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"Rache muss sein" ist ein "Dreckslied" Frei.Wild-Text bleibt ungesühnt

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Fans strömen zum Frei.Wild-Konzert im März in Berlin.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit Langem wird der Deutschrock-Gruppe Frei.Wild vorgeworfen, völkisches und nationalistisches Gedankengut zu bedienen. Ein Prüfverfahren zum Jugendschutz gegen eines ihrer Lieder scheitert - die Bundesprüfstelle findet den Text im Internet nicht.

Die Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Medien (BPjM) hat ein Indizierungsverfahren gegen einen Song der umstrittenen Deutschrock-Band Frei.Wild eingestellt. Grund sei, dass die in einem Prüfauftrag des thüringischen Sozialministeriums genannten Internetseiten nicht mehr abrufbar seien, sagte die BPjM-Vorsitzende Elke Monssen-Engberding in Bonn. "Und wenn keine Texte da sind, können wir auch nicht prüfen." Inhaltlich habe man sich deshalb gar nicht mit dem umstrittenen Song befasst.

Anlass des Prüfauftrags der thüringischen Sozialministerin

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Bei Protesten im April 2013 gegen die Rockgruppe Frei.Wild im ostfriesischen Aurich.

(Foto: picture alliance / dpa)

Heike Taubert war die Anfrage des Journalisten Thomas Kuban, der den Südtirolern vorwirft, in ihren Texten Hass zu verbreiten und Gewalt zu verherrlichen. Kuban, der seit Jahren unter diesem Pseudonym aus der rechten Szene berichtet, hatte bundesweit Behörden wegen einer möglichen Jugendgefährdung durch die Band aus Brixen angefragt.

Tauberts Sprecher Uwe Büchner bestätigte, dass ein in dem Prüfauftrag genanntes Frei.Wild-Video bei Youtube und ein Songtext auf der Homepage der Südtiroler Band zwischenzeitlich vom Netz genommen wurden. In beiden Fällen habe es sich um den Song "Rache muss sein" gehandelt. "Wir überlegen, wie wir weiter vorgehen." Kuban äußerte sich enttäuscht. "Wenn die Bundesprüfstelle ein bisschen googeln würde, könnte sie Medien mit dem fraglichen Lied problemlos finden und entsprechende Prüfverfahren realisieren." Die Arbeitspraxis sei "an Absurdität kaum mehr zu überbieten".

Burger distanziert sich von dem Lied

Frei.Wild weist indes alle Vorwürfe von sich. "Alle Tonträger wurden ja schon von Gutachtern überprüft und als bedenkenlos eingestuft", sagt Frontmann Philipp Burger, ein ehemaliger Skinhead, der seine frühere Zugehörigkeit zur rechten Szene heute als Fehler bezeichnet. Im genannten Fall "Rache muss sein" räumt er allerdings Fehler ein. "Ich muss sagen, der Song ist aus heutiger Sicht ein Dreckslied, mit dem wir uns überhaupt nicht mehr identifizieren wollen."

Dem Verkaufserfolg der Gruppe schadet die Diskussion um ihr angeblich völkisches Liedgut nicht. Das neue Album "Still" schaffte es laut Media Control von null auf eins in die deutschen Album-Charts.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa

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