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"Wir sind ein Volk" Putin sieht Russland als Opfer von Butscha

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Russlands Präsident Putin rechtfertigt den Angriff auf die Ukraine mit der Gewährleistung der russischen Sicherheit.

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

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Der Krieg gegen die Ukraine soll weitergehen, sagt Wladimir Putin. Dass er die Ukrainer als "Brudervolk" ansieht, ändert daran nichts. Die Berichte über das Massaker von Butscha bezeichnet der Kremlchef als "Fake" - von seinem Verbündeten Lukaschenko will er Beweise für eine westliche "Provokation" bekommen haben.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat die planmäßige Fortsetzung des Militäreinsatzes in der Ukraine angekündigt. "Unsere Aufgabe ist es, alle gesetzten Ziele zu erfüllen und zu erreichen und dabei die Verluste zu minimieren", betonte Putin bei einer Pressekonferenz mit dem belarussischen Staatschef Alexander Lukaschenko. "Und wir werden dabei gleichmäßig, ruhig und nach dem ursprünglich vom Generalstab vorgeschlagenen Plan vorgehen." Das Ziel der "Operation" sei es, "den Menschen im Donbass Hilfe zu leisten, die sich mit Russland verbunden fühlen". Putin betonte zum wiederholten Mal, die "Operation" diene der Gewährleistung der russischen Sicherheit: "Wir hatten keine andere Wahl", sagte er.

Zugleich beschuldigte Putin den Westen, "Brudervölker" voneinander trennen zu wollen. Der ukrainische Nationalismus sei erst im 19. Jahrhundert entstanden, um das russische Volk zu spalten, so Putin. Im Zweiten Weltkrieg seien es die ukrainischen Nationalisten gewesen, die im Auftrag von Nazi-Deutschland Pogrome gegen Polen und Juden verübt hätten. "Heutzutage sehen wir auf den Bildern aus der Ukraine Kämpfer mit 'SS Galizien'-Aufnähern", behauptete Putin mit Blick auf die galizische Division Nr. 1 bei der Waffen-SS, die im Zweiten Weltkrieg mit ukrainischen Freiwilligen und sogenannten Volksdeutschen aufgestellt war.

"Fake in Butscha"

Auf die Frage eines Medienvertreters über die Beziehungen Russlands zu Belarus antwortete Putin: "Wir unterscheiden nicht wirklich, wo Belarus aufhört und Russland beginnt. Wir sind ein Volk - Russen, Belarussen und Ukrainer." Vor allem die Ukrainer sehen das überhaupt nicht so.

Berichte über ein Massaker an Zivilisten im ukrainischen Ort Butscha bei Kiew bezeichnete Putin als gegen Russland gerichtete "Provokation". Er verglich die Anschuldigungen gegen die russischen Streitkräfte mit Vorwürfen gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad, im Syrien-Krieg Chemie-Waffen eingesetzt zu haben: "Wir haben den gleichen Fake in Butscha." Eine UN-Untersuchung kam allerdings zu dem Schluss, dass die syrische Armee für einen Sarin-Einsatz im April 2017 verantwortlich ist. Russland verhinderte damals im UN-Sicherheitsrat die Verlängerung der Untersuchungsmission.

Putin erklärte, Lukaschenko habe ihm Dokumente übergeben, die belegen sollen, wer "diese Provokation und diesen Fake organisiert hat", und wie. Lukaschenko sprach zuvor in diesem Zusammenhang von "Engländern", die in Butscha "eine psychologische Operation durchgeführt haben". Zusammen mit Russland habe Belarus "diese widerliche, ekelhafte Operation des Westens aufgeklärt", sagte Lukaschenko.

Putin erklärt westlichen "Blitzkrieg" für gescheitert

Mit Blick auf die westlichen Sanktionen erklärte Putin einen vermeintlichen westlichen "Wirtschaftskrieg" gegen sein Land für gescheitert. "Dieser Blitzkrieg, auf den unsere Missgönner gesetzt haben, ist natürlich fehlgeschlagen, das ist offensichtlich", sagte Putin. Russlands Wirtschaft und Finanzsystem stünden "fest auf beiden Beinen".

Zugleich räumte der Kremlchef auch Probleme durch die wegen Russlands Krieg in der Ukraine verhängten westlichen Sanktionen ein - etwa in der Logistik und bei Abrechnungen. "Natürlich gibt es Probleme", sagte Putin. Die Waren, darunter etwa Dünger, würden ihren Weg aber trotzdem zum Kunden finden. "Die Wirtschaft arbeitet ziemlich stabil", sagte Putin.

Russland sei auch auf möglicherweise weiter steigende Risiken gefasst. Die Schwierigkeiten würden aber gemeistert und machten Russland am Ende stärker. "Wir werden weiter jedem beliebigen Versuch entgegentreten, die Entwicklung unserer Länder zu bremsen und künstlich von der Weltwirtschaft zu isolieren."

"Wir haben ein gemeinsames Vaterland"

Putin und Lukaschenko hatten anlässlich des Tags der Raumfahrt den geplanten Weltraumbahnhof "Wostotschny" im Osten Russlands besichtigt und später unter vier Augen gesprochen. Die autoritär geführte Ex-Sowjetrepublik Belarus ist ein enger Verbündeter Russlands. Russische Truppen hatten in den vergangenen Wochen die Ukraine auch von belarussischem Gebiet aus angegriffen.

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"Sie können sich auf die Belarussen verlassen. Die Russen müssen wissen, dass wir immer für Sie da sein werden, ganz gleich, wie die Lage ist", betonte Lukaschenko beim Treffen mit Putin. "Wir haben ein gemeinsames Vaterland, auch wenn wir in verschiedenen Staaten leben. Im Gegensatz zu einigen anderen Republiken haben wir unsere Einheit bewahrt. Und wir sind entschlossen, diese Einheit zu festigen", sagte der belarussische Machthaber, der von der EU nicht als legitimer Präsident anerkannt wird. 2020, nach den offensichtlich grob gefälschten Präsidentschaftswahlen, ließ er die friedlichen Proteste gegen ihn brutal niederschlagen. Zehntausende Menschen kamen in Gefängnisse, Hunderte wurden verletzt, mehrere Demonstranten wurden getötet.

Die belarussische Armee ist bislang nicht in den Krieg involviert. Seit dem Beginn der Invasion gab es in Belarus zahlreiche Sabotageakte vor allem an der Eisenbahn, die sich gegen die russische Armee richteten. Hunderte Belarussen kämpfen zudem in der Ukraine an Kiews Seite.

Quelle: ntv.de, uzh/AFP/dpa

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