Unterhaltung

1. TV-Interview mit Schröder-Kim "Ich beneide Deutschland um die Einheit"

Aus Liebe zur Literatur lernt sie Deutsch. Für das Studium zieht sie nach Deutschland. Soyeon Schröder-Kim spricht mit RTL über ihr Leben hier und ihre Hoffnungen für Korea.

Bevor die Dreharbeiten beginnen, blickt die zierliche Südkoreanerin in den Spiegel. Die Länge ihres Haarponys gefällt ihr nicht. Soyeon Schröder-Kim erkundigt sich, ob noch etwas Zeit wäre, dann greift sie beherzt zur Schere und schneidet sich mutig selbst die Haare. "Das mache ich immer so", erklärt sie kurz. "Ich arbeite viel und habe keine Zeit, alle paar Tage einen Friseur aufzusuchen." Auf ihren Wunsch geht es in das Brücke-Museum am Rande des Berliner Grunewalds. Es sei eine kleine Oase, in die sie schon früher ging, wenn sie beruflich in Berlin war, erklärt die Ehefrau von Alt-Kanzler Gerhard Schröder.

Schröder-Kim ist Dolmetscherin. Sie hat Germanistik studiert und übersetzte auf internationalen Konferenzen. Sie spricht Koreanisch, Deutsch, Englisch und kann, wie sie sagt, "Small-Talk auf Japanisch" führen. Mit nur 22 Jahren entscheidet sie sich, ihre Heimat Seoul zu verlassen und in Deutschland zu studieren. Die Inspiration lieferte der Autor Hermann Hesse. Sie habe den Ehrgeiz gehabt, den Roman "Demian" ganz zu lesen. Als junge Frau hätte sie nicht alles verstanden, aber die Liebe zu Deutschland wurde immer größer.

"In meiner Brust schlagen zwei Herzen"

Das Ehepaar Schröder lebt heute in Hannover, Berlin und Seoul. Die Entfernung von knapp 8300 Kilometern nach Seoul sieht die Südkoreanerin nicht als Problem: "Ich pendle diese Strecke und führe mein Leben, versuche Berufs- und Privatleben in Harmonie zu bringen. Mein Leben hat sich insofern verändert, dass meine Arbeit nicht mit dem Bus oder Taxi erreichbar ist." Auch nach der Hochzeit mit dem Schröder arbeitet die inzwischen 51-Jährige weiter. In Seoul führt sie ihr eigenes Dolmetscherbüro und bezeichnet sich als Wirtschaftsmanagerin. Inzwischen arbeitet sie von Deutschland aus und begleitet ihren Mann auf Termine.

Auf die Frage, ob sie sich zu einem der beiden Land mehr hingezogen fühle, antwortet Schröder-Kim: "In meiner Brust schlagen zwei Herzen, ein deutsches und ein koreanisches." Wenn sie auf die Teilung ihres Landes blickt, erklärt sie: "Erst einmal beneide ich Deutschland um die Wiedervereinigung und natürlich ist es etwas sehr Besonderes für Koreaner, weil wir immer noch geteilt sind." Dass Korea diesen Schritt vollziehen kann, hält sie nicht für ausgeschlossen. "Ich glaube, eine Wiedervereinigung ist eine großartige, historische Erfahrung. Glauben und Hoffen sollte man nicht aufgeben", sagt sie sichtlich berührt.

Deutsche Weihnachten sind eine andere Dimension

Nach dem Besuch im Brücke-Museum steht ein Bummel auf dem Weihnachtsmarkt mitten in Berlin auf dem Gendarmenmarkt an. Ihre Liebe zu Glühwein hat Schröder-Kim bereits angedeutet: "Glühwein schmeckt und duftet einfach wie Weihnachten." Doch ehe sie das Museum verlassen kann, bittet die Leitung darum, dass sie sich in das Gästebuch des Hauses einträgt.

Schröder-Kim nimmt den Stift und schreibt feinsäuberlich in das Buch, bedankt sich für die Gastfreundschaft. Dann wiederholt sie die deutschen Zeilen in koreanischer Schrift. Ohne zu zögern, fließen die Zeichen auf das Papier. Am Ende unterschreibt sie mit "Soyeon Schröder-Kim" und setzt erst ganz zum Schluss die Punkte über das ö.

Quelle: n-tv.de