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Vor dem Essen können Berliner nun - ohne lange Wege - nochmal  ...
Vor dem Essen können Berliner nun - ohne lange Wege - nochmal ...(Foto: dpa)
Donnerstag, 09. Februar 2012

Kochen & Kunst = Klasse: Jüdische Mädchenschule eröffnet

Hier kommt der Autor hin

Es gibt einen neuen Fresstempel in der Hauptstadt. In China fällt ein Sack Reis um, mögen sich einige jetzt denken, aber hier wird mehr geboten als Kulinarisches in schickem Ambiente. Hier darf die Geschichte weiter leben, sie wird nicht verdrängt.

... einen Blick auf Kunst & Kultur riskieren.
... einen Blick auf Kunst & Kultur riskieren.(Foto: dpa)

Auguststraße in Berlin - allein die Erwähnung des Namens treibt so einigen Berlinern und Berlin-Kennern das Wasser in die Augen, denn wo anders lässt es sich so herrlich flanieren? Gleichzeitig schick und abgeranzt, teuer und immer noch innovativ, mit Blick in die Zukunft und doch geschichtsträchtig. Und jetzt mit einer Location, deren Name allein schon hellhörig macht: Jüdische Mädchenschule.

Aber weder wird dort besonders viel gelehrt werden (es sei denn, man bezeichnet das Leben an sich schon als Schule), noch wird es sich nur um Mädchen handeln, die demnächst in Scharen in die Auguststraße 11-13 pilgern werden. Ein Ort der Begegnung wird das - und zwar weit ab von dem sonst so spießigen Beigeschmack, den "Orte der Begegnung" so mit sich bringen.

Nach der einjährigen Sanierung ist aus den damaligen Klassenzimmern ein neuer spannender Ort für Kunst und koschere Esskultur geworden.
Nach der einjährigen Sanierung ist aus den damaligen Klassenzimmern ein neuer spannender Ort für Kunst und koschere Esskultur geworden.(Foto: picture alliance / dpa)

Das Galerienviertel in Berlin-Mitte bekommt den Zuwachs, den man sich wünscht: In die ehemalige jüdische Mädchenschule, die 1927/28 von Gemeindearchitekt Alexander Beer entworfen wurde, ziehen mehrere Kunsthäuser ein, darunter Ableger der Galerien Eigen + Art, Camera Work - somit erhält die Privatsammlung "me Collectors Room" ein paar Häuser weiter endlich wieder Unterstützung. Galerist Michael Fuchs nutzt die Aula des denkmalgeschützten Hauses, und die Betreiber des Szene-Restaurants "Grill Royal", Jessica Paul, Stephan Landwehr und Boris Radczun, eröffnen in der ehemaligen Turnhalle den "Pauly Saal". Dort wird Koch Siegfried Danler saisonale deutsche Küche servieren. Nebenan gibt es in "The Kosher Classroom" - logisch - koscheres Essen. Freitags steht ein traditionelles Sabbat-Dinner auf dem Menü. In einem Deli sollen Pastrami und andere Spezialitäten verkauft werden. Das lange leerstehende Haus war 2006 einer der Schauplätze der Berliner Kunst-Biennale.

Bilderserie

Und wer Angst hat, dass der alte Charme verloren gegangen sein könnte, kann sich ab sofort vom Gegenteil überzeugen. Denkmalschutz wurde groß geschrieben, und so finden sich alte Kacheln, alte Bilder und alte Gefühle neben neuen Böden, neuer Kunst und der Vorfreude auf die Belebung eines geschichtsträchtigen Ortes, der eine bessere Zukunft vor sich hat als Vergangenheit. Denn von hier aus wurden Sammeldeportationen in Konzentrationslager vorgenommen (auch Architekt Beer kam 1944 im KZ Theresienstadt ums Leben), nach der Schließung durch die Nazis in den 40er Jahren wurde der Ort in der DDR wieder zur ursprünglichen Schule, in den Neunzigern "endgültig" geschlossen  - und nun zu einem Haus für Kunst und Esskultur, wie Galerist Michael Fuchs es nennt.

Quelle: n-tv.de