Politik

Kritik an Einladung von Rechtem MDR streicht umstrittenes Debattenpodium

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Die MDR-Doku befasst sich mit den "umstrittenen Vorfällen" und lädt Protagonisten ein. Doch die Auswahl sorgt für Empörung.

(Foto: imago/xcitepress)

Der MDR lädt für eine Diskussion über die Ausschreitungen in Chemnitz vor einem Jahr auch einen Vertreter einer maßgeblich beteiligten rechtspopulistischen Gruppierung ein. Die Empörung ist groß und einige Teilnehmer sagen ab. Nun ordnet der Sender des Format neu, findet zur Kritik inhaltlich aber keine Worte.

Nach tagelanger massiver Kritik an einer geplanten Diskussionsrunde anlässlich einer MDR-Dokumentation zu den gewaltsamen Ausschreitungen in Chemnitz vor einem Jahr zieht der Sender die Reißleine und organisiert die Runde vollkommen neu. Am sogenannten Publikumsdialog werden nun Macher des Films sowie Programmverantwortliche teilnehmen, wie die Drei-Länder-Anstalt mitteilte. Zur Kritik äußerte sich der Sender inhaltlich indes nicht. Nach zahlreichen Absagen sei die ursprünglich "gewollte Konstellation aus Sicht des Senders nicht mehr sinnvoll umzusetzen" gewesen, hieß es lediglich.

Grund der Kritik war die Einladung von AfD-Mann Arthur Österle. Dieser war bei vielen damaligen Demonstrationen der inzwischen vom Verfassungsschutz beobachteten rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz als Chef-Ordner aufgetreten. Nach und nach hatten daraufhin und wegen der massiven öffentlichen Empörung einige der anderen Gäste abgesagt, etwa die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig.

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Der MDR verteidigte bis zuletzt die Zusammensetzung des Podiums. So sollte die "gesamte Bandbreite des Films aus verschiedenen Perspektiven" wiedergegeben werden. MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi - ebenfalls geplanter Teilnehmer am Podium - sprach nun von einer kontroversen Debatte, die man natürlich "verfolgt und auch als wichtige Diskussion wahrgenommen" habe. "Wir bedauern die Absagen sehr, da wir gern den breiten Dialog geführt hätten."

Tötungsdelikt wird juristisch aufgearbeitet

Ungeachtet der Debatte werden Aufführung der Doku "Chemnitz - Ein Jahr danach" und die anschließende Publikumsdiskussion aber am 22. August in Chemnitz stattfinden. Dabei könne das Publikum nun mit "Machern und Verantwortlichen des MDR über den Film diskutieren". Der Film geht nach MDR-Angaben der der Frage nach, "wie sich das Leben für die Menschen in der Stadt nach den umstrittenen Vorfällen und der Medienberichterstattung Ende August 2018 verändert hat".

In der sächsischen Metropole war es nach der Tötung eines Mannes im August und September vergangenen Jahres zu teils massiven Auseinandersetzungen zwischen Rechten und einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis sowie der Polizei gekommen. Der Umgang und die Einschätzung der Vorfälle kosteten später den Chef des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, seinen Job. Das Tötungsdelikt wird derzeit juristisch aufgearbeitet. Zum Teil dauern die Ermittlungen zudem noch an. So ist ein dritter mutmaßlich Tatbeteiligter weiter flüchtig. Bei den drei Verdächtigen handelt es sich um Flüchtlinge.

Quelle: n-tv.de, jwu

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