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"Karl Lagerfeld ist unglaublich nett" Ayo ist Freude auf zwei Beinen

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Hauptsache unterwegs - so könnte man das Leben der Sängerin Ayo beschreiben.

Universal Music

Mit "Down on My Knees" gelang ihr weltweit der Durchbruch, nun legt Ayo mit "Ticket To The World" nach. Der Titel hat zwar einen traurigen Hintergrund, im Gespräch mit n-tv.de ist die Laune der Sängerin aber mehr als gut. Und Geheimnisse verrät sie auch.

Der Name Ayo bedeutet Freude - und diese strahlt die 33-Jährige auch aus. Das neue Album der deutsch-nigerianischen Soul-Sängerin - mit vollem Namen Joy Olasumibo Ogunmakin - bietet einen bunten Mix aus Soul, Reggae, Pop, Folk und Hip Hop, der von Eindrücken aus Orten rund um die Welt beeinflusst wurde. Auch ein Filmproduzent hat das Talent der coolen, selbstbewussten und unabhängigen Frau mittlerweile entdeckt. Oft wird die Sängerin als Soul-Nomadin bezeichnet und das zu Recht: Ihr Leben ist eine einzige große Reise. Auch das Gespräch mit uns in Berlin ist für Ayo nur ein kurzer Zwischenstopp in ihrem vollen Terminkalender. Spaß hat sie trotzdem, das laute Lachen der zweifachen Mutter steckt an.

Ayo: Oh Gott, der Flug nach Berlin war so schlimm. Wir sind richtig durchgeschüttelt worden - dieser Sturm!

n-tv.de: Du Arme, ich habe da auch immer Angst. Zug fahren ist viel entspannter.

Das stimmt! Das mache ich auch meistens. Nachher geht’s auch nach Paris wieder mit dem Zug.

Gute Idee! Aber kommen wir zu deiner Musik. Dein neues Album "Ticket To The World" ist letzte Woche erschienen. Der Song "Who" hat eine besondere Geschichte.

Ja. "Who" ist ganz zum Schluss entstanden, die Platte war eigentlich schon längst fertig aufgenommen. Das Mischen war schon fertig, sie sollte nur noch zum Mastering (Endbearbeitung der Stücke). Aber dieses Lied wollte ich unbedingt auf dem Album haben. Ich habe die Plattenfirma angerufen und gefragt, ob der Song noch drauf kann, aber sie meinten nur: Nein, die Platte ist fertig. Daraufhin habe ich das Lied mit meinem Handy aufgenommen und an den Boss der Plattenfirma geschickt - er hat sein Okay gegeben. Die Aufnahme musste dann so schnell wie möglich gehen.

Wie kam es zu der Entstehung des Songs?

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Dass Ayo auch als Model eine gute Figur macht, ist nicht zu übersehen.

(Foto: Kate Berry)

Ich war alleine zu Hause, meine Kinder waren nicht da, es war später Nachmittag und draußen war apokalyptisches Wetter. In dieser Situation habe ich "Who" geschrieben. Alles, was ich in dem Lied sage, die Antworten auf die Fragen - "Wo kann ich hinrennen? Wem kann ich vertrauen?" – findet man nicht im Lied. Denn ich habe an diesem Nachmittag gemerkt, dass man nur sich selbst vertrauen kann. Man muss lernen, alleine zu sein, unabhängig zu sein.

"Who" ist ein sehr persönliches Lied, aber du hast auch viele politisch kritische Texte. Was ist die Kernmessage deines Albums?

Auf meinem Album gibt es mehrere Messages, weil ich viele Geschichten aus dem Leben erzähle, das Leben mich am meisten inspiriert. Vor allem mache ich Musik, um Dinge zu verarbeiten. Die Hauptmessage bei meinem neuen Album ist aber sozialkritisch. Es heißt "Ticket To The World", weil meine Tante in Nigeria vor acht Monaten an Leberkrebs gestorben ist. Ich habe versucht, sie für die Therapie nach Frankreich zu holen, das hat aber nicht geklappt, weil sie kein "Ticket To The World" hat - in ihrem Fall war das der Pass, sie hat keinen. "Ticket To The World" heißt also, mit dem richtigen Pass geboren zu sein. Jeder, der in Deutschland oder in Europa generell geboren wird, hat den Luxus dieses "Tickets". Jeder, der will, kann hart arbeiten und sparen, auch wenn er in ärmeren Verhältnissen geboren ist. In Nigeria funktioniert das nicht - aus diesem Grund ist meine Tante gestorben.

