Politik

Trump durfte mit Säbel tanzen Saudi-Kronzprinz empfängt Biden unterkühlt

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Der erst 36 Jahre alte Kronprinz Mohammed bin Salman ist der starke Mann im Königreich.

(Foto: AP)

US-Präsident Biden ist dem mächtigen saudischen Kronprinz nicht gewogen wie sein Vorgänger Trump. So unterscheidet sich dann auch die Begrüßungszeremonie. Wie immer arbeiten beide Länder aber zusammen. Sie haben gemeinsame Interessen - und einen Feind, der sie eint.

US-Präsident Joe Biden hat bei seiner Ankunft in Saudi-Arabien im Vergleich zu seinem Vorgänger Donald Trump einen äußerst kühlen Empfang bekommen. Bei seinem Eintreffen im königlichen Palast in der Küstenstadt Dschidda begrüßte ihn am Abend der umstrittene Kronprinz Mohammed bin Salman. Einen Handschlag gab es nicht - beide stießen nur kurz die Fäuste aneinander. Danach gingen sie ohne ein weiteres Gespräch weiter. Das Weiße Haus hatte vor der Reise mitgeteilt, Biden wolle Körperkontakte möglichst vermeiden. Beim Treffen mit König Salman schüttelten sich die beiden Staatsoberhäupter dann allerdings mehrere Sekunden die Hände.

An Dschiddas Flughafen war Biden zuvor von Chalid al-Faisal, Gouverneur von Mekka, und Rima bint Bandar, Botschafterin in den USA, empfangen worden - mit Blick auf deren Rang eine deutliche Abfuhr für den US-Präsidenten. Die Ankunft stand auch im starken Kontrast zu Bidens Eintreffen in Israel, wo dessen Präsident Izchak Herzog und Ministerpräsident Jair Lapid ihn zuvor mit einer feierlichen Zeremonie empfangen hatten.

Auch Obama bekam die kalte Schulter

Der kühle Empfang erinnert an einen Besuch von Ex-US-Präsident Barack Obama, der 2016 in Riad vom dortigen Gouverneur Prinz Faisal bin Bandar Al Saud empfangen wurde. Obamas Ankunft wurde zudem nicht im saudischen Staatsfernsehen übertragen, wie es bei Besuchen von Staats- und Regierungschefs in dem Königreich üblich ist. Kurz zuvor war König Salman zu sehen, der am Rollfeld stattdessen andere ranghohe Vertreter von Nachbarstaaten aus der Region begrüßte.

Donald Trump, der als US-Präsident besonders gute Beziehungen zu den Herrschern des Königreichs pflegte, wurde bei einem Besuch in Riad 2017 wärmstens in Empfang genommen. König Salman begrüßte Trump am Flughafen, Trump legte seinerseits später eine Einlage bei einem Säbeltanz hin und verbeugte sich tief vor dem absoluten Herrscher. Der Besuch war voll warmer und großzügiger Gesten.

Tiefer Graben nach Khashoggi-Mord

Nach Angaben seines Sicherheitsberaters Jake Sullivan will Biden bei seinem umstrittenen Besuch in Saudi-Arabien die Menschenrechtslage in der Golfmonarchie ansprechen. Sullivan sagte auf dem Flug von Tel Aviv nach Dschidda, Biden werde darüber öffentlich und bei seinen Treffen hinter verschlossenen Türen reden. "Der Präsident ist weiterhin fest entschlossen, die Sache der Menschenrechte voranzutreiben." Bidens Treffen besonders mit Kronprinz Mohammed bin Salman ist umstritten. US-Geheimdienste machten den Kronprinzen für den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul 2018 verantwortlich. Sullivan sagte, einer der Gründe für Bidens Besuch sei, dass der Nahe Osten eine "strategisch wichtige Region" bleibe. "Er wird China und Russland hier kein amerikanisches Vakuum hinterlassen."

Auch Saudi-Arabien ist wegen der wachsenden Bedrohung durch den Iran ist Riad auf den Verbündeten USA angewiesen - und macht Zugeständnisse. Am Morgen teilte die saudische Luftfahrtbehörde mit, ihren Luftraum "für alle Fluggesellschaften" zu öffnen, sofern diese "die Voraussetzungen" erfüllen. Damit dürfte das Überflugverbot für israelische Maschinen enden, das zuvor bereits gelockert wurde. Biden sprach von einem "historischen" Schritt zu einem "stabilen und sicheren Nahen Osten".

In Saudi-Arabien wird der höchste Ansprechpartner hierfür vermutlich auf lange Zeit Mohammed bin Salman sein. Denn der erst 36 Jahre alte Kronprinz könnte noch lang an der Spitze des Wüstenstaats stehen. Sein altersschwacher Vater, König Salman, hat dem Lieblingssohn und potenziellen Thronfolger schon viele Befugnisse übertragen.

"Mister Everything" - im Guten wie im Bösen

"MBS", wie der Kronprinz auch genannt wird, durchdringt so viele Lebensbereiche, dass er den Spitznamen "Mister Everything" verliehen bekommen hat. Er hat das Land für Touristen geöffnet und will Jobs schaffen für die junge Bevölkerung, etwa zwei Drittel sind jünger als 35. Frauen können sich in dem eigentlich streng islamisch-konservativen Land heute etwas freier bewegen und kleiden, in Shopping-Malls sind junge Mädchen ohne Kopfbedeckung zu sehen, die zwischen Männern einkaufen oder plaudern.

Abweichler werden gleichzeitig mit aller Härte verfolgt. Sie würden willkürlich inhaftiert, gefoltert oder hingerichtet, erklärte eine Gruppe von 13 Menschenrechtsorganisationen zuletzt erneut. Im März richtete das Königreich an einem einzigen Tag 81 Menschen hin.

Quelle: ntv.de, mpe/dpa

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