Politik

Trotz internationaler Appelle Israel seit "zehn Stunden unter Beschuss"

Krawalle, Raketenbeschuss und Tote: Der Konflikt zwischen den Palästinensern und Israel erreicht einen traurigen Höhepunkt - und droht sich weiter zuzuspitzen: Trotz internationaler Appelle gehen die Attacken auf beiden Seiten weiter. Das israelische Militär spricht von stundenlangem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen.

Der Raketenbeschuss aus dem von militanten Islamisten beherrschten Gazastreifen auf Israels Staatsgebiet hält nach israelischen Angaben an. "Seit 18 Uhr feuern Terrorgruppen in Gaza ununterbrochen Raketen auf israelische Zivilisten", erklärte die israelische Armee am frühen Morgen über Twitter. "Jetzt ist es 4 Uhr. Das sind zehn Stunden Raketenbeschuss." Schon vor Mitternacht hatte das Militär von mehr als 150 abgeschossenen Raketen gesprochen, Dutzende davon habe die Raketenabwehr Eisenkuppel abgefangen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, man habe eine "rote Linie" überschritten. Zu den Raketenangriffen auf Israel bekannten sich die Hamas wie auch die Gruppe Islamischer Dschihad.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern war in den vergangenen Tagen gefährlich eskaliert. Bei Raketen- und Luftangriffen zwischen Palästinensern und Israel sollen mindestens 20 Palästinenser ums Leben gekommen sein. Wie das palästinensischen Gesundheitsministerium mitteilte, befinden sich darunter auch neun Kinder. Berichte über Verletzte in Israel durch die Geschosse liegen bislang nicht vor.

Die USA und Großbritannien verurteilten die palästinensischen Raketenangriffe und setzen sich für eine Deeskalation der Lage ein. Auch die EU forderte ein sofortiges Ende der Gewalt im besetzten Westjordanland und im Gazastreifen. Der Abschuss von Raketen aus dem Gazastreifen auf die Zivilbevölkerung in Israel sei völlig inakzeptabel und fache die Eskalationsdynamik weiter an, kritisierte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell. Alle Verantwortlichen hätten nun die Verantwortung, gegen Extremisten vorzugehen. Die Vermeidung weiterer ziviler Opfer müsse Priorität haben.

In der Türkei dagegen versammelten sich gestern Abend Tausende Menschen vor der israelischen Botschaft in Ankara und dem Konsulat in Istanbul, um gegen das israelische Vorgehen gegen Palästinenser zu protestieren. Laut einer Erklärung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan habe dieser mit König Abdullah von Jordanien telefoniert und erklärt, dass die "unmenschlichen" Angriffe gegen Palästinenser sich gegen alle Muslime richteten und dass die Türkei und Jordanien zusammenarbeiten müssten, um sie zu stoppen.

Auch auf dem Tempelberg in Jerusalem haben sich Palästinenser und die israelische Polizei gestern Abend erneut Auseinandersetzungen geliefert. Nach Angriffen aus den Reihen der Palästinenser habe die Polizei Blendgranaten und Gummigeschosse eingesetzt, um die Menge auseinanderzutreiben. Bis zum Abend wurden nach Schätzungen des Roten Halbmondes fast 400 Palästinenser bei den Unruhen in Jerusalem verletzt. Zudem kam es im von Israel besetzten Westjordanland zu neuen Zusammenstößen. Gewaltsame Auseinandersetzungen gab es unter anderem in Ramallah, Nablus und Hebron.

Israel betrachtet ganz Jerusalem als seine Hauptstadt, auch den Ostteil. Dessen Annexion durch Israel ist international nicht anerkannt. Die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines eigenen Staates im besetzten Westjordanland und im Gazastreifen. Verschärft wurden die Spannungen durch Pläne, Häuser palästinensischer Familien im Stadtteil Scheich Dscharra in Ost-Jerusalem zu räumen. Das Land, auf dem sie leben, wird von jüdischen Siedlern beansprucht. UN-Generalsekretär Antonio Guterres drückte Besorgnis über die gewaltsamen Zusammenstöße und die mögliche Vertreibung palästinensischer Familien aus ihren Häusern aus. Er rief Israel auf, weitere Zwangsräumungen einzustellen.

Quelle: ntv.de, joh/rts/dpa

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