Weil die medizinische Versorgung in Nigeria nicht ausgereicht hat.

Genau, in Nigeria gibt es nicht die Mittel wie in Deutschland oder Frankreich. Die Ausreise wurde ihr verweigert. Für mich war das wirklich ein Schock, ich hätte nicht gedacht, dass sie so schnell stirbt.

Ich habe bei dem Titel "Ticket To The World" natürlich auch direkt ans Reisen gedacht, von dem traurigen Hintergrund wusste ich nichts. Aber trotzdem kann ich ja fragen: Reist du viel?

*Datenschutz

Ja, auf jeden Fall. Mein ganzes Leben besteht aus Reisen. Und ich liebe es. Mir war lange nicht bewusst, dass das eigentlich ein Luxus ist, so viel reisen zu können. Ich meine nicht die teurenTicketpreise. Heute kann man ja sowieso nicht mehr spontan sein. Spontan heißt mittlerweile, sechs Monate vorher die Tickets zu buchen (lacht). Es gibt nichts besseres, als neue Sprachen zu lernen, neue Kulturen kennenzulernen und neue Gewürze zu riechen und zu schmecken.

Welche Sprachen sprichst du denn?

Deutsch, Englisch, Französisch, Japanisch, Chinesisch, Spanisch, Türkisch … nein, Quatsch. (lacht laut) Das sage ich immer aus Spaß. Das ist mein Lieblingspart. Also die ersten drei sind die Wahrheit. Yoruba, eine der vielen Sprachen in Nigeria, kann ich verstehen, aber ich spreche sie ungern. Das hört sich bei mir an wie Japanisch. (lacht) Ich würde es gerne perfekt sprechen.

Schade, dass ich nicht vom Radio oder Fernsehen bin, dann könntest du mal was auf Yoruba sagen.

Ja, Mist. (lacht)

Bist du denn auch gerne zu Hause, oder bist du rastlos?

Ich bin sehr selten zu Hause, gerade in letzter Zeit. Wenn ich dann mal dort bin, ist es zum Aus- und wieder Einpacken meiner Sachen, dann geht es wieder weiter. Ich fahre morgen auch wieder nach Paris, packe, und abends steige ich in den Bus und die Tour geht los. Zwischendurch muss ich noch kurz meine Tochter in Köln abholen, dann gehen wir zusammen auf Tour.

Deine Tochter kommt also immer mit?

Ja, meine Tochter, sie ist erst drei, nehme ich immer mit. Mein Sohn war bis zu seinem siebten Lebensjahr auch immer dabei, aber er muss jetzt leider in die Schule. Er geht in Köln auf die Friedensschule. Das ist zum Glück nicht so weit von Paris entfernt.

Ist das ein Internat?

Nein, er wohnt bei seiner Oma, der Mutter seines Vaters.

Wie schon erwähnt, lebst du in Paris. Was hat dich dort hin verschlagen?

*Datenschutz

Schicksal. Es gibt Dinge im Leben, die passieren einfach so. Meine beste Freundin ist Designerin und sie hat mich vor Jahren mal gefragt, ob ich für ihre Fashion Show modeln könnte. Ich sollte in ihrer Mode, mit meiner Gitarre im Arm, ein Lied spielen. Ich habe Ja gesagt, kam dann aber viel zu spät und habe schließlich auf der Aftershow-Party ein kleines Konzert gespielt. Da hat mich jemand gesehen und gefragt, ob ich noch mehr Konzerte in Frankreich spielen wollen würde. Weil ich Lust darauf hatte, bin ich einfach dort geblieben. Zu dem Zeitpunkt habe ich gerade in London gelebt, da habe ich dann alle Zelte abgebrochen.

Du hast grade vom Modeln gesprochen. Machst du das häufiger?

