sunday Times" festgeschrieben. Nicht zuletzt heiratete er auf Jamaika. Die Ehe mit Ann Charteris, einer langjährigen Geliebten, hielt jedoch beide nicht von zahlreichen Affären ab.

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Fleming schrieb nicht nur harte Agententhriller. Dieses Gedicht verfasste er für eine Krankenschwester, die ihn gepflegt hatte.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Aber Fleming nutzte die Zeit auf Jamaika auch, um eine Idee, die er seit dem Krieg mit sich rumtrug, in die Tat umzusetzen: Er begann, Spionageromane zu schreiben. Innerhalb von zwei Monaten entstand so 1952 "Casino Royale", der erste Bond-Roman. Obwohl sich der Verlag seines Bruders, eines Reiseschriftstellers, anfangs sträubte, das Buch zu veröffentlichen, wurde es ein Erfolg mit insgesamt drei Auflagen. Neun Kurzgeschichten und elf weitere Romane über den Agenten folgten - darunter mit "From Russia with Love" eines der Lieblingsbücher von John F. Kennedy. Mit "Tschitti-Tschitti-Bäng-Bäng" legte Fleming auch noch ein Kinderbuch vor, das 1968 unter anderem mit Gert "Goldfinger" Fröbe verfilmt wurde.

Der Erfolg der Bond-Bücher kommt an den der Verfilmungen freilich nicht heran - Kritiker warfen Fleming teilweise Snobismus, Sexismus und Sadismus vor. Im Vergleich zu den Agentenromanen von John le Carré um den britischen Spion wirken Flemings Bücher wiederum heldenhafter und optimistischer, vor allem aber unrealistischer. Und auch die heutige Bond-Lektüre lebt vor allem von der Aura und den Bildern der Filme. Nun können auch deutsche Leser wieder beide Varianten miteinander vergleichen, denn der Verlag Cross Cult bringt die 14 Bond-Bücher in neuer und erstmals ungekürzter Übersetzung heraus. Das Projekt Bond-Bibliothek dauert bis März 2014 - die ersten drei Bücher sind aber bereits im Handel erhältlich, mit der schönen Covergestaltung des Briten Michael Gillette.

Baccara statt Poker

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"Casino Royale", der erste Band der Bond-Bibliothek, erscheint bei Cross Cult als Taschenbuch, hat 240 Seiten und kostet 11,80 Euro (D).

(Foto: Promo / Cross Cult)

Die Bände erscheinen chronologisch in ihrer ursprünglichen Folge - den Anfang macht also "Casino Royale", der zwar bereits 1954 als (gefloppter) US-Fernsehfilm und 1967 als Kinosatire verfilmt wurde, aber als "echter" Bond-Film erst 2006 erschien. Wer den Roman nun erst nach der Verfilmung liest, legt bald den Vorbehalt ab, das Buch sei eine veraltete Variante des Actionspektakels mit Daniel Craig. Ganz im Gegenteil: Schnell macht sich Erstaunen breit, dass der Film der Handlung nur wenig hinzufügen muss. Wer sich davon abschrecken lässt, dass er jene Handlung durch die Filme ja bereits kenne, sei ebenfalls beruhigt: Die Bücher bieten nicht nur neue Details und decken neue Seiten bei Bond auf, sie sind auch eine überaus spannende Lektüre, die den Leser schnell fesseln.

Natürlich muss man Flemings Werke dabei als Zeitzeugnis der 50er und 60er Jahre lesen. Im Roman "Casino Royale" ist der Gegenspieler ein sowjetischer Agent und kein Finanzier weltweiter Terroristen wie im Film von 2006 - der Kalte Krieg ist in Flemings Romanen eben viel stärker präsent als in den letzten Filmen. Und das Spiel, zu dem Bond seinen Konkurrenten Le Chiffre herausfordert ist das in den 50er Jahren noch populäre Baccara, nicht das heute allseits beliebte Poker. Schließlich entsprechen auch viele Umgangsformen Bonds - vor allem mit Frauen - den Wertvorstellungen der Zeit, als Fleming den Roman schrieb: "Warum zum Teufel schicken die mir eine Frau?", regt sich Bond etwa über seine Kollegin auf und fügt an: "Halten die das für ein verdammtes Picknick?" Der ironische Ton späterer Filme, der die teils sexistischen Anmerkungen abschwächt, fehlt dabei.

