Politik

Kühles Treffen in Saudi-Arabien Biden warnt bin Salman vor neuen Morden

303114935.jpg

Mohammed bin Salman (r.) ist eigentlich Kronprinz, herrscht aber de facto über Saudi-Arabien.

(Foto: picture alliance / AA)

Das Verhältnis ist angespannt, daraus macht Joe Biden keinen Hehl. Als erstes Thema spricht er nach eigenen Angaben bei seinem Besuch in Saudi-Arabien den Mord an Journalist und Regierungskritiker Jamal Khashoggi "glasklar" an - und zieht dennoch ein positives Fazit.

US-Präsident Joe Biden hat den saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (MBS) nach eigenen Angaben vor weiteren Gewaltakten gegen Regierungskritiker gewarnt. Er habe dem Thronfolger deutlich gemacht, dass eine erneute Tat wie der Mord an dem Journalisten und Regierungskritiker Jamal Khashoggi eine "Antwort" der Vereinigten Staaten zur Folge hätte, sagte Biden am Abend nach seinem Treffen mit bin Salman in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschiddah.

Kronprinz bin Salman habe jede Verantwortung für die Tat zurückgewiesen, teilte der US-Präsident mit. "Er sagte im Grunde, dass er nicht persönlich dafür verantwortlich sei. Ich habe angedeutet, dass ich glaube, er ist verantwortlich", sagte Biden. Er habe das Thema direkt zu Beginn des Treffens "glasklar" angesprochen. "Ich bereue nichts, was ich gesagt habe. Was mit Khashoggi passiert ist, war empörend", erklärte der US-Präsident.

"Das Blut der nächsten Opfer klebt an Ihren Händen"

Jamal Khashoggi war im Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul von einem saudi-arabischen Geheimdienstkommando ermordet worden. Seine Leiche wurde anschließend zerstückelt. Die US-Geheimdienste sind überzeugt, dass der saudische Kronprinz den Mord genehmigt hat. Bin Salman bestreitet, die Tötung angeordnet zu haben.

Bidens Besuch in Saudi-Arabien und sein Treffen mit dem Kronprinzen wurden deshalb von Khashoggis einstiger Verlobter Hatice Cengiz hart kritisiert. Auf Twitter schrieb sie am Freitag an die Adresse des US-Präsidenten: "Das Blut von MBS' nächsten Opfern klebt an Ihren Händen." Darauf angesprochen sagte Biden: "Es tut mir leid, dass sie sich so fühlt."

Vom Paria zur Benzinpreishoffnung

Vor seiner Wahl zum US-Präsidenten hatte Biden noch angekündigt, dass man Saudi-Arabien wegen des Mordes an Khashoggi als "Paria"-Staat behandeln müsse. Angesichts der vergleichsweise hohen Benzinpreise in den USA und der anstehenden Kongresswahlen im November steht Biden jedoch innenpolitisch unter Druck, die Regierung in Riad zu einer Erhöhung der Erdöl-Fördermenge zu bewegen.

Mit seinem Besuch in Saudi-Arabien will Biden laut US-Regierungsvertretern einen Neustart der Beziehungen zu dem traditionellen Verbündeten anstoßen. Nach den ersten Gesprächen zog der US-Präsident trotz der angespannten Stimmung eine positive Bilanz. Es seien bedeutende Fortschritte bei Sicherheits- und Wirtschaftsthemen erzielt worden, sagte er am Abend.

Biden begann seine Nahost-Reise in Israel. Als erster US-Präsident flog er anschließend direkt von dort nach Saudi-Arabien. Der Flug gilt als symbolisch für das Bestreben der Regierung in Washington, eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und Saudi-Arabien voranzutreiben. Die beiden Länder gehören zu den engsten Verbündeten der USA, sind jedoch traditionell verfeindet. Sie eint ihre Einstellung zum Iran, dem Erzrivalen Saudi-Arabiens in der Region.

Quelle: ntv.de, chr/AFP/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen