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Montag, 08. Oktober 2018

Rotes Kreuz warnt vor Folgen: Klimawandel verschärft Umweltkatastrophen

Internationale Helfer rücken nach eigenen Angaben bei mehr als der Hälfte ihrer Einsätze wegen extremen Wetters aus. Diese Situation könnte sich in Zukunft verschlimmern. Angesichts eines Berichts des Weltklimarats schlagen Umweltschützer auch in Deutschland Alarm.

Angesichts des Klimawandels warnt das Rote Kreuz vor mehr und vor allem schwierigen Katastropheneinsätzen. "Mehr als die Hälfte unserer Operationen sind inzwischen wetterbedingt, viele weitere werden vom Klima beeinflusst oder zusätzlich verschärft", sagte der Präsident der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC), Francesco Rocca, laut einer Mitteilung in Genf.

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Es sei daher nur schwer vorstellbar, wie sich kleine Gemeinschaften gegen noch mehr Krisen und Katastrophen in einer deutlich wärmeren Welt zur Wehr setzen könnten. "In einer 1,5 Grad wärmeren Welt werden mehr Ereignisse mit extremem Wetter alle Menschen betreffen. Besonders grausam wird es dann für Gemeinschaften, die schon jetzt wegen Konflikten, Unsicherheit und Armut ums Überleben kämpfen."

Laut der Weltorganisation für Meteorologie sind 2016 rund 23,5 Millionen Menschen wegen wetterbedingten Katastrophen geflüchtet. Das Rote Kreuz fordert daher auch eine bessere finanzielle Unterstützung. Der Weltklimarat der UN (IPCC) hatte zuvor erklärt, dass die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad nur durch rasches Handeln auf allen Feldern erreicht werden könne.

Der globale Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) müsste demnach von 2010 bis 2030 um 45 Prozent fallen und im Jahr 2050 Null erreichen. Im Klimaabkommen von Paris hatten sich die Länder Ende 2015 darauf geeinigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die neuen Forschungsergebnisse zeigen, dass die Risiken für Natur und Menschen bei einer Erderwärmung um zwei Grad statt 1,5 Grad stärker stiegen als bisher bekannt. Extremereignisse wie Dürre und Fluten nähmen dann deutlich zu.

Grüne: Klimaschutz in Verfassung verankern

Als Reaktion auf den Sonderbericht des UN-Klimarats forderte Bundesumweltministerin Svenja Schulze ein schnelles Handeln. "Wir dürfen beim Klimaschutz keine Zeit mehr verlieren. Das ist die Kernbotschaft des Berichts", sagte die SPD-Politikerin in Berlin. "Die nächsten Jahre sind entscheidend, damit unser Planet nicht aus dem Gleichgewicht gerät." Man müsse den Abschied von Kohle, Öl und Gas hinbekommen. In Deutschland wird derzeit in einer Kommission um den Ausstieg aus der Kohle gerungen.

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"Wir stehen zu unseren ambitionierten nationalen und europäischen Klimazielen und zu den Beschlüssen der Pariser Klimakonferenz", sagte Marie-Luise Dött, umweltpolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag. Richtig sei aber auch, dass Klimaschutz enorme Herausforderungen für den deutschen Wirtschaftsstandort darstelle. "Um sie zu bewältigen, brauchen wir einen gesellschaftlichen Konsens, wie wir diese Ziele sozial gerecht und wirtschaftlich vernünftig erreichen", so Dött. Fronten wie zuletzt im Hambacher Forst seien für das Erreichen eines gesamtgesellschaftlichen Kompromisses nicht hilfreich.

Die Sprecherin für Klimapolitik der Grünen, Lisa Badum, forderte von der Bundesregierung, deren Verantwortung "endlich wahrzunehmen": "Mit einem frühen, gesetzlich fest verankerten Kohleausstieg kann Deutschland als größter Braunkohleverstromer der Welt einen wichtigen Beitrag für dieses Ziel leisten." Sie sprach sich zudem dafür aus, Klimaschutz in die Verfassung aufzunehmen.

Auch Umwelt- und Entwicklungsorganisationen riefen zu größeren Anstrengungen beim Klimaschutz auf. Der IPCC-Bericht zeige: "Es geht um jedes Zehntel, ja sogar jedes Hundertstel Grad vermiedene Erwärmung", erklärte der Politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals. Schon ab einer Erwärmung von 1,5 Grad könnten Prozesse angestoßen werden, die nicht mehr umkehrbar seien, warnte Bals.

"Alle Augen sind auf EU gerichtet"

"Zugleich steigen die volkswirtschaftlichen Kosten der Folgen des Klimawandels bei einer Erwärmung über 1,5 Grad rapide", erklärte der Germanwatch-Geschäftsführer weiter. Die Präsidentin des evangelischen Entwicklungswerks Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel, wies in der gemeinsamen Erklärung mit Germanwatch darauf hin, dass sich auch "klimabedingte Migration und Vertreibung bei einer Erwärmung von 1,5 Grad - und umso mehr bei 2 Grad Erwärmung - verstärken werden".

Internationale Klimaschützer drängen vor allem die Europäische Union zu mehr Anstrengungen, um die Erderwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen. Die EU müsse ihre mittel- und langfristigen Klimaziele deutlich erhöhen, erklärte das Climate Action Network (CAN) in Brüssel. "Alle Augen sind jetzt auf die EU-Umweltminister gerichtet." Die Minister wollen am morgigen Dienstag in Luxemburg die nächste Weltklimakonferenz in Polen im Dezember vorbereiten.

EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete hatte im Sommer dafür plädiert, auf internationaler Ebene bis 2030 eine Senkung der Treibhausgase der EU um 45 Prozent im Vergleich zu 1990 zuzusagen. Bisher ist das EU-Ziel 40 Prozent. Deutschland und einige andere EU-Staaten lehnen es ab, das Ziel jetzt nachzuschärfen. Andere Staaten wollen sich nach Angaben von CAN beim Rat der Umweltminister dafür einsetzen und entsprechende Änderungen an den Beschlussvorlagen einbringen. CAN ist der größte Verband von Klimaschützern weltweit und umfasst nach eigenen Angaben 1300 Organisationen.

Quelle: n-tv.de