Politik

Bei weiteren Verlusten Russlands USA halten offenbar Chemiewaffen-Einsatz für möglich

c62d930095e736b5be9b32f6a5f64356.jpg

Ein Grauen, auch ohne den Einsatz von Chemiewaffen: Ukrainische Rettungskräfte nach der Zerstörung einer Entbindungsklinik in der Region Saporischschja.

(Foto: AP)

Die USA wappnen sich für den Fall der Fälle: Sollte Russlands Armee anhaltende Verluste erleiden oder zusammenbrechen, halten US-Beamte einem Bericht zufolge einen russischen Chemiewaffen-Einsatz nicht für ausgeschlossen. Die USA versorgen Kiew demnach bereits mit Schutzausrüstung.

Die US-Regierung schließt im Falle anhaltender russischer Verluste offenbar Chemiewaffen-Angriffe in der Ukraine nicht aus. Dies berichtet "Politico" unter Berufung auf sechs mit der Angelegenheit vertraute Personen, zu denen auch Beamte des Verteidigungsministeriums gehören. Demnach geht die US-Regierung davon aus, dass Russland vor einer nuklearen Konfrontation mit der NATO zuerst chemische Waffen in der Ukraine einsetzen könnte, sollten die russischen Truppen weiter an Boden verlieren.

Tatsächlich liegen den USA dem Bericht zufolge keine Hinweise vor, dass ein solcher Angriff in der Ukraine unmittelbar bevorsteht. Allerdings kämen einige hochrangige Beamte zu dem Schluss, dass für den Fall anhaltender Verluste auf dem Schlachtfeld oder bei einem völligen Zusammenbruch der russischen Armee Moskau auf chemische Waffen zurückgreifen könnte - einschließlich jener, die es bei der Vergiftung des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny eingesetzt haben soll.

Bei einem solchen Angriff erwarten die Beamten offenbar den Einsatz von Chemikalien, die sich leicht verbergen lassen, so dass es für westliche Länder schwieriger wäre, Moskau zu beschuldigen. Russland könnte Wirkstoffe auf pharmazeutischer Basis einsetzen, so die Einschätzung der zitierten Beamten. Einige Chemikalien könnten für einen Massenanschlag verwendet werden. Laut dem Bericht können sie beispielsweise in ein Aerosol verwandelt oder in Munition verwendet werden, um einer großen Gruppe von Menschen Schaden zuzufügen.

"Politico" zufolge drängt die Regierung in Washington darauf, dass die Verbündeten auf einen solchen Fall vorbereitet sind. In diesem Herbst hat das Pentagon offenbar bereits Teams in osteuropäische Länder entsandt, um deren Militärs über Abläufe im Falle chemischer oder biologischer Bedrohungen zu informieren. Außerdem sollen die USA im Rahmen ihrer milliardenschweren Militärhilfe Kiew mit chemischer, biologischer und nuklearer Schutzausrüstung ausgestattet haben. Auch die US-Senatoren seien über die russischen Chemiewaffenbestände und die Bedrohung in der Ukraine informiert worden.

USA arbeiten an Früherkennungssystem

Die Regierung Biden arbeitet laut dem Bericht außerdem an Plänen, um Investitionen in die Herstellung von Früherkennungssystemen und tragbaren Technologien wie Masken zu erhöhen. Sie wolle auch neu bewerten, wie man besser Daten über die Fähigkeiten und Bestände der Länder sammeln kann.

Die Besorgnis über den möglichen Einsatz von Chemiewaffen in der Ukraine kommt in einer Zeit, in der US-Beamte zunehmend davon ausgehen, dass Russland zu einer unkonventionellen Kriegsführung greifen wird, wenn es weiter an Boden verliert. Aus US-Geheimdienstinformationen vom Herbst geht laut "Politico" hervor, dass hochrangige Beamte glauben, Russland könnte in einem Akt der Verzweiflung Atomwaffen einsetzen. US-Präsident Joe Biden warnte vor einem möglichen "Armageddon".

Mehr zum Thema

Im Oktober behaupteten russische Beamte, die Ukraine bereite eine Operation unter falscher Flagge vor, indem sie eine "schmutzige Bombe" auf ihrem eigenen Territorium zünden würde. Westliche Staats- und Regierungschefs wiesen diese Behauptungen zurück und warnten davor, dass Moskau die falschen Anschuldigungen als Vorwand für eine weitere Eskalation nutzen könnte. US-Beamte äußerten damals die Befürchtung, dass Russland selbst eine sogenannte schmutzige Bombe einsetzen und dann die Ukraine dafür verantwortlich machen könnte.

Die Beamten halten laut dem Bericht jedoch weder einen nuklearen noch einen chemischen Angriff für wahrscheinlich. Das Verteidigungsministerium geht davon aus, dass sich die Kämpfe in den Wintermonaten verlangsamen werden, wenn Regen und Schlamm die Mobilität der Truppen erschweren, und keine der beiden Seiten große Fortschritte auf dem Schlachtfeld machen wird.

Quelle: ntv.de, ghö

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen