Politik

30 Millionen Dosen bei Zulassung Kretschmer: Deutschland ordert Sputnik V

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Die EMA prüft seit Anfang März die vorliegenden Daten des Vakzins.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Eine europäische Zulassung des Sputnik-V-Impfstoffs steht zwar noch aus, laut dem sächsischen Ministerpräsidenten Kretschmer könnte es aber bald so weit sein. Dann will sich Deutschland umgehend eine erste Lieferung sichern, kündigt er an. In Sachsen gebe es jedenfalls keine Vorbehalte dem Vakzin gegenüber.

Deutschland will nach Angaben von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer insgesamt 30 Millionen Sputnik-V-Impfdosen kaufen. "Wir wollen dreimal zehn Millionen Dosen - im Juni, Juli und im August - Sputnik V kaufen", sagte der CDU-Politiker bei einem Besuch in Moskau. "Voraussetzung ist die Zulassung bei der europäischen Arzneimittelbehörde", fügte Kretschmer hinzu, der zuvor mit dem russischen Gesundheitsminister gesprochen hatte. Die EMA-Zulassung bilde die nötige Vertrauensbasis. Es wäre ein großer Erfolg, wenn die Zulassung im Mai erfolgen würde.

Die EU-Arzneimittelbehörde prüft seit Anfang März eine Zulassung von Sputnik V in Europa. Bei der sogenannten Rolling Review werden erste Ergebnisse wissenschaftlicher und klinischer Tests nach und nach analysiert, bevor alle für eine Zulassung nötigen Daten vorliegen. Bei allen bisher zugelassenen Corona-Impfstoffen war die EMA ebenso vorgegangen. Derzeit befinde sich eine EMA-Delegation in Moskau. Man wolle gemeinsam diese Zulassung erreichen, habe der russische Gesundheitsminister versichert. "Der Minister ist guter Dinge, wir auch."

Zustimmung in Sachsen hoch

Sollte die Lieferung klappen, würde Sachsen nach dem Verteilschlüssel der Bundesländer in den drei Monaten jeweils 500.000 Dosen bekommen. "Wir werden sehen, ob die Zustimmung überall so hoch ist wie in Sachsen und den neuen Ländern für den Impfstoff - vielleicht kriegen wir dann auch mehr", sagte Kretschmer in Anspielung auf mögliche Vorbehalte in westlichen Bundesländern gegen einen Impfstoff aus Russland. In Sachsen werde das Vakzin jedenfalls auf große Zustimmung stoßen.

Der 45-Jährige fügte hinzu, er wolle sich kommende Woche mit Astrazeneca impfen lassen - als Zeichen, dass dieser Impfstoff sicher sei. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission das Vakzin des britisch-schwedischen Pharmakonzerns nur für Menschen ab 60 Jahren. Mit ärztlicher Absprache ist aber auch eine Impfung für Jüngere möglich.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Mittwoch kritisiert, dass einige EU-Staaten Sputnik V bereits ohne EMA-Zulassung einsetzen. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte Verhandlungen über den Kauf angekündigt, nachdem Länder wie Bayern und Mecklenburg-Vorpommern eigenständig mit dem russischen Hersteller verhandelt hatten. In Deutschland ist der Bund für die Impfstoff-Beschaffung zuständig.

Kritik an Russland-Reise

Offizieller Anlass von Kretschmers Aufenthalt in Russland ist die Eröffnung der Ausstellung "Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland", die mit Dresdner Kunstwerken im Rahmen des Deutschlandjahres in Russland eröffnet wird. Das Auswärtige Amt fördert die Ausstellung zum Teil.

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Im Vorfeld hatte es Kritik an der Reise gegeben. Das US-Konsulat in Leipzig schrieb am Mittwoch auf Twitter: "Wir sollten das unredliche Verhalten Russlands nicht tolerieren oder entschuldigen, ob es sich nun um Desinformation, Hackerangriffe, die Vergiftung und Inhaftierung von Aktivisten oder die Verschärfung regionaler Konflikte handelt", schrieb das US-Konsulat zu einem Retweet, in dem von einem "falschen Zeitpunkt" der Reise Kretschmers die Rede ist.

"Wir müssen Russland deutlich machen, dass Taten Folgen haben", fügte das Konsulat hinzu. Aus SPD und Grünen gab es die Forderung, Kretschmer müsse kritische Themen wie den Gesundheitszustand des inhaftierten russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny oder den russischen Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze ansprechen.

Quelle: ntv.de, mdi/rts

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