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"Immer noch total überwältigt" Robbie Williams brachte Ronan Keating zum Weinen

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Plante ein Soloalbum - doch heraus kam eine Kooperation mit verschiedenen Künstlern: Ronan Keating.

(Foto: imago images/AAP)

1993 startete er seine Karriere mit Boyzone, 1999 stürmte er mit "When You Say Nothing At All" die Charts - nun bringt er als Solokünstler sein zehntes Album heraus. Ronan Keating kann auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Im Gespräch mit ntv.de spricht der Ire über "Twenty Twenty", sein neues Baby und verrät, wie Robbie Williams es schaffte, ihn zum Weinen zu bringen.

ntv.de: Du bist im März zum fünften Mal Vater geworden, gratuliere! Wie überstehst du die Corona-Krise mit dem neuen Baby?

Ronan Keating: Um ehrlich zu sein, bisher lief alles sehr gut. Wir verbringen viel Zeit zu Hause, das ist wirklich etwas Besonderes. Die letzte Woche war ein bisschen stressig, wir sind in ein neues Haus gezogen, das war ein bisschen anstrengend, alle Kisten zu packen und wieder auszupacken. Aber den Kindern geht es großartig und alles ist in Ordnung. Jetzt mit dem Release wird es wieder chaotisch, ich verlasse zum ersten Mal das Haus, um viele Promo-Termine wahrzunehmen und Interviews zu führen - auch im Fernsehen, was nach vier Monaten "Nichtstun" seltsam ist.

Zu Pandemie-Zeiten ein Album fertigzustellen, ist sicherlich auch eine Herausforderung …

Zum Glück haben wir das meiste vor dem Lockdown fertiggestellt. Das Album sollte im April erscheinen, aber wir haben beschlossen, es auf Juli zu schieben.

Ist "Twenty Twenty" so geworden, wie du es dir ursprünglich vorgestellt hattest?

Nein, überhaupt nicht. Ich kam nach der Boyzone-Abschiedstour zurück nach Hause und habe mich sehr darauf gefreut, mich wieder in die Arbeit zu stürzen und an einem Soloalbum zu arbeiten. Rein zufällig ist daraus ein kooperatives Album geworden, das war während des Schreibprozesses noch gar nicht geplant. (lacht) All diese unglaublichen Künstler und ich haben es irgendwie geschafft, in Kontakt zu treten und wir haben diese Platten zusammen gemacht - Robbie Williams, Shania Twain, Emeli Sandé, Ed Sheeran, unglaublich ...

Wie laufen solche Kooperationen ab? Gehen Künstler gezielt auf andere Künstler zu oder kümmert sich das Management um mögliche Duettpartner?

Normalerweise ist es Künstler zu Künstler. Manchmal schreibst du ein Lied und hörst es dir an und denkst: "Ich würde gerne diese bestimmte Stimme auf dieser Platte hören." Das war auch mit Clare Bowen so. Meine Frau und ich haben die TV-Serie "Nashville" gesehen, wir lieben die Show und wir lieben die Stimme ihrer Figur Scarlett O'Connor (Bowen spielt in der US-Serie eine Country-Sängerin, Anm. d. Red.). Ich erinnere mich, als ich das Lied schrieb, dachte ich, dass es toll wäre, Bowen im Song "Love Will Remain" zu hören. Sie hat eine Dolly-Parton-artige Stimme. Also habe ich sie auf Social Media angeschrieben und sie hat sofort zugesagt. Es war einfach wunderbar, ein sehr organischer Prozess.

Wie du bereits erwähnt hast, ist auch Robbie Williams mit von der Partie. In "The Big Goodbye" verarbeitet ihr den Tod des Boyzone-Frontmanns Stephen Gately. Der Song muss eine große Bedeutung für dich haben, oder?