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Gestatten: Bond. James Bond - Ornithologe und Namensgeber für 007.

(Foto: AP)

Andererseits ist der Roman "Casino Royale" in der Darstellung von Gewalt keineswegs sanfter als der aktuellere Film. Die Folterszene, bei der Bond nackt am Unterleib traktiert wird, ist im Buch zum Beispiel kaum weniger blutig und brutal. Stattdessen ist der masochistische Aspekt sogar noch stärker ausgeprägt. Keine Frage also: Die Bond-Bücher sind für Fans des Agenten ein Muss - auch heute noch. Aber selbst, wer kein Riesenfan von 007 ist und sich nicht jede Wiederholung im Fernsehen anschaut, dürfte in den Romanen noch einige neue Aspekte entdecken. Nüchterne Sprache und rauer Ton entsprechen dabei übrigens weit mehr den harten Filmen mit Daniel Craig als den ironisch-süffisanten Streifen mit Roger Moore.

Womit wir auch schon bei einer vieldiskutierten Frage angelangt wären: Woher nahm Fleming die Inspiration für seinen Agenten? Der Autor selbst sagte, sie seien eine Mischung aus eigenen Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg sowie Personen, denen er begegnete, und natürlich einer gute Portion Phantasie - schließlich unterschied sich die politische Gemengelage der 50er von der des Weltkriegs. Als eines der Vorbilder für Bond gilt neben Agenten, die Fleming bei der Navy kennenlernte, auch sein Bruder Peter. Doch selbst die ersten Verfilmungen mit Sean Connery hatten ihren Einfluss: In danach geschriebenen Romanen bekam Bond schottische Wurzeln verpasst.

Inspiration durch die Vogelwelt der Karibik

Inhaltlich sind die Inspirationen vielfältig: Sie reichen von eigenen Erlebnissen Flemings beim Geheimdienst bis zu Operationen aus dem Zweiten Weltkrieg, von denen er hörte. So findet sich die Jagd der Alliierten nach der Nazi-Dechiffriermaschine Enigma in "Liebesgrüße aus Moskau" wieder - die russische Maschine heißt hier Spektor. Hinzu kommen Flemings Erfahrungen an Spieltischen verschiedener Kasinos und offenbar auch eine Vorliebe für gutes Essen und gute Drinks. Zu "Diamantenfieber" wurde Fleming wiederum durch eigene Recherchen für einen Artikel über Diamantenschmuggel inspiriert. Nicht zuletzt prägten ihn die Aufenthalte auf Jamaika: Die Karibik ist immer wieder Anlaufpunkt für Bond, zum Beispiel im ersten Film von 1962. Die Romanvorlage zu "Dr. No" wurde übrigens von der Kritik verrissen und führte bei Fleming zu einer Schaffenskrise.

Apropos Karibik: Die Herkunft des Namens "James Bond" gilt als ziemlich gesichert. Fleming übernahm diesen von einem gleichnamigen US-Ornithologen, der ein Standardwerk über die karibische Vogelwelt herausgebrachte. Der Frau des echten Bond schrieb Fleming, der selbst Vögel beobachtete, dass ihm der Name "so gewöhnlich wie möglich" erschien: "kurz, unromantisch, angelsächsisch und vor allem maskulin" - was wiederum dem nüchternen Ton seiner Romane entspricht. Fleming und James Bond trafen sich allerdings erst 1964 persönlich. Es war das Jahr, in dem "Goldfinger" herauskam - und Fleming starb.

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"Leben und sterben lassen" und "Moonraker" sind ebenfalls bereits erhältlich. Alle Bücher der Bond-Bibliothek erscheinen auch als E-Book.

Einen Überblick über die Bond-Bibliothek und Leseproben gibt es auf den Seiten des Verlages.

Quelle: n-tv.de