Politik

Vergewaltigung, Mord, Raub Bericht dokumentiert russische Kriegsverbrechen

Was Menschen aus der Ukraine berichten, ist an Grausamkeit kaum zu übertreffen. In einem Bericht von Human Rights Watch ist von Exekutionen, Vergewaltigungen und Plünderungen durch russische Soldaten die Rede. Die NGO sieht "unsägliche bewusste Akte der Gewalt an der Zivilbevölkerung".

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat der russischen Armee in der Ukraine Kriegsverbrechen wie Hinrichtungen und Plünderungen vorgeworfen. In einem Bericht, der in Warschau veröffentlicht wurde, werden Fälle in der Umgebung der Städte Kiew, Charkiw und Tschernihiw genannt. Grundlage dafür ist nach Angaben der Menschenrechtler die Befragung von zehn Augenzeugen, Opfern und Bewohnern.

"Die von uns dokumentierten Fälle stellen unsägliche bewusste Akte der Grausamkeit und Gewalt an der ukrainischen Zivilbevölkerung dar", erklärte der Europa-Direktor von HRW, Hugh Williamson. "Vergewaltigung, Mord und andere gewaltsame Akte gegen Menschen in der Gewalt russischer Truppen sollten als Kriegsverbrechen untersucht werden."

In dem Bericht werden folgende Fälle genannt:

  • Eine 31-jährige Frau berichtete, dass sie mehrmals von einem Soldaten in einer Schule in der Region Charkiw vergewaltigt worden sei, wo sie und ihre Familie am 13. März Zuflucht gefunden hatten. Sie gab an, der Mann habe sie geschlagen und ihr mit einem Messer in Gesicht, Hals und Haare geschnitten. Er habe sie unter anderem zum Oralsex gezwungen, schildert die 31-Jährige. "Die ganze Zeit hielt er dabei eine Pistole an meine Schläfe. Zweimal schoss er in die Decke und sagte, das sei, um mich mehr zu motivieren."
  • Am 27. Februar wurden dem Bericht zufolge mindestens sechs Männer im Dorf Staryi Bykiw bei Tschernihiw von Soldaten exekutiert. Eine Frau berichtete, dass sie ihren Sohn und ihren Schwager sowie vier weitere Männer auf dem Boden sah. "Sie lagen dort. Man hatte ihnen in den Kopf geschossen. Ihre Hände waren hinter dem Rücken gefesselt. Ich sah mir den Körper meines Sohnes an, seine Taschen waren leer, er hatte weder sein Telefon noch seine Schlüssel oder [Ausweis-]Papiere dabei", sagte sie dem Bericht zufolge.
  • Auch in Butscha, nordwestlich von Kiew, exekutierten russische Soldaten demnach am 4. März einen Mann und drohten damit, vier weitere Menschen zu erschießen. Eine Augenzeugin berichtete, dass fünf Männer von Soldaten gezwungen worden seien, am Straßenrand niederzuknien. Dann hätten die Russen ihnen ihre T-Shirts über den Kopf gezogen und einem von ihnen von hinten in den Kopf geschossen. "Die Frauen schrien. Die anderen vier Männer knieten nur da. Der Anführer sagte zum Rest der Leute auf dem Platz: 'Macht euch keine Sorgen. Ihr seid alle normal - und das hier ist Dreck. Wir sind hier, um euch vom Schmutz zu befreien.'"
  • Im Dorf Vorzel, etwa 50 Kilometer nordwestlich von Kiew, warfen laut Bericht am 6. März russische Soldaten eine Rauchgranate in einen Keller und schossen dann auf eine Frau und ein 14-jähriges Kind, als sie aus dem Keller rannten, in dem sie Schutz gesucht hatten. Ein Mann, der mit der Frau im selben Keller war, berichtete, dass sie zwei Tage später ihren Verletzungen erlag. Von anderen Schutzsuchenden erfuhr er, dass das Kind einen Kopfschuss erlitten und sofort daran gestorben war.
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Laut dem Bericht plünderten russische Soldaten Eigentum von Zivilisten, darunter Lebensmittel, Kleidung und Brennholz, aber auch Kettensägen, Äxte und Benzin. Internationale Abkommen und Gesetze, darunter das humanitäre Völkerrecht und die Genfer Konventionen, verbieten vorsätzliche Tötung, Vergewaltigung und andere sexuelle Gewalt, Folter und unmenschliche Behandlung von gefangenen Kämpfern und Zivilisten, heißt es in dem Bericht. Auch Plünderungen und Verwüstungen seien verboten. Jeder, der solche Handlungen anordnet, vorsätzlich begeht oder unterstützt, mache sich eines Kriegsverbrechens schuldig.

"Russland hat die völkerrechtliche Verpflichtung, mutmaßliche Kriegsverbrechen seiner Soldaten objektiv zu untersuchen", betonte Williamson. Die Befehlshaber sollten sich darüber im Klaren sein, dass ein Versäumnis, gegen Mord und Vergewaltigung vorzugehen, sie persönlich für Kriegsverbrechen verantwortlich machen kann", sagte er weiter.

Quelle: ntv.de, chf/dpa

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