Panorama

Mehr Probleme durch Pandemie Gewalt in Familien hat wohl zugenommen

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Die "Nummer gegen Kummer" wurde 2020 rund 15 Prozent häufiger kontaktiert als noch 2019.

(Foto: picture alliance / Bildagentur-online/Tetra-Images)

Während der Lockdown anhält, steigt der Stresspegel in den Familien. Durch die andauernde psychische Belastung nehmen die Fälle familiärer Gewalt offenbar deutlich zu. Das beobachten Kinderschutzhotlines und das Sorgentelefon. "Die Luft wird dünner", warnt auch der Gründer des Kinderprojekts Arche.

In der Corona-Pandemie hat die Gewalt in Familien anscheinend zugenommen - vor allem dort, wo es schon vorher Probleme gab. "Die Luft wird dünner, und die Menschen explodieren schneller", sagte der Gründer des Kinderprojekts Arche, Bernd Siggelkow.

"Der Stresspegel ist hoch und die psychische Belastung für Kinder immens", so der Leiter der Arche, die an 27 Standorten in ganz Deutschland Angebote für Kinder aus benachteiligten Familien schafft. Die Kinder seien aggressiver untereinander und gegenüber ihren Eltern. Repräsentative Daten, die eine Zunahme der Gewalt in Familien während der Corona-Pandemie belegen, liegen laut dem Ulmer Experten Jörg Fegert bislang nicht vor.

Doch nach dem Ende des ersten Lockdowns habe die Medizinische Kinderschutzhotline einen deutlichen Anstieg der Anrufe verzeichnet, so Fegert, der die Hotline leitet. Dort können sich etwa Ärzte, Psychotherapeuten und Mitarbeiter der Jugendhilfe melden, wenn sie kollegiale Beratung bei Verdacht auf Kindesmisshandlung wünschen.

Auch das bundesweite Sorgentelefon "Nummer gegen Kummer" verzeichnet eine deutliche Zunahme von Anrufen von überlasteten Eltern und Kindern mit Problemen. Gewalterfahrungen seien im Pandemiejahr 2020 von Kindern und Jugendlichen häufiger thematisiert worden als 2019, berichtet Sprecherin Anna Zacharias. So wandten sich rund 9200 Kinder und Jugendliche mit einer Gewaltproblematik an das Kinder- und Jugendtelefon - rund 15 Prozent mehr als 2019. Auch die Onlineberatung wurde öfter genutzt, von rund 1100 Kindern und Jugendlichen - 17 Prozent mehr als 2019.

Quelle: ntv.de, spl/dpa

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