Nein, das ist bei mir die totale Katastrophe, denn ich bin der tollpatschigste Mensch, den es gibt. Das ist für niemanden gut, wenn man mich als Model nutzen will. Ich habe das nur gemacht, weil es meine beste Freundin war. Ich habe zwar danach noch ein paar Mal gemodelt, aber das war eher "celebrity-mäßig". Für Chanel habe ich mal ein paar Aufnahmen für ein Kindermagazin mit meiner Tochter gemacht.

Das sagst du so beiläufig, aber Chanel ist ja kein kleiner Name.

Die haben mich von Anfang an sehr unterstützt. Das Coole ist, dass sie dort echt supernett sind, was man gar nicht glauben würde, wenn man die Marke hört. Die mögen Musik, die mögen Kunst und auch Karl Lagerfeld ist unglaublich nett.

Ach, den kennst du also auch persönlich?

Ja. Karl hat auch ein Foto für ein Chanel-Buch von mir gemacht (Anm. d. Red.: Dass Ayo in diesem Buch neben Stars wie Yoko Ono, Uma Thurmann, Kirsten Dunst und Kanye West abgelichtet ist, erwähnt sie nicht). Darauf sehe ich schrecklich aus, trage ungefähr zwei Meter hohe Schuhe und sehe wie eine 60-jährige Kreuzung aus Grace Jones und Michelle Obama. (lacht) Solche Modelgeschichten machen mir auch Spaß, aber das mache ich nur nebenbei.

Wenn du so viel unterwegs bist, kannst du dann auch spontan drei Lieblingsorte nennen?

Jamaika, New York und Paris.

Schön, dass du dort jetzt gelandet bist.

Ja! (lacht)

Dein Vater stammt aus Nigeria. Hast du dort auch mal gelebt? Hast du eine enge Bindung an das Land?

Als ich klein war, habe ich ungefähr zweieinhalb Jahre dort gelebt. Dann mussten wir wieder zurück nach Deutschland, denn die Situation war zu der Zeit, es war in den 80ern, nicht stabil. Auch heute ist sie noch nicht stabil – in der Politik gibt es ein dauerndes Hin und Her. Ich reise aber ab und zu nach Nigeria, mit meinem Sohn war ich schon dort, wir haben meine Oma besucht. Das letzte Mal ist mittlerweile schon wieder vier Jahre her, denn ich komme grade nicht dazu.

Einige Termine deiner Tour wurden wegen eines Filmprojekts verschoben.

Ja, ich spiele die Hauptrolle in einem fiktionalen Drama.

Kino oder Fernsehen?

Kino. Es spielt zehn Tage nach dem Erdbeben. Ich spiele eine Ehefrau, die aus einer sehr wohlhabenden Familie kommt, aber alles verliert. Es geht letztendlich darum, dass die bestehende Hierarchie durch die Naturkatastrophe verschwindet. Zusätzlich wird ihr Adoptivkind vermisst, niemand weiß, ob es noch lebt oder nicht. Mehr darf ich aber nicht verraten.

Auf welches Erdbeben bezieht es sich denn?

Haiti. Da wird es auch gedreht.

Ok, das passt ja auch zu deiner Hautfarbe. Denn ich habe gerade an Japan gedacht, aber das wäre etwas komisch gewesen.

Nein, Japan nicht. (lacht)

Gute Maske.

Genau. Alles ist möglich heutzutage. (lacht) Post-Production! (lacht)

Gibt es ein Geheimnis über dich, das noch niemand kennt?

Ja, sehr viele. Aber die muss ich ja für mich behalten, sonst sind es ja keine Geheimnisse mehr. (lacht)

Ach, aber eins kann man doch mal verraten.

Na gut, eine Sache, die keiner von mir weiß. (lange Pause) Ich bin riesiger Fan von Britney Spears … Nein, das war nur ein Scherz. (lacht) Also im Ernst: Ich habe früher mal New Kids On The Block gehört. (lacht) Ich war ein echter Fan von denen.

Mit Ayo sprach Saskia Nothofer

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Ende Mai 2014 geht Ayo in Deutschland auf Tour:

22.05. Köln, Kulturkirche
24.05. Hamburg, Mojo Club
25.05. München, Freiheiz
26.05. Berlin, Lido (verschoben vom 28.04.)

Quelle: n-tv.de

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