Ja, natürlich. Robbie hat sich letzten Oktober bei mir gemeldet - am 10. Oktober, um genau zu sein. Das war Stephens zehnter Todestag, was immer noch schwer zu glauben ist. Ich kam gerade von einem Fernsehauftritt mit Boyzone nach Hause, als ich eine E-Mail von Robbie bekommen habe, in der stand: "Hey Mann, ich habe vergessen, dass ich dieses Lied in der Woche geschrieben habe, in der Stephen starb. Ich habe dich heute im Fernsehen gesehen, als du über Stephen gesprochen hast, also dachte ich, ich schicke dir den Track." Ich stand mit einem Glas Wein in der Küche und Tränen liefen mir über das Gesicht, als ich die Aufnahme hörte. Es war sehr emotional. Also haben wir uns zusammengetan und den Track kreiert, wie er jetzt zu hören ist. Ich bin sehr stolz darauf und wirklich glücklich, dass Robbie sich gemeldet hat. Es ist eine Ehre, ihn auf dem Album zu haben.

"Twenty Twenty" könnte man fast als Best-of-Album bezeichnen: Neben deinen neuen Songs hast du auch einige deiner größten Hits von früher mit eingebaut. Wie bist du darauf gekommen?

Wie gesagt, eigentlich wollte ich ein Soloalbum machen. Ich habe darüber nachgedacht, nach der Boyzone-Tour eine Zeit in der US-Stadt Nashville zu verbringen, um dort an neuen Songs zu schreiben. Aber als mir auffiel, dass es fast 20 Jahre her war, dass "When You Say Nothing At All" veröffentlicht wurde, dachte ich, dass ich diese lange Zeit wirklich hervorheben sollte. Und anstatt ein Greatest-Hits-Album zu machen, um 20 Jahre Solokarriere zu feiern, habe ich mich entschlossen, ein paar alte Songs noch einmal neu aufzunehmen. Gleichzeitig wollte ich auch neue Songs schreiben, die sich anfühlen sollten, als wären sie schon immer da gewesen. Das hat sich einfach richtig angefühlt. Ich bin immer noch total überwältigt - nicht nur, weil ich diese begnadeten Künstler auf meiner Platte habe, sondern auch, weil die Songs so klasse geworden sind. Ich kann es kaum erwarten, dass alle sie hören.

Du wolltest deine Fans mit dem Mix aus alt und neu also nicht auf einen baldigen Abschied vorbereiten? Schließlich hast du seit drei Jahren auch eine eigene Radioshow namens "Magic Breakfast".

Nein, nein, nein, definitiv nicht. (lacht) Ich werde auf jeden Fall weitermachen, ich liebe, was ich tue!

Wie ist es dazu gekommen, dass du einen zweiten Karriereweg eingeschlagen hast?

*Datenschutz

Ich habe eigentlich schon immer Radio gemacht, ich war immer involviert wegen all der Interviews, die ich gemacht habe. Geplant war der Schritt nicht, es fühlte sich eher an wie eine natürliche Entwicklung. Die Frühstücksshow geht jeden Morgen von 6 bis 10 Uhr. Wir führen Interviews, legen Musik auf, spielen Spiele, führen Wettkämpfe - das macht so viel Spaß!

Waren deine Kollegen nicht überwältigt, so einen berühmten Kollegen zu haben?

Nein, ich kenne Harriett, meine Ko-Moderatorin, schon sehr lange. Es hat ein bisschen gedauert, mich an die Arbeit zu gewöhnen, aber es hat sofort viel Spaß gemacht mit ihr.

Zurück zu deinem Album: Deine Tour musste Corona-bedingt abgesagt werden. Wie sieht dein Plan für die Zeit nach der Pandemie aus?

Die britische Regierung lockert derzeit stückweise die verhängten Corona-Maßnahmen, Konzerte im Freien sind schon wieder erlaubt. Das ist ein großer Schritt! Und sie sagen, dass Veranstaltungen ab September wieder drinnen stattfinden können. Wenn das klappt, sind wir im Januar wieder auf Tour. Ich bete zu Gott, dass es klappt. Ich freue mich so darauf, endlich wieder arbeiten zu können! Dann können wir die Tour hoffentlich weiter ausbauen und im Februar oder März auch nach Deutschland kommen. Geplant war eigentlich eine Welt-Tournee.

Es ist erstaunlich, dass du schon seit fast 30 Jahren durchgehend erfolgreich bist - und das ohne größere Skandale. Keine Drogen, keine Exzesse, keine Schlägereien ... Das können nicht viele deiner Kollegen aus der Musikindustrie von sich behaupten. Was hast du besser gemacht als sie?

Jeder hat seine Momente, in denen er etwas öffentlich durchmachen muss, auch ich. Aber ich habe sehr hart gearbeitet und tue es weiterhin. Ich kümmere mich um meine eigenen Angelegenheiten, ich mische mich nicht in das Leben anderer Leute ein und lasse mich auch nicht zu sehr auf die Promi-Welt ein. Dafür halten meine Familie und meine Freunde mich sehr geerdet. Es ist wichtig, sich mit Leuten zu umgeben, die keine Ja-Sager sind, sondern immer ihre ehrliche Meinung sagen. Wer zu weit geht, muss das auch zu hören kriegen.

Habt ihr euch bei Boyzone auch immer gegenseitig die Meinung gesagt?

Ja, wenn man in einer Band ist, muss das sein, man muss sich aufeinander verlassen können und einander Halt geben. Wir kommen aus Dublin und haben irische Familien, deswegen sind wir nie wirklich abgehoben.

Ist das eine irische Eigenschaft?

Ja, das glaube ich, das ist eine Qualität.

Apropos Familie: Deine beiden ältesten Kinder haben den Großteil deiner Karriere miterlebt. Was halten sie von deiner Musik?

Sie lieben, was ich tue und sie können es wertschätzen! Meine Kinder sind wirklich unglaublich. Mein Sohn Jack hat mir beim Remix von "Life Is A Rollercoaster" geholfen. Ich habe mich an seinem Musikgeschmack orientiert, weil es schwer war, den Track zu remixen. Ich schätze ihre Meinung sehr.

Auch deine Tochter Missy ist in deine Fußstapfen getreten. Sie ist als Schauspielerin aktiv und versucht sich als Sängerin. Du selbst hast mit 16 Jahren weltweit Berühmtheit erlangt. Wie stehst du zu ihrer Berufswahl im Showbusiness?

Missy ist 19 Jahre alt, Jack ist 21 - sie machen schon ihr eigenes Ding und studieren, schließlich sind sie viel älter als ich zu Beginn meiner Karriere. Ich wusste mit 16 nicht, ob ich Erfolg haben würde mit Boyzone und davon leben könnte - ich wollte es, aber ich wusste es nicht. Sie werden schon sehen, wohin der Weg sie führen wird.

Ist schon irgendein gemeinsames Projekt mit Missy geplant?

Bisher nicht, aber ich sage niemals nie. Kinder gehen ihren eigenen Weg und das ist auch in Ordnung so. Sie dabei zu unterstützen, ist alles. Und eines Tages mit ihr gemeinsam zu arbeiten, wäre wunderschön!

Könntest du dir vorstellen, noch einen neuen Weg einzuschlagen?

Ich würde gerne wieder mehr schauspielern! Ein paar Filme habe ich ja schon gemacht. Vor dem Lockdown war schon ein Projekt in Planung, das wurde jetzt erst mal auf Eis gelegt. Darüber kann ich aber noch nicht viel erzählen, es wird wahrscheinlich noch etwas dauern, bis es wieder in Angriff genommen wird ...

Mit Ronan Keating sprach Linn Rietze

Das Album "Twenty Twenty" ist ab sofort erhältlich.

Quelle: ntv.de