Politik

Flugblätter gegen Nazis Die "Weiße Rose" trotzt Hitler bis zum Tod

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Hans und Sophie Scholl riefen in Flugblättern zum Widerstand gegen das NS-Regime auf.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sie wagen es, die Nationalsozialisten mit Flugblättern herauszufordern: die Mitglieder der "Weißen Rose", Hans und Sophie Scholl. Vor genau 75 Jahren werden sie durch das Fallbeil hingerichtet. Bis zum Schluss fordern sie das Regime heraus.

Februar 1943, das Kriegsglück der Deutschen hat sich gewendet. Die Schlacht von Stalingrad ist verloren. Zehntausende Wehrmachtssoldaten lassen im Kampf gegen die Sowjetunion ihr Leben oder geraten in Gefangenschaft. Die Niederlage markiert einen Wendepunkt im Kriegsverlauf, in der Bevölkerung kommen erste Zweifel an Hitlers "Endsieg" auf. Die Kriegsbegeisterung ist längst verflogen. Und in München leistet eine Gruppe namens "Weiße Rose" gewaltlosen Widerstand. Viele Mitglieder wird er das Leben kosten.

Hans und Sophie Scholl sind die bekanntesten Angehörigen der Untergrundorganisation. Ihr Engagement gegen das nationalsozialistische Terrorregime steht bis heute als Synonym für Widerstand in jener Zeit. Wer genau waren die Geschwister?

Hans und Sophie kommen in den Anfangsjahren der Weimarer Republik zur Welt. Die Zeit ist geprägt von politischer Unsicherheit - Hyperinflation, Depression, Kriegsandrohungen. In der Nazi-Zeit treten die Scholls, wie viele Kinder und Jugendliche, Jugendorganisationen des Regimes bei. Er ist bei der Hitlerjugend, seine jüngere Schwester Sophie beim Bund Deutscher Mädel (BDM).

Sophie steht dem Regime schon vor Ausbruch des Krieges skeptisch gegenüber. Anders verhält es sich bei ihrem Bruder: Die Propaganda scheint zunächst bei ihm zu fruchten. Er zeigt sich - zum Schock des regimekritischen Vaters - vom Nationalsozialismus begeistert. Größere Zweifel an der NS-Ideologie erreichen Hans erst, als er und ein Freund aus politischen Motiven 1937 verhaftet werden. Der Grund der kurzzeitigen Inhaftierung ist die Mitgliedschaft in einer liberalen Jugendbewegung.

Beginn widerständiger Aktivitäten

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Ein Mahnmal vor der Universität in München erinnert an die "Weiße Rose" und die Geschwister Scholl.

(Foto: imago stock&people)

Sophie und Hans, der inzwischen Medizin studiert, distanzieren sich zunehmend vom Nazi-Regime. Sophia findet in der Literatur, Hans in der Religion Bestärkung für den aufkeimenden Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Bereits im Sommer 1942 gründen Hans und Alexander Schmorell, der ebenfalls in München Medizin studiert, die Widerstandsgruppe der "Weißen Rose". Kurz darauf werden beide für einige Monate einberufen und kommen an die Ostfront. Für Hans sind die Erfahrungen einschneidend, die Grausamkeiten des Krieges prägen ihn fortan. Wegen ihres Entsetzens über die deutschen Verbrechen fühlen sich Hans und sein Freund Alexander Schmorell darin bestärkt, die Arbeit der "Weißen Rose" fortzusetzen.

Im Laufe der Zeit schließen sich immer mehr Widerständler der Organisation an, darunter auch Hans' Schwester Sophie. Weitere Mitstreiter werden die Studenten Christoph Probst, Alexander Schmorell, Georg Wittenstein, Willi Graf und der Dozent Kurt Huber. Georg Wittenstein begründet seine Mitgliedschaft in der "Weißen Rose" später so: "Erst als wir dann erfuhren, was wirklich geschah, was mit den Juden passierte, was mit den Polen passierte, wie die Kriegsgefangenen behandelt wurden, wurde es immer klarer, dass diese Regierung beseitigt werden müsse."

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Roland Freisler (Mitte) verurteilte Tausende zum Tod.

(Foto: imago/Leemage)

In Zeiten totaler Gleichschaltung erregt die Gruppe mit Flugblättern, die sie heimlich verteilt, großes Aufsehen. Darauf beschreiben die Studenten und ihr Dozent die Verbrechen des Regimes und rufen zum Widerstand auf. "Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique 'regieren' zu lassen", heißt es einleitend im ersten Flugblatt.

Zunächst versendet die "Weiße Rose" die Flugblätter nur anonym an ausgewählte Adressen in München. Erst später fasst sie den Entschluss, die Schriften deutschlandweit zu verschicken. Das sechste und letzte Flugblatt behandelt die katastrophale Niederlage in der Schlacht von Stalingrad und die verloren gegangenen Werte der Nation. Neben der Flugblätter-Aktion schreiben Mitglieder der "Weißen Rose" die Worte "Nieder mit Hitler" an die Wand der Universität in München.

Der Weg zum Scharfrichter

Am 18. Februar 1943 endet der Widerstand der Geschwister Scholl - genau an jenem Tag, an dem Joseph Goebbels seine berüchtigte Sportpalastrede in Berlin hält und zum "totalen Krieg" aufruft. Just am selben Tag wollen Hans und Sophie das sechste Flugblatt in der Universität München auslegen. "Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, nur noch verlängern", steht darin geschrieben. Doch der Universitäts-Hausmeister Jakob Schmid erwischt sie dabei. Er setzt sie fest und informiert die Gestapo, die das Geschwisterpaar inhaftiert. In den Verhören gestehen beide ihre Taten. Sophie bekennt sich zu ihrer Anti-NS-Haltung, weil "die geistige Freiheit des Menschen in einer Weise eingeschränkt wird, die meinem inneren Wesen widerspricht". Wenige Tage nach der Verhaftung stehen beide vor Gericht.

Schon vor Verhandlungsbeginn steht der Ausgang fest. Der eingesetzte Richter ist der als "Blutrichter" gefürchtete Roland Freisler. In der Nazi-Zeit spricht er mehrere tausend Todesurteile gegen Oppositionelle. Auch Hans und Sophie Scholl verurteilt er zum Tod. Beide werden am 22. Februar unter anderem wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" durch das Fallbeil hingerichtet. "Es lebe die Freiheit", sollen Hans' letzte Worte gewesen sein.

Quelle: n-tv.de

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