Politik

Die CDU stellt sich neu auf Wer löst Merkel ab?

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Kanzlerin Merkel und Hessens Ministerpräsident Bouffier stellen sich im Konrad-Adenauer-Haus der Presse.

(Foto: imago/photothek)

Erst Bayern, dann Hessen - die CDU muss zwei bittere Wahlniederlagen verkraften. Parteichefin Angela Merkel kündigt ihren Rückzug an. Sie will zwar weiterhin Kanzlerin bleiben, leitet aber den Übergang für ihre Nachfolge ein. Beim Parteitag im Dezember stellt Merkel schon mal ihr Amt als CDU-Vorsitzende zur Verfügung. Wer den Posten ergattert, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 2021 - und vielleicht der nächste Kanzler der Bundesrepublik. Die prominentesten Kandidaten im Überblick.

Annegret Kramp-Karrenbauer

Geht es um die Merkel-Nachfolge, fällt der Name Kramp-Karrenbauer immer wieder. Die 56-Jährige gab bereits Anfang des Jahres ihren Posten als Ministerpräsidentin des Saarlandes auf und stieg in der innerparteilichen Hierarchie auf. Derzeit ist sie Generalsekretärin der CDU.

Für Kramp-Karrenbauer spricht: Im März 2017 gelang der populären Politikerin im Saarland einer der wenigen echten Wahlerfolge der Union. Die CDU setzte sich damals überraschend deutlich gegen die SPD durch und konnte trotz des Einzugs der AfD in den Bundestag Stimmen gewinnen.

AKK, wie Kramp-Karrenbauer genannt wird, gilt als loyale Merkel-Unterstützerin - auch bei schwierigen Themen wie der Migration. Deshalb gilt sie als Wunschkandidatin der Kanzlerin. Übernimmt tatsächlich Kramp-Karrenbauer, kann aber von einem echten Neuanfang kaum die Rede sein. Und den sehnen sich konservative CDU-Anhänger herbei. Aus Parteikreisen heißt es, dass sie es trotzdem wagen will.

Ursula von der Leyen

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Durchsetzungsstark: Verteidigungsministerin von der Leyen boxt ihre Bundeswehrreform regelrecht durch.

(Foto: imago/Jens Jeske)

Auch Ursula von der Leyen gilt als loyale Vertraute Merkels. Auch sie könnte kaum das verkörpern, was so vielen in der Union fehlt: eine Rückkehr zu konservativen Werten. Doch in der Vergangenheit fiel auch der Name der 60-jährigen Verteidigungsministerin als mögliche Merkel-Nachfolgerin. Und das nicht nur, weil von der Leyen eine geschickte Rednerin ist, die auffällig selbstsicher auftritt. Von der Leyen gilt auch als machtbewusst und ehrgeizig.

Von der Leyen hat sich zum Ziel gesetzt, die Bundeswehr kräftig umzukrempeln. Dabei stieß sie auf erheblichen Widerstand in der Truppe. Doch während viele ihrer Vorgänger strauchelten, ist von der Leyen noch immer die Herrin im Bendlerblock. An Durchsetzungskraft - so viel ist sicher - fehlt es der Mutter von sieben Kindern nicht. Womöglich aber an Netzwerken. Von der Leyen gilt als Einzelkämpferin. Ihr fehlen, so heißt es, die Weggefährten und Vertrauten, um weiter aufzusteigen. Am Abend löst sie dann auch alle Spekulationen auf:  Sie werde "definitiv nicht kandidieren", sagt die Ministerin im ZDF.

Armin Laschet

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Armin Laschet hat einen starken Landesverband im Rücken.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ob jemand das Zeug zum Kanzler hat, hängt nicht allein an der Persönlichkeit: Entscheidend kann auch sein, einen starken Landesverband im Rücken zu haben. Und keiner hat einen stärkeren Landesverband hinter sich als Armin Laschet. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen wird auch deshalb immer wieder als Nachfolger Merkels genannt. Und das verstärkt, seitdem er bei den Landtagswahlen 2017 als klarer Sieger hervorging. Die CDU legte in Nordrhein-Westfalen fast sieben Prozentpunkte zu und löste die SPD als stärkste Kraft ab.

Laschet gehört ebenfalls ins Lager der loyalen Merkel-Unterstützer. Allerdings pflegt er auch gute Kontakte zu den Freien Demokraten. FDP-Chef Christian Lindner attestierte ihm bereits Kanzlerformat. Laschet könnte somit Brücken bauen und wäre prädestiniert für eine Jamaika-Koalition. Unklar ist, ob er das auch wirklich will. Er hält sich eine eigene Kandidatur für den Bundesvorsitz vorerst offen - und will zunächst das Gespräch suchen. Die CDU müsse die Lage erst analysieren und danach entscheiden.

Daniel Günther

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Durchstarter: Daniel Günther will allerdings zunächst in Schleswig-Holstein erfolgreich Politik machen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der 45 Jahre alte Günther ist vielen Bürgern der Bundesrepublik noch nicht bekannt. Und das hat gute Gründe. Er fiel über die Landesebene hinaus nicht auf. Erst 2016 wurde er zum Vorsitzenden der CDU in Schleswig-Holstein gewählt. Schlag auf Schlag folgten darauf die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl und ein Überraschungserfolg der Union, der ihn nach ganz oben spülte. Seit 2017 ist Günther Ministerpräsident und der Kopf einer Jamaika-Koalition.

