Politik

Rackete bei "Klamroths Konter" "Klimaflüchtlinge müssen anerkannt werden"

Als Kapitän der "Sea-Watch 3" wurde Carola Rackete bekannt. Sie ignorierte das Verbot Italiens und fuhr mit Flüchtlingen an Bord in den Hafen von Lampedusa ein. Bei "Klamroths Konter" verteidigt sie ihre Entscheidung. Zudem fordert sie, den Klimawandel als Fluchtgrund anzuerkennen.

Carola Rackete, Kapitän auf dem Seenotrettungsschiff "Sea-Watch 3", ist sich der Gefahr einer Festnahme bei einem Einsatz im Sommer dieses Jahres bewusst gewesen. "Es war schon seit 2017 klar, dass Seenotrettung extrem kriminalisiert wird", sagt sie in der Sendung "Klamroths Konter" bei n-tv. "Damals wurde das Schiff 'Iuventa' beschlagnahmt. Seit dem Moment war mir und auch allen anderen Kapitänen klar, dass der Einsatz auf diesen Schiffen, insbesondere für den Kapitän, extrem große legale Risiken hat."

Letztlich habe sie sich aber trotzdem für den Einsatz entschieden, so Rackete. "Es ist eine Abwägung, ob ich bereit bin, im schlimmsten Fall ein paar Jahre meiner persönlichen Freiheit aufzugeben oder auf der anderen Seite eben anderen Menschen das Überleben zu ermöglichen oder auch einfach nur, dass sie nicht weiter in Libyen in den Gefängnissen sitzen und irgendwelchen Menschenrechtsverletzungen wie Folter oder sexueller Gewalt ausgesetzt sind." Auch in diesem Jahr seien wieder 1000 Menschen im Mittelmeer ertrunken, sagt die 31-Jährige. Diese hätten jedoch alle gerettet werden können. "Das wäre ganz einfach: Wir müssten nur die Schiffe hinschicken, die wir haben in unseren europäischen Staaten."

Die gesamte Sendung "Klamroths Konter" sehen Sie um 23:30 Uhr bei n-tv sowie vorab bei n-tv.de.

Die "Sea-Watch 3" unter dem Kommando Racketes hatte im Juni im Mittelmeer 53 Flüchtlinge gerettet. Italienische Behörden verweigerten dem Schiff allerdings die Einfahrt in den Hafen von Lampedusa. Nachdem das Schiff mehr als zwei Wochen auf See verbracht hatte, erklärte Rackete am 29. Juni den Notstand an Bord und fuhr ohne Genehmigung in den Hafen der Insel ein. Es sei ein schleichender Prozess gewesen bis zu dem Punkt, "an dem man die Sicherheit der Menschen einfach nicht mehr garantieren kann", sagt Rackete dazu. Sie wurde noch im Hafen festgenommen und unter Hausarrest gestellt, der aber nach einer Vernehmung am 2. Juli aufgehoben wurde.

"Großer Schock, am Nordpol anzukommen"

Die Flüchtlinge seien dann auf verschiedene EU-Staaten verteilt worden. Ausgerechnet die Flüchtlinge, die nach Deutschland gebracht werden sollten, sind nach Aussage Racketes aber immer noch auf Sizilien. "Das ist einfach viel zu lange", sagt sie. Skandalös nennt sie es, dass nichts passiert sei, obwohl deutsche Städte bereits kurz nach der Rettung angeboten hatten, die Flüchtlinge aufzunehmen. "Es gab die ganze Zeit eine Lösung. Aber wir auf dem Schiff hatten keine Erlaubnis, einzulaufen." Das deutsche Innenministerium habe darauf bestanden, dass die Menschen in Italien registriert werden, weil dann nach den Dublin-Regeln Italien für die Asylanträge zuständig gewesen sei.

Zudem setzt sich Rackete, die kürzlich ihr Buch "Handeln statt Hoffen" vorgelegt hat, für den Klimaschutz ein. So arbeitete sie etwa nach dem Studium der Nautik auf einem Forschungsschiff, wo sie direkt mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert wurde. "Das war für mich ein großer Schock, am Nordpol anzukommen. Man stellt sich da wirklich ein ewiges Eis vor", so Rackete. "Doch wir konnten keine Eisscholle finden, die dick genug war, auf der die Wissenschaftler ihre Forschungsstation aufbauen konnten." Forscher hätten ihr erzählt, dass in ihrer Lebenszeit das Eis massiv weniger geworden sei. "Sie waren absolut schockiert darüber, dass es zwar die wissenschaftlichen Fakten seit Dekaden gibt, aber das politisch so wenig passiert."

Zuletzt erregte Rackete Aufsehen wegen ihres Engagements bei Protesten der Klimabewegung Extinction Rebellion, die mit gewaltfreiem Widerstand die öffentliche Ordnung stören will. "Wir wissen, dass wir an die Grenzen des Erdsystems gehen mit dem was wir an Ressourcen verbrauchen, wie wir das Klima zerstören", sagt sie dazu. Als Reaktion darauf müsste die Gesellschaft etwas verändern. "Es gibt sehr viele Möglichkeiten, friedlichen, zivilen Widerstand zu leisten, der in der Vergangenheit auch genutzt wurde. Und der kann sehr unterschiedlich aussehen."

Sie fordert etwa, dass Klima- und Umweltzerstörung als Fluchtgrund anerkannt wird. Dabei sieht sie Europa, vor allem aber Deutschland in der Pflicht. "Wir müssen zwei Dinge tun: Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen nicht ihre Lebensgrundlage verlieren und auf der anderen Seite müssen wir aber die schützen, die gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen."

Klamroths Konter

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Quelle: n-tv.de, mli

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