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Forscher fordern Investitionen 19 Regionen könnten abgehängt werden

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Leer stehende Hochhäuser wie in Schwerin gibt es in vielen ostdeutschen Städten - hier gibt es vor allem ein Demografie-Problem.

(Foto: dpa)

Die einen stehen bei der digitalen Infrastruktur noch ganz am Anfang, andere plagen hohe Schulden, wieder andere haben eine hohe Altersstruktur. Das Institut der deutschen Wirtschaft nennt 19 deutsche Regionen, die mit großen Problemen zu kämpfen haben - und warnt vor sozialen Spannungen.

Schwache Wirtschaft, alternde Bevölkerung, schlechte Infrastruktur: 19 von 96 Regionen in Deutschland sind einer Studie zufolge schlecht für die Zukunft gerüstet. Dazu gehören elf Regionen in den ostdeutschen Bundesländern, vier Regionen in Nordrhein-Westfalen entlang der Ruhr sowie Bremerhaven, das Saarland, Schleswig-Holstein Ost und die Westpfalz. Das geht aus einer Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Kooperation mit vier Hochschulen hervor.

"Wirtschaftliche Aktivitäten verlagern sich zunehmend in die Metropolregionen", sagte IW-Direktor Michael Hüther. Spiegelbildlich dazu verlören vor allem die ländlichen und dort vornehmlich die von starkem Strukturwandel geprägten Regionen. "Das entwertet nicht nur die dort aufgebaute Infrastruktur, sondern führt auch zu sozialen Spannungen", so Hüther.

Die Wissenschaftler raten der Politik deshalb zum raschen Gegensteuern. "Es könnte sonst in Deutschland zu ähnlichen Ungleichgewichten in der räumlichen Wirtschaftsstruktur kommen wie in anderen Ländern", warnte Studienautor Jens Südekum von der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität mit Blick auf die sogenannten Rostgürtel in den USA, die von hoher Arbeitslosigkeit und sozialen Spannungen geprägt sind. Um es nicht so weit kommen zu lassen, schlagen die Experten vor, besonders stark mit Verbindlichkeiten belastete Kommunen zu entschulden. "Hohe Schulden versperren den Weg zu notwendigen Investitionen", sagte Hüther dazu. "Die betroffenen Bundesländer sollten Schuldenerlasse für die Kommunen in Betracht ziehen, damit diese wieder handlungsfähig werden."

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Duisburg und andere westdeutsche Regionen leiden unter der schwachen Wirtschaft.

(Foto: dpa)

Auch bessere Bildungsangebote und milliardenschwere Investitionen in die Infrastruktur halten die Experten für notwendig, damit die benachteiligten Regionen nicht noch weiter abgehängt werden. "Durch eine Verbesserung des Schienennetzes könnten mehr Gemeinden an die Metropolen angebunden werden", so Hüther.

"Breitbandausbau essenziell"

"Darüber hinaus ist auch der Breitbandausbau essenziell. Denn der Zugang zu schnellem Internet ist nicht nur für Unternehmen unabdingbar, sondern zunehmend auch für private Haushalte." Südekum empfiehlt daher einen flächendeckenden Ausbau mit dem superschnellen Mobilfunkstandard 5G. "Ohne 5G wird es die vollautomatische Fabrik in der Provinz nicht geben", betonte er. Die historisch günstigen Finanzierungskonditionen - der Bund verdient derzeit sogar Geld mit neuen Schulden - sollten für Investitionen genutzt werden.

Die Wissenschaftler haben für das Ranking insgesamt zwölf Indikatoren untersucht. Wirtschaftlich sieht es in Westdeutschland vor allem für Duisburg/Essen, Emscher-Lippe und Bremerhaven düster aus. Ostdeutschland habe indes vor allem ein Demografie-Problem. "Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg, Lausitz-Spreewald, Oberlausitz-Niederschlesien sowie Ost- und Südthüringen weisen ein hohes Durchschnittsalter der Bevölkerung auf, das in den vergangenen Jahren auch noch überproportional gestiegen ist", so die Autoren.

Bei der Infrastruktur stellt die Studie deutschlandweit Probleme fest. Die drei westdeutschen Regionen Emscher-Lippe, Trier und Westpfalz plagen derweil besonders hohe Verschuldungsquoten. In den ostdeutschen Regionen Altmark, Magdeburg und Halle/Saale stecke die digitale Infrastruktur noch "in den Kinderschuhen".

Quelle: n-tv.de, mli/rts

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