Günther gilt als einer der vielversprechendsten Aufsteiger in der Union. Doch vielleicht wäre der Sprung an die Parteispitze für ihn noch verfrüht. Er selbst sagt, er wolle zunächst erfolgreich Politik in Schleswig-Holstein machen. Außerdem gilt auch für ihn, was für AKK und von der Leyen gilt. Inhaltlich würde Günther eher für ein "Weiter so" stehen.

Wolfgang Schäuble

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Geht es um Erfahrung, kann Wolfgang Schäuble kein aktiver Politiker in Deutschland das Wasser reichen.

(Foto: picture alliance / Sophia Kembow)

Wolfgang Schäuble ist ein Urgestein im Politbetrieb. Und eine alte Größe in der CDU. Der Partei trat er schon 1965 bei. Er war Kanzleramtschef unter Helmut Kohl, Fraktionschef, Innen- und Finanzminister. Auch das Amt des CDU-Vorsitzenden hatte er schon inne. Derzeit ist er Präsident des Bundestages. Geht es um Erfahrung, kann ihm derzeit wohl kein Abgeordneter das Wasser reichen. Das Kanzleramt wäre für Schäuble die Krönung einer beeindruckenden Karriere.

Ihm dürfte es kaum an Respekt und Ansehen fehlen - und das über die Union hinaus. Zudem setzt er sich inhaltlich ausreichend von Merkel ab, um für einen neuen Kurs der Union zu stehen. Schäuble hat den Ruf, hart durchgreifen zu können - insbesondere, wenn es um Law-and-Order-Politik geht. Aber auch bei der haushälterischen schwarzen Null oder der Finanzkrise gab er sich rigoros. Eine der größten Hürden: Schäuble ist 76 Jahre alt. Und schon als Finanzminister musste der querschnittsgelähmte Politiker seine Arbeit teils vom Krankenbett aus erledigen. Zugleich gilt für Schäuble allerdings: Von Amtsmüdigkeit gibt es keine Spur. Zumindest als Übergangslösung wird er hoch gehandelt.

Friedrich Merz

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Für Friedrich Merz wäre es wohl eine späte Genugtuung, Merkel abzulösen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Einer der ersten, die sich als Merkel-Nachfolger ins Spiel brachten, war Friedrich Merz. Der 62-Jährige ist geradezu ein Gegenpol zur Kanzlerin. Merz hat maßgeblich die Debatte über eine deutsche Leitkultur geprägt und steht für einen klaren wirtschaftsliberalen Kurs. Die "Sozialdemokratisierung" der Union hat er stets skeptisch bis ablehnend beäugt.

Für Merz wäre es gewissermaßen auch eine persönliche Genugtuung, Merkel abzulösen. 2002 verdrängte sie ihn von der Spitze der Unionsfraktion. Der Wertkonservative geriet bei ihrer Neuausrichtung der Union immer weiter ins Abseits. Seit 2009 sitzt er nicht einmal mehr im Bundestag. Merz arbeitete seither als Anwalt und bekleidete Posten in Aufsichtsräten diverser Großkonzerne.

Wie eine Kandidatur in der Union ankommen würde, ist unklar: Einerseits steht er für vieles, was konservativen CDU-Mitgliedern unter Merkel verlorengegangen schien. Andererseits kommt Merz nun praktisch aus dem Nichts. Sollte Merz' Kandidatur wie eine Rache an Merkel wirken, dürfte er zudem die Spaltung der CDU eher vergrößern statt verkleinern.

Jens Spahn

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Jens Spahn steht als einer der profiliertesten Merkel-Kritiker jetzt unter Druck.

(Foto: dpa)

Nicht ganz so polarisierend wie Merz wirkt Jens Spahn, obwohl er als großer Provokateur gilt. Kanzlerin Merkel hat er vor allem in ihrer Flüchtlingspolitik scharf kritisiert. Für heftige Debatten sorgte er wegen seiner Haltung zu Hartz IV. Zugleich ist Spahn aber nicht das, was man einen klassischen Wertkonservativen nennt. Spahn ist offen schwul und hat kein Problem mit schwarz-grünen Koalitionen. Seitdem er Gesundheitsminister ist, stürzt er sich zudem demonstrativ in die Sachpolitik.

Der 38-Jährige hat in den vergangenen Jahren immer wieder damit kokettiert, ganz hoch hinaus zu wollen. Aber in seiner kürzlich erschienen Biografie deutete er an, dass es für die Kanzlerschaft vielleicht noch ein bisschen zu früh ist. Im dem Buch heißt es: "Bekannt bin ich jetzt, beliebt muss ich noch werden." Dass er trotzdem für den Parteivorsitz kandidieren will, dürfte auch daran liegen, dass der Druck auf ihn hoch ist. Als einer der schärfsten Kritiker Merkels könnte es ihm als hasenfüßig ausgelegt werden, wenn er nach all den Worten nicht auch mit Taten Verantwortung übernehmen würde.

Quelle: n-tv.de, mit dpa