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Colin Wilkie & Shirley Hart Aktuelles aus den 70ern

Wenn heute jemand von Hannes Wader oder Reinhard Mey spricht, erinnert sich kaum jemand daran, dass am Beginn der Karriere dieser zwei bedeutenden deutschen Liedermacher ein Paar stand, das die jungen Hüpfer damals bei den legendären Burg-Waldeck-Festivals zu ihren Höhenflügen inspirierte. Nun hat sich das Pläne-Label entschlossen, zwei der wichtigsten Vinylalben des im Schwabenlande ansässigen englischen Duos Colin Wilkie & Shirley Hart auf einer CD zu veröffentlichen.

Ehre, wem Ehre gebührt. Auch wenn es auch schon recht lang her ist, dass die LPs Anfang der siebziger Jahre im Ludwigsburger Tonstudio Bauer aufgenommen wurden, sie klingen verdammt aktuell. Da sind zum Beispiel "Where Were You At The War" oder "The Soldier’s Song" oder "Portland Town" aus der Feder von Derrol Adams. Sicher, nicht so bekannt und erfolgreich wie "The Universal Soldier" von Donovan oder "Masters Of War" von Bob Dylan. Aber nichtsdestoweniger gut und aussagekräftig. Oder auch "The Family Of Man", die Menschheitsfamilie, die ihrer Meinung nach immer größer wird. Tag für Tag. Stimmt nicht ganz. Leider. Aber John Lennons "Imagine" ist nicht weniger schön utopisch.

Nicht nur politisch engagiert kommen Wilkie & Hart daher: "Sunflowers" besingt das berühmte Motiv ihres Lieblingsmalers Vincent van Gogh. Oder das "Wizard-Of-Oz"-hafte "The Märchengarten", in dem man den ganzen Tag verbringen kann, Riesen begegnet, Burgen findet und Dornröschen trifft. In der Aufnahme ist übrigens auch der damals fünfjährige Sohn der beiden zu hören, der wohl nicht zufällig den Vornamen des niederländischen Expressionisten trägt. Nicht zu vergessen Pete Seegers wundervolles "The Bells Of Rhymney", dem die Byrds mit ihrer Version schon ein Denkmal setzten.

Manchmal klingen Colin Wilkie und Shirley Hart wie die Seekers, die Ende der Sechziger/Anfang der Siebziger herrliche Folksongs einspielten und damit zwischen Australien und Britannien so manchen Hit landeten. Wilkie und Hart hätte man diesen Erfolg auch von Herzen gegönnt.

Manfred Bleskin

Quelle: n-tv.de