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Fragen & Antworten Was man jetzt über Schnelltests wissen muss

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Ab 8. März soll jeder Bundesbürger einmal pro Woche einen kostenlosen Schnelltest machen lassen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kommende Woche soll es Gratis-Schnelltests für jedermann geben, Discounter haben ab Samstag Heimtests im Sortiment. Wozu sind sie gut? Was ist der Unterschied? Wo bekommt man das Gratis-Angebot, wo die Tests für zu Hause und wie geht man mit positiven Ergebnissen um?

Schnelltests sollen in der Pandemiebekämpfung künftig eine zentrale Rolle spielen. Dafür wurde in der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossen, ab dem 8. März jedem Bürger wöchentlich einen Schnelltest zu bezahlen. Praktisch gleichzeitig begann der Verkauf von Schnelltests für zu Hause, unter anderem bot sie Discounter Aldi am 6. März in geringen Mengen an. Was bezwecken Bund und Länder damit und warum muss man für das eine Angebot bezahlen und für das andere nicht, obwohl es rein technisch keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen den Verfahren gibt? Es gibt viele Fragen zur neuen Schnelltest-Strategie, aber noch nicht für alle Antworten.

Was können Schnelltests?

Antigen-Schnelltests weisen Proteine des Sars-CoV-2-Virus nach. Sie sind nicht so empfindlich wie PCR-Tests, die auf dessen Erbgut anspringen, da sie nur bei einer großen Viruslast im Abstrich reagieren. Das bedeutet, dass sie nur dann ein positives Ergebnis anzeigen, wenn eine getestete Person ansteckend ist. Und weil sie dies bereits nach 10 bis 15 Minuten tun, sind sie unschlagbar, wenn es darum geht, schnell festzustellen, ob jemand infektiös ist. Außerdem sind Schnelltests wesentlich günstiger als PCR-Tests.

Wozu sind sie geeignet?

Schnelltests sind mit ihren Vorzügen sehr gut geeignet, Situationen abzusichern, wo viele Menschen zusammenkommen - speziell in Innenräumen. Das gilt vor allem für Präsenzberufe, also Jobs, die man nicht im Homeoffice erledigen kann. In Pflegeheimen und teilweise in Schulen kommen Schnelltests bereits zum Einsatz. Perspektivisch können sie auch zum "Freitesten" dienen, beispielsweise um im Einzelhandel einzukaufen oder um Kulturveranstaltungen zu besuchen.

Wozu sind sie nicht geeignet?

Antigen-Schnelltests sind aus den gleichen Gründen nicht geeignet, grundsätzlich eine Covid-19-Infektion zu erkennen. Ihr Resultat ist auch nur eine Momentaufnahme. Das heißt, ein morgens negativ getesteter Mensch kann am Abend ansteckend sein. Deswegen kann man sich auf ein Ergebnis nur einige Stunden verlassen.

Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?

Sie erfüllen die vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) festgelegten Mindestkriterien. Das heißt unter anderem, dass sie von mindestens 100 Personen mit Covid-19-Symptomen innerhalb von sieben Tagen nach Symptom-Beginn mehr als 80 Infektionen feststellen können (Sensitivität). Außerdem muss sichergestellt sein, dass sie fast nie Fehlalarme produzieren. Das bedeutet, ihre Spezifität muss größer als 97 Prozent betragen.

Die Schnelltests sind oft noch genauer, aber man darf sich nicht hundertprozentig darauf verlassen und beispielsweise AHA-L-Regeln nach einem negativen Ergebnis ignorieren. Das gilt vor allem, wenn es sehr viele Infizierte gibt, also die Inzidenzen sehr hoch sind.

Wo kann man sich kostenlos testen lassen?

Diese Frage muss noch abschließend geklärt werden, obwohl dafür eigentlich keine Zeit mehr ist. Grundsätzlich gilt, dass die Gratis-Tests auch dort durchgeführt werden können, wo man sich derzeit bereits kostenpflichtig testen lassen kann. Das sind vor allem Schnelltest-Zentren und Apotheken.

Laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) bietet etwa jede zehnte deutsche Apotheke bereits Antigen-Coronatests an. Voraussetzung für ein kostenloses Angebot sei allerdings, dass sie vom öffentlichen Gesundheitsdienst dazu beauftragt werden.

Außerdem muss noch die Kostenfrage geklärt werden. "Die entsprechende Rechtsverordnung zur Umsetzung der Teststrategie muss jetzt so gestaltet werden, dass das Testen in Apotheken unbürokratisch funktioniert und wirtschaftlich machbar ist", sagt ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening.

Auch die Testzentren sind grundsätzlich bereit, sofort loszulegen, wenn sie von den Gesundheitsämtern beauftragt werden. Christoph Neumeier, Gründer von Covimedical, sagte ntv.de allerdings, sein Unternehmen habe bisher noch keine offizielle Anfrage erhalten.

Falls dies geschehe, gäbe es noch offene Fragen zu klären. Insbesondere müsse eine unbürokratische und schnelle Abrechnung gewährleistet sein. Dann sei auch die Kostenfrage kein Problem, Covimedical könne die Tests bei entsprechendem Volumen zu Preisen durchführen, die im Raum stünden. Zuletzt kalkulierte das Gesundheitsministerium mit rund 6 Euro pro Schnelltest zuzüglich 12 Euro für Abstrich und Ausstellen eines Testzeugnisses.

Wird es genügend Testangebote geben?

Da die oben aufgezählten Fragen noch geklärt werden müssen, ist eher nicht damit zu rechnen. Selbst wenn das grundsätzliche Prozedere bis dahin klar sein sollte, dürften die vom Gesundheitsministerium beschafften Schnelltests kaum so schnell verteilt werden können. Vor allem die Apotheken müssen sich vermutlich noch umorganisieren, um mehr als bisher testen zu können. Möglicherweise scheitert dies auch an Raum- und Personalmangel.

Gibt es überhaupt genügend Schnelltests?

Laut Hanno Kautz, Pressesprecher des Bundesgesundheitsministers, gibt es keinen Mangel an Schnelltests. "150 Millionen Schnelltests liegen laut Herstellerangaben bereits heute auf Halde und können direkt geliefert werden. Die Länder und Kommunen müssen die nur abrufen", teilte er mit. "Der Bund hat - Stand heute - mindestens 800 Millionen Schnelltest über bilaterale Absichtserklärungen und europäische Rahmenverträge für dieses Jahr gesichert. Das tatsächliche Marktangebot wird dieses Kontingent bei Weitem übertreffen."

Was ist bei einem positiven Ergebnis zu tun?

Fällt ein Test positiv aus, sollen sich Betroffene umgehend selbst Isolieren, um Infektionsketten zu unterbrechen. Außerdem muss das Ergebnis durch einen PCR-Test bestätigt werden. Apotheken oder Testcenter sind auch verpflichtet, positive Tests dem zuständigen Gesundheitsamt melden. Eigeninitiative ist aber angesagt, da das Verfahren oft viel zu lange dauert. Unter anderem werden Meldungen immer noch gefaxt.

Wozu benötigt man dann auch noch Selbsttests?

Wie Laien-Tests sinnvoll eingesetzt werden können, wird noch diskutiert. In der aktuellen Planung von Bund und Ländern werden sie auch als Möglichkeit genannt, um sich beispielsweise fürs Shopping oder den Besuch von Kulturveranstaltungen freizutesten. Kritiker sagen jedoch, ohne Kontrolle sei die Schummel-Gefahr zu groß. Woher will man beispielsweise wissen, dass der Test selbst durchgeführt wurde?

Heimtests können auch eingesetzt werden, um soziale Kontakte abzusichern, zum Beispiel Besuche bei Freunden. Das ist zwar eigentlich im Sinne der Pandemie-Kontrolle nicht erwünscht, aber immer noch besser, als sich völlig ungeschützt zu treffen. Sinnvoller ist der Einsatz von Selbsttest bei Schülern, die schließlich auf dem Weg zum Unterricht kaum einen Umweg über Apotheken oder Testcenter machen können.

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Für Selbsttesst benötigt man keine medizinische Ausbildung.

Befürworter sehen in Heimtests vor allem ein wichtiges Werkzeug, um Infektionen zu finden, die normalerweise unentdeckt blieben - vor allem bei asymptomatischen Verläufen. Sie könnten so entscheidend dazu beitragen, die Fallzahlen zu senken. "Würden sich 50 Prozent der Bevölkerung zweimal wöchentlich mit Selbsttests testen und dann bei positivem Ergebnis sofort isolieren, könnte der Effekt etwa so stark sein wie der Lockdown von Mitte Dezember 2020 bis Februar 2021", sagt Nik Kolb von der Initiative RapidTests.de.

Sind Selbsttests nicht unangenehm und kompliziert?

Nein, im Gegensatz zu den bisher üblichen Schnelltests muss man für einen Abstrich nicht mit dem Tupfer tief in den Rachen bohren. Es genügt, die Probe im vorderen Nasenbereich zu nehmen. Auch die weitere Vorgehensweise ist sehr einfach, die Hersteller müssen entsprechend verständliche Anleitungen beifügen. ntv.de hat einen der bereits zugelassenen Selbsttests ausprobiert und kann dies bestätigen. Künftig könnten auch Spuck- und Gurgeltests zugelassen werden.

Wo bekommt man die Selbsttests?

Schon am Samstag verkauft Aldi Laien-Schnelltests, andere Discounter wollen in Kürze folgen, auch Drogerien und Supermärkte werden sie schon bald anbieten. Und natürlich werden sie in Apotheken erhältlich sein.

Was kosten sie?

Die Selbsttests werden pro Stück voraussichtlich zwischen 5 und 10 Euro kosten. Aldi setzt hier die Messlatte tief, in den Filialen werden 5er-Packungen für 25 Euro verkauft.

Wird das Angebot groß genug sein?

Auch hier sieht das Bundesgesundheitsministerium keine Engpässe. Der Bund habe bereits über 200 Millionen Selbsttests gesichert, sagt Pressesprecher Kautz. Mit weiteren Herstellern liefen Gespräche. "Auch hier wird das tatsächliche Marktangebot die gesicherten Kontingente bei Weitem übertreffen."

Warum sind Selbsttests nicht gratis?

Ursprünglich empfahl das Gesundheitsministerium den Bundesländern, einen niedrigschwelligen Zugang für alle Bürgerinnen und Bürger zu ermöglichen - gegebenenfalls gegen eine geringe Eigenbeteiligung von 1 Euro. Davon ist nach der Ministerpräsidentenkonferenz nicht mehr die Rede. Warum, kann man nur raten. Vermutlich hat man die Kosten gescheut, obwohl ein breiter Einsatz günstiger, aber ebenso effektiv wie ein Lockdown sein könnte.

Was macht man bei einem positiven Test?

Selbsttests sind nur sinnvoll, wenn sich Menschen bei einem positiven Ergebnis sofort in Isolation begeben. Eigenverantwortung ist hier noch wichtiger, da kein Dritter das Gesundheitsamt informiert. Man muss sich auch selbst darum kümmern, einen PCR-Test zu bekommen. Mit einem positiven Selbsttest sollte man aber problemlos einen Termin erhalten.

Gibts für Schnelltests schon Apps?

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Sehr sinnvoll wäre es, wenn man Selbsttest-Ergebnisse dem Gesundheitsamt über eine App mitteilen könnte. Und praktischer als Bescheinigungen auf Papier für einen Restaurant- oder Theaterbesuch wären QR-Codes, die vom Display des Smartphones eingescannt werden.

Hier kommt zum einen die Luca-App infrage, aber es gibt ja schon die Corona-Warn-App. Die ist dazu zwar noch nicht in der Lage, soll aber schon bald entsprechend aufgerüstet werden. Die Bundesregierung arbeite an der Integration einer Event-Registrierung, sagt Hanno Kautz. Sie soll "zeitnah nach Ostern zur Verfügung stehen. Das Prinzip: Für ein bestimmtes Event wird ein QR-Code erzeugt, den alle mit der App einscannen. Dabei werden keine persönlichen Daten ausgetauscht. Aber wenn jemand positiv getestet wird und das in die App eingibt, werden alle anonym gewarnt."

Quelle: ntv